Filmkritiken

Zwei an einem Tag: ein bewegendes Porträt von Liebe und Verlust im Lauf der Zeit

Martin Cid
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Die letzte Einstellung von Zwei an einem Tag, eine lange Nahaufnahme von Anne Hathaways Gesicht, während sie aufs Meer hinausblickt, ist eines jener Bilder, die noch lange nach dem Abspann nachhallen. Ein Moment stiller Erschütterung, der Lone Scherfigs Verfilmung des Romans von David Nicholls perfekt auf den Punkt bringt. Der Film begleitet Dexter Mayhew (Jim Sturgess) und Emma Morley (Hathaway) durch das Leben, die Liebe und alles, was dazwischenliegt. Zwei Jahrzehnte lang hält er jedes Jahr an einem festen Tag bei ihnen inne. Diese Erzählstruktur ist die größte Stärke des Films: Jeder jährliche Zwischenstand lässt neue Facetten ihrer Beziehung erkennen.

Scherfig, bekannt für ihre Arbeit an An Education, verleiht dem Stoff ein feines Gespür für Timing und emotionale Wirkung. Mit großer Sicherheit hält sie Humor und Herzschmerz in der Balance und formt daraus eine Erzählung, die zugleich intim und weit gespannt wirkt. Das Erzähltempo ist bedächtig; jedes Jahr bekommt Raum, sich zu entfalten und natürlich weiterzuentwickeln. Dieser Ansatz zahlt sich in Szenen aus wie Emmas emotionalem Zusammenbruch in einem Taxi nach einer gescheiterten Beziehung oder Dexters verzweifeltem Versuch, nach Jahren der Entfremdung wieder Kontakt zu ihr aufzunehmen. In solchen Momenten liegt das Herz des Films: Scherfig holt aus einer Szene jede Nuance an Gefühl heraus, ohne ins Melodramatische abzugleiten.

Hathaway ist der unbestrittene Dreh- und Angelpunkt des Films. Ihr Spiel ist eine Meisterleistung der Zurückhaltung: Jeder Blick und jede Geste sind vielschichtig und bedeutungsvoll. Sie verleiht Emma eine unverstellte Verletzlichkeit und macht sie zu einer der nahbarsten und fesselndsten Hauptfiguren der jüngeren Filmgeschichte. Mit ihrer Darstellung bringt Hathaway Emmas Intelligenz, Witz und tief sitzende Ängste zum Ausdruck und bildet so das emotionale Zentrum des Films. Sturgess ist als Dexter zwar charmant und charismatisch, kann mit ihrer Tiefe jedoch kaum mithalten. Sein Spiel wirkt oft eindimensional, besonders in den späteren Jahren, in denen Dexters Entwicklung ins Stocken gerät.

Auch die Nebenfiguren verleihen der Geschichte Wärme und Kontur. Patricia Clarkson glänzt als Alison Mayhew, Dexters Mutter, und verbindet in ihrer Rolle Herzlichkeit mit Stärke. Ken Stott überzeugt ebenso als Dexters Vater Stephen Mayhew und sorgt für eine geerdete Präsenz, die den verspielteren Momenten des Films etwas entgegensetzt. Romola Garai bringt in ihrem kurzen, aber einprägsamen Auftritt als Sylvie Cope eine eigenwillige Note ein, die das Ensemble bereichert.

Ganz ohne Schwächen ist Zwei an einem Tag dennoch nicht. Das Erzähltempo gerät gelegentlich ins Stolpern, vor allem in der zweiten Hälfte, wenn manche Jahre gehetzt oder zu wenig ausgearbeitet wirken. Die Übergänge von einem Jahr zum nächsten sind mitunter holprig, wodurch einzelne Handlungsbögen abrupt erscheinen. Der Soundtrack ist zwar nostalgisch und sorgfältig zusammengestellt, wirkt stellenweise aber allzu plakativ und schwächt damit die emotionale Wirkung, die er eigentlich verstärken soll. So können die populären Songs aus den jeweiligen Jahren manchmal eher wie ein erzählerischer Notbehelf als wie eine Bereicherung wirken.

Die größte Stärke des Films ist seine Auseinandersetzung mit Themen wie Reue, Verbundenheit und dem Vergehen der Zeit. Er stellt schwierige Fragen zu Liebe und Zusammengehörigkeit und scheut nicht vor der Komplexität menschlicher Beziehungen zurück. Die Erzählstruktur eröffnet einen ungewöhnlichen Blick auf Entwicklung und Veränderung und zeigt, wie zwei Menschen sich im Lauf der Zeit in völlig unterschiedliche Richtungen entwickeln können.

Zwei an einem Tag dürfte vor allem jene berühren, die charaktergetriebene Dramen und emotionale Zwischentöne schätzen. Es ist keine konventionelle Romanze, sondern eine Geschichte über die Höhen und Tiefen des Lebens und die Beziehungen, die uns prägen. Die Dynamik zwischen Emma und Dexter ist gleichermaßen herzerwärmend und herzzerreißend. Dabei zeichnet der Film ein realistisches Bild von Liebe, die nicht immer mit einem glücklichen Ende belohnt wird.

Im Vergleich zu anderen romantischen Dramen hebt sich Zwei an einem Tag durch seine ungewöhnliche Erzählstruktur und emotionale Tiefe ab. Zwar erreicht der Film vielleicht nicht die Höhen von Klassikern wie Before Sunset, findet mit seinen nahbaren Figuren und seiner fesselnden Geschichte aber eine eigene Nische. Dass er Humor und Herzschmerz so gekonnt miteinander verbindet, macht ihn zu einem besonderen Beitrag des Genres.

Letztlich ist Zwei an einem Tag eine zutiefst menschliche Geschichte über Verbundenheit, Reue und das Vergehen der Zeit. Der Film bringt einen zum Lachen und zum Weinen und regt dazu an, über das eigene Leben und die eigenen Beziehungen nachzudenken.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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