Kino

Das siebente Siegel, der Film von Ingmar Bergman, in dem ein Ritter mit dem Tod Schach spielt, während der Himmel schweigt

Jun Satō

Ein Ritter kehrt von den Kreuzzügen heim und findet die Welt, die er verließ, ohne ihn zu Ende gehen. Die Pest leert die Dörfer, Prozessionen von Flagellanten geißeln sich durch den Staub, die Kirchen bemalen eifrig ihre Wände mit Skeletten — und an einem grauen, steinigen Strand steht eine in einen schwarzen Mantel gehüllte Gestalt vollkommen reglos und wartet. Als der Ritter fragt, wer er sei, kommt die Antwort, die niemand hören will: Er ist der Tod. Und der Ritter, Antonius Block, der zehn Jahre im Heiligen Land nach einem Beweis für Gottes Existenz gesucht und nichts als Schweigen zurückgebracht hat, tut das Einzige, was einem in die Enge getriebenen Mann einfällt: Er fordert den Tod zu einer Schachpartie heraus.

Dieses Bild — ein Mann in verbeulter Rüstung, über ein Brett gebeugt, ihm gegenüber ein kreideweißes Gesicht unter schwarzer Kapuze — gehört zu den bekanntesten, die das Kino je hervorgebracht hat, tausendfach kopiert und parodiert. Doch der Film ringsum ist fremder, langsamer und weit zärtlicher, als sein furchteinflößender Ruf vermuten lässt. Block (Max von Sydow, in der Rolle, die ihn zum Star und zu Bergmans lebenslangem Hauptdarsteller machte) spielt nicht wirklich, um zu gewinnen. Er spielt um Zeit: ein paar Tage mehr auf dem Brett, um, bevor er davon gefegt wird, eine einzige sinnvolle Tat zu vollbringen.

Um dieses Duell herum entfaltet Bergman einen ganzen mittelalterlichen Roadmovie. Blocks Knappe Jöns (Gunnar Björnstrand) geht als irdische Stimme des Films neben ihm her, ein Mann, der längst aufgehört hat, vom Himmel eine Antwort zu erwarten, und der Grausamkeit nun mit einem Achselzucken, einem Scherz und gelegentlich einer schlichten Geste des Anstands begegnet. Ihren Weg kreuzt eine kleine Schar fahrender Gaukler: der sanfte Jongleur Jof (Nils Poppe), der Visionen hat, die ihm niemand glaubt, seine Frau Mia (Bibi Andersson) und ihr Säugling. Ihr Nachmittag mit Walderdbeeren und frischer Milch, geteilt auf einem sonnigen Hang, erweist sich still als das Sinnvolle, das der Ritter sein Leben lang gesucht hat.

Von Gunnar Fischer in einem harten, leuchtenden Schwarzweiß fotografiert, wirkt der Film wie aus Holzschnitt und mittelalterlichem Fresko geschnitten: Gestalten im Gegenlicht vor gebleichten Himmeln, die Verbrennung eines Mädchens, das beschuldigt wird, mit dem Teufel gelegen zu haben, eine Prozession von Büßern unter einem hölzernen Christus. Bergman, Sohn eines lutherischen Pfarrers, baute ihn aus den Kirchenmalereien, die ihn als Kind erschreckt und fasziniert hatten. Selbst der Titel stammt aus einer gemalten Apokalypse: das siebente Siegel der Offenbarung, das beim Öffnen nicht Donner bringt, sondern eine schreckliche Stille — „und es ward eine Stille im Himmel bei einer halben Stunde“.

Diese Stille ist das eigentliche Thema des Films. Block fürchtet weniger den Tod als das Sterben ins Nichts; er will, dass Gott spricht, ihm Gewissheit reicht, und was er erhält, ist eine Leere, die nicht antwortet. Das könnte unerträglich finster sein, und doch wendet sich der Film immer wieder der Wärme zu: Mias Gesicht in der Sonne, der kleinen Gnade einer Schale Erdbeeren, dem Gedanken, dass menschliche Zärtlichkeit noch etwas zählt, wenn der Himmel verschlossen bleibt. Bergman stellt die größte Frage, die ein Mensch stellen kann, und beantwortet sie, fast schüchtern, mit den kleinsten menschlichen Gesten.

Die Darstellungen tragen das Ganze. Von Sydows Ritter ist hagere, suchende Stille; Björnstrands Knappe gibt dem Film sein Salz und seinen Überlebensinstinkt; Bibi Andersson und Nils Poppe leuchten als Gaukler, und Bengt Ekerots Tod — höflich, geduldig, leise belustigt — ist eine der großen Personifikationen der Leinwand, eher Schachpartner als Ungeheuer. Als der Film in Cannes den Spezialpreis der Jury gewann, ging er um die Welt und erfand beinahe im Alleingang die internationale Idee des „Autorenkinos“. Sein Schlussbild — die Toten, Hand in Hand als Silhouetten über einen Hügel gegen die Morgendämmerung geführt, der Totentanz, den Jof erblickt — ist der berühmteste Tanz des Kinos.

Jahrzehnte später ist nichts daran veraltet. Die Kostüme sind mittelalterlich, das Grauen ist zeitlos: ein Film darüber, lebendig zu sein und zu wissen, dass es enden wird, gemacht von einem Künstler, jung genug, den Schrecken noch zu spüren, und diszipliniert genug, ihm eine Form zu geben, die der Gnade nahekommt. Das siebente Siegel ist der Moment, in dem das Kino reif genug wurde, mit Gott auf Augenhöhe zu streiten — und in dem es entdeckte, dass die Antwort, wenn sie endlich kommt, ein Kind sein kann, eine Schale Erdbeeren und ein Nachmittag voller Sonne.

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