Kino

Dan Lin: Wer bei Netflix Kino fordert, bekommt keinen Anruf

Jun Satō

Der Chef von Netflix Film hat klargemacht, wer nicht eingestellt wird — und eine Ausnahme benannt, die die Grenze erst sichtbar macht.

Scott Stuber baute Netflix Film als Prestigeprojekt. „Roma“, „The Irishman“ und „The Power of the Dog“ verlangten jeweils einen Kinolauf, um die Regisseure anzulocken, die sie drehten. Dan Lin übernahm den Vorsitz im April 2024 und strich die Bedingung. Regisseure, die auf einem Kinostart bestehen, sagte er, seien keine Gruppe zum Verhandeln — sondern eine Gruppe, auf die Netflix beschlossen hat zu verzichten.

Lin war direkt, als man ihn danach fragte. „Es gibt eine Gruppe von Filmemachern, die immer noch das Kino wollen“, sagte er. „Das sind Filmemacher, bei denen wir akzeptiert haben, dass wir mit ihnen einfach nicht arbeiten werden.“ Was er stattdessen bevorzugt: ein breiteres, günstigeres Programm. Mehr Filme mittleren Budgets, mehr Genre-Vielfalt, „jemandes Lieblingsfilm“ statt eines Einzelereignisses für Cineasten. Volumen und Wiederholbarkeit, kein individuelles Prestige.

Die Biografie zählt. Lin baute Rideback auf „The Lego Movie“ und Stephen Kings „Es“ auf — kommerziell nachhaltige Titel, die das Festivalparkett nie brauchten, um ihr Publikum zu finden. Er hat seine Karriere damit verbracht, Systeme zu bauen, keine Reputationen zu umwerben. Der Netflix-Posten ist für ihn die Fortsetzung dieses Ansatzes.

Ein Name stellt die Regel auf die Probe. Greta Gerwigs „Die Chroniken von Narnia: Der Neffe des Zauberers“ bekommt eine echte breite Kinoauswertung — IMAX-Vorpremieren am 10. Februar 2027, weltweite Eröffnung zwei Tage später, Netflix-Drop am 2. April. Lin nennt die Ausnahme ohne Zögern. Das ist der Punkt: Sie ist diejenige, die die Grenze sichtbar macht.

Die Titel, die er als Vorlage anführt, liegen anderswo. Die Romantic Comedy „People We Meet on Vacation“ zog über 17 Millionen Aufrufe am Startwochenende. Der Animationsfilm „KPop Demon Hunters“ überschritt 19 Millionen Dollar. Selbst die Fortsetzung von David Finchers „Once Upon a Time in Hollywood“ und Rian Johnsons „Wake Up Dead Man“ hatten nur kurze IMAX-Einstätze — kurz genug, um als Doktrin gelesen zu werden, nicht als Vertriebsstrategie.

Martin Scorsese und Alfonso Cuarón haben Netflix in den 2010er-Jahren als Filmstudio glaubwürdig gemacht. Lins Position ist, dass diese Glaubwürdigkeit nicht mehr von ihnen abhängt. Die Gästeliste hat sich geändert. Die Türpolitik ist schriftlich festgehalten.

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