Filmkritiken

Body Brokers, der Film, der zeigt wie Süchtige in den USA zur Ware werden

Martha O'Hara

Das Licht in den Büros eines Patientenvermittlers flackert nicht. Es brennt — gleichmäßig, fluoreszierend, ununterscheidbar von dem Licht in Notaufnahmen, Polizeiwachen und Hinterzimmern von Versicherungsgesellschaften. John Swab hat das verstanden, als er Body Brokers drehte: Die visuelle Grammatik der Ausbeutung ist dieselbe wie die der Fürsorge. Die gleichen Plastikstühle. Die gleichen Decken. Das gleiche Personal mit Ausweisen und beruhigenden Stimmen.

Utah (Jack Kilmer) entdeckt diese Grammatik von innen. Als junger Mann in der Suchtrehabilitation wird er in das System des Patientenhandels hineingezogen — eine Praxis, bei der Vermittler Provisionen dafür erhalten, dass sie Süchtige an bestimmte Behandlungseinrichtungen vermitteln. In den USA, besonders in Florida und Kalifornien auf dem Höhepunkt der Opioidkrise, war dies keine Metapher, sondern eine Industrie. Die Einrichtungen stellten Versicherungen für Behandlungen in Rechnung, die manchmal stattfanden, manchmal nicht. Die Kranken wurden zur Ware. Die Infrastruktur der Heilung wurde zur Infrastruktur des Betrugs.

YouTube Video

Swab, der auch das Drehbuch schrieb, hält seinen Blick bewusst nüchtern. Body Brokers interessiert sich nicht für die Rhetorik der Heilung, sondern für die des Verkaufs. Der Film beobachtet seine Figuren mit dokumentarischer Geduld — beige Wände, das Licht von Parkplätzen, die beiläufige Sprache von Transaktionen im Namen der Genesung. Als Utahs Freundin Wood (Alice Englert) ebenfalls in das Geschäft einsteigt, nutzt der Film ihre wachsende Komplizenschaft nicht für moralische Belehrungen, sondern zur Bestandsaufnahme: So werden gewöhnliche Menschen zu Instrumenten eines Systems, das nie dazu gedacht war, irgendjemanden zu helfen.

Die Leistungen des Ensembles sind das stärkste Argument des Films. Michael K. Williams — der im September 2021, dem Jahr der Veröffentlichung, starb — verleiht Vin seine unverwechselbare Mischung aus Bedrohung und Wärme: ein Veteran des Gewerbes, der sein Tun zu etwas rationalisiert hat, das einer Philosophie ähnelt. Melissa Leo navigiert als May die oberen Ebenen der Branche mit professioneller Kälte, die beunruhigender wirkt als jeder explizite Bösewicht. Jack Kilmers Natürlichkeit trägt Utah durch Terrain, das leicht zur Erlösungsklischee werden könnte. Frank Grillo vervollständigt das Ensemble mit charakteristischer Autorität.

Die Kameraarbeit verdient ihre Zurückhaltung. Es gibt etwas beinahe Dokumentarisches in der Art, wie Swab institutionelle Räume kadriert — Rehab-Zentren, die überall stehen könnten, Highways zwischen Nirgendwo und Nirgendwo, Licht, das sich nicht um Schönheit bemüht. Das ist das visuelle Argument des Films: Diese Art von Ausbeutung braucht kein dramatisches Licht. Sie operiert im gewöhnlichen Licht, das schon immer den gewöhnlichen Handel beleuchtet hat.

Body Brokers erschien Anfang 2021 weitgehend unbemerkt von den großen Preisverleihungen — unvermeidlich vielleicht für einen Low-Budget-Independentfilm über ein Thema, das die Branche als unangenehm empfand. Das Thema selbst war nicht hypothetisch: Patientenvermittlung war Gegenstand bundesweiter Ermittlungen, staatlicher Strafverfolgungen und Anhörungen im US-Kongress. Swab schuf ein Dokument ebenso wie ein Drama, und die Grenzen des Films — ein zweiter Akt, der bisweilen die straffe Ökonomie des Beginns verliert — können nie aufwiegen, was er richtig macht: ein präzises Porträt eines präzisen amerikanischen Versagens.

Regie

John Swab
Photo via The Movie Database (TMDB)

John Swab

Fotos: The Movie Database (TMDB)

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

Schlagwörter: , , , , ,

Diskussion

Es gibt 0 Kommentare.