Kino

Willa Holland und der Dämon, der in The Mortuary Assistant die Gesichter der Toten trägt

Martha O'Hara

Der Raum ist ganz Edelstahl und tiefes Neonsummen, dieses Licht, das die Haut flach macht und alles in die Farbe eines angehaltenen Atems taucht. Hier verbringt Rebecca Owens ihre Nächte: allein mit den frisch Verstorbenen, einem Abfluss im Boden und einer Liste von Handgriffen, die der Horror seit jeher unerträglich intim findet. Waschen, einbalsamieren, die Augen schließen, das Formular unterschreiben. The Mortuary Assistant zieht sein Grauen unmittelbar aus dieser Prozedur, aus der tastenden Geduld, mit der ein Körper hergerichtet wird, während im Dunkeln etwas zu atmen beginnt.

Rebecca ist keine kreischende Naive, sondern eine ausgebildete Bestatterin mit einer zerrütteten Vergangenheit, eine trockene Süchtige, die den Job annahm, weil es der einzige war, der sie noch wollte. Was als Routine beginnt, ganz Papierkram und Kühlkammer und der Mentor zwei Türen weiter, gerinnt zu etwas anderem, als die Leichen in geliehenen Stimmen zu sprechen anfangen und ein Dämon damit beginnt, die Gesichter der Toten anzuprobieren. Die zentrale Aufgabe ist jene, die aus der Vorlage eine Obsession machte: das Ding richtig zu benennen, oder von ihm geholt zu werden.

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Willa Holland als Rebecca zu besetzen ist das klarste Argument des Films dafür, was er sein will. Holland spielt sie nicht als Final Girl, sondern als jemanden, der schon vor dem Spuk verbraucht ist, was die Angst eher psychologisch als bloß reaktiv hält; die Frau kämpft gegen ihre eigene Geschichte, ehe irgendein Dämon auftaucht, um sie ihr aufzulisten. Ihr gegenüber bringt Paul Sparks sein besonderes Register aus leiser Beunruhigung in Raymond Delver ein, den Mentor des Bestattungshauses, dessen Freundlichkeit sich nie ganz in etwas verwandelt, dem man trauen könnte. Diese Zwei-Personen-Form, eine jüngere Frau und der ältere Mann, der die Geheimnisse des Gebäudes kennt, gibt dem übernatürlichen Stoff eine menschliche Leitung, an der er entlanglaufen kann.

Regisseur Jeremiah Kipp kommt hierher aus einer langen Strecke von Kurzformat- und Genrearbeit, und er adaptiert eines der angeseheneren jüngeren Beispiele für Indie-Videospielhorror, ein Spiel, dessen Kraft fast vollständig im Ich-Perspektiven-Ritual und der Schuld des Spielers lag. Diese Herkunft zählt. Der Film landet inmitten der aktuellen Welle kleiner Horrorspiele, die den Sprung auf die Leinwand schaffen, jene Strömung, die auch Five Nights at Freddy’s und Iron Lung aus der Konsole ins Kino trug. Die Drehbuchautoren Tracee Beebe und Brian Clarke teilen sich den Adaptionskredit, und weil Clarke das ursprüngliche Spiel baute, bleibt die Übertragung wenigstens nah an der Quelle, die ihm seine Anhängerschaft verschaffte.

Unter der Besessenheitsmechanik geht es dem Spiel und nun dem Film um Schuld als unbezahlbare Schuld. Der Dämon greift nicht einfach an; er klagt an, gräbt in dem, was Rebecca getan und was sie ungetan gelassen hat, und trägt die Toten wie Masken, um an die lebende Frau heranzukommen. Horror in einem Leichenschauhaus lebt von der Nähe, und hier sind die Toten weniger Monster als vielmehr Beweismaterial. Das Versorgen wird zu einer nächtlichen Beichte, und Kipp lässt die Kamera zu den Händen zurückkehren, zu den Instrumenten, zu den kleinen klinischen Gesten, die die Geduld unerträglich macht.

Kipp und sein Team behandeln das Bestattungshaus als eigenständige Figur. River Fields ist ganz abgewetztes Linoleum und natriumgelb ausgeleuchtete Flure, ein Ort, an dem die Palette in blaugrüne Blutergüsse und das Braun alten Holzes läuft, wo jede saubere Fläche wie etwas wirkt, das darauf wartet, befleckt zu werden. Die Schrecken leben weniger in dem, was hervorspringt, als in der Komposition selbst, in den lang gehaltenen Einstellungen, die eine Gestalt am Rand des Lichts auftauchen lassen, ehe Rebecca oder das Publikum bereit ist, sie zu benennen. Es ist ein Film, der versteht, dass ein Leichenschauhaus zuerst als Raum schrecklich ist und erst danach als Spuk.

Was der Film nicht erben kann, ist genau das, was das Spiel angsteinflößend machte. Auf einer Konsole war der Schrecken teilnehmend. Man war es selbst, der wählen musste, und eine falsche Bestimmung war das eigene Versagen, protokolliert im eigenen Zögern. Ein Film nimmt diese Handlungsmacht weg und verlangt von einer starren Kamera, ein Grauen zu reproduzieren, das einst von den Nerven des Spielers abhing. Adaptionen atmosphärischer, schleifenbasierter Spiele verlieren diese Reibung regelmäßig, und es ist noch nicht ausgemacht, dass ein in gewöhnlicher Auflösung gefilmtes River Fields einen passiven Zuschauer so verstrickt fühlen lässt, wie es der Controller tat. Die Schockmomente werden zünden; die Schuld ist der schwerere Import.

Willa Holland as Rebecca Owens in The Mortuary Assistant, 2026
Willa Holland in The Mortuary Assistant (2026)

Zur Besetzung um Holland und Sparks gehören John Adams, Mark Steger als eine Figur, die nur als The Mimic geführt wird, Emily Bennett, Shelly Gibson und Keena Ferguson. Der Film läuft einundneunzig Minuten und entstand unter dem Dread-Label von Epic Pictures gemeinsam mit Traverse Terror, einer amerikanisch-britischen Koproduktion. Er erreicht sein Publikum über Shudder, die Horror-Streaming-Heimat, die still und leise zur Standardadresse für genau diese Größe und Temperatur des Genrekinos geworden ist.

The Mortuary Assistant startete in ausgewählten US-Kinos am 13. Februar, ehe der Film Ende März zu Shudder und AMC+ wanderte, mit einem britischen Shudder-Termin ebenfalls Ende März. Ein deutscher Kinostart ist bislang nicht bestätigt. Ob er seine Schrecken durch mehr als Lautstärke verdient, seine zentrale Mutprobe hält er intakt: früher oder später muss man den Namen des Dings im Dunkeln aussprechen und sich sicher sein, dass man ihn richtig hat.

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