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Black Lotus: Stilvolle Kämpfe retten die müde Rachegeschichte nicht

Veronica Loop
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In Black Lotus flackert das Neonlicht der Amsterdamer Grachten über die Leinwand. Der Actionthriller von Todor Chapkanov ist mit dem Kickboxer und Schauspieler Rico Verhoeven besetzt. Der Film beginnt mit einem Versprechen: Matteo Donner (Verhoeven), ein ehemaliger Elitekämpfer, macht sich auf, die Tochter eines Freundes aus den Fängen eines Verbrechersyndikats zu befreien. Die Straßen der Stadt werden zu seinem Schlachtfeld. Doch dieses Versprechen verblasst schnell.

Chapkanov orientiert sich stark an der John-Wick-Formel: düstere Gassen, unablässige Actionsequenzen und ein Protagonist, der sich wie eine Naturgewalt bewegt. Verhoevens körperliche Präsenz ist unbestreitbar; seine Kickboxerfahrung verleiht den Kampfszenen Glaubwürdigkeit – sie sind die große Stärke des Films. Besonders die finale Sequenz sorgt mit ihrer neongetränkten Choreografie für einen Adrenalinschub, wirkt aber eher wie ein Trostpreis als wie ein Höhepunkt.

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Die Geschichte hingegen ist die Schwachstelle von Black Lotus. Sie folgt einem schmerzhaft vorhersehbaren Muster: ein trauernder Vater, der zum Selbstjustizler wird, eine Tochter, die zwischen die Fronten gerät, und ein Verbrechersyndikat, das nur dazu da ist, besiegt zu werden. Originelles sucht man hier vergeblich; selbst die emotionalen Momente – Verlust, Erlösung, Aufopferung – wirken eher austauschbar als verdient. Dem Drehbuch fehlt es an Nuancen: Figuren wie Frank Grillos Saban und Marie Dompniers Helene bleiben bloße Rädchen im Getriebe.

Auch die Kameraarbeit hilft dem Film nicht weiter. Die dunkle, gedämpfte Palette aus Blau- und Violetttönen schafft zwar eine melancholische Atmosphäre, nimmt dem Film aber zugleich jede Lebendigkeit. Amsterdam mit seinen berühmten Grachten und seiner Architektur bleibt als Schauplatz weitgehend ungenutzt. Die Schönheit der Stadt verschwindet oft im Schatten – so wirken die Bilder eher wie eine verpasste Gelegenheit als wie eine bewusste Entscheidung.

Verhoevens Leistung ist solide, doch sein schauspielerisches Können wird auf die Probe gestellt, sobald er mehr zeigen soll als körperlichen Einsatz. Grillo und Dompnier schlagen sich etwas besser und verleihen ihren Rollen einen Hauch von Gewicht, doch auch sie können aus dem Material nicht mehr herausholen. Die Nebenbesetzung – darunter Pippi Casey, Rona-Lee Shimon, Kevin Janssens, Peter Franzén und Magnus Samuelsson – bleibt weitgehend blass.

Black Lotus will vieles zugleich sein: eine raue Rachegeschichte, ein actiongeladener Thriller und ein Krimi. Doch der Film verzettelt sich, und am Ende verfolgt er keine seiner Ambitionen konsequent. Der größte Schwachpunkt ist die fehlende Originalität der Geschichte; statt Spannung bleibt beim Publikum ein Déjà-vu-Gefühl zurück.

Unterm Strich ist Black Lotus ein glimmender Funke, wo ein Feuer hätte lodern sollen. Bei Fans geradliniger Actionfilme dürfte der Film zwar Anklang finden, doch ihm fehlen Tiefe und Originalität, um sich in einem überfüllten Genre hervorzutun.

Schauen wir uns genauer an, was Black Lotus zu bieten hat und wen der Film ansprechen könnte. Zunächst machen ihn die vertrauten Genremuster zugänglich für Gelegenheitszuschauer, die einen kurzen Nervenkitzel suchen. Die Actionsequenzen sind gut choreografiert, und Verhoevens körperliche Stärke zählt zu den Höhepunkten. Die Kämpfe sind brutal und unmittelbar, mit einer rauen Intensität, die sie von der stärker auf Hochglanz polierten Hollywood-Action abhebt.

Allerdings ist das Erzähltempo unausgewogen. Der Auftakt macht Hoffnung, doch der Mittelteil zieht sich, während der Film vergeblich versucht, Figuren und Handlung weiterzuentwickeln. Das Verbrechersyndikat etwa wirkt wie ein austauschbarer Bösewicht und nicht wie ein ernst zu nehmender Gegner. Weil es den Antagonisten an Tiefe fehlt, bleibt auch ihre Niederlage ohne Wirkung.

Auch der emotionale Kern des Films – Matteos Versuch, die Tochter seines Freundes zu retten – bleibt unterentwickelt. Die Beziehung zwischen Matteo und Angie (Pippi Casey) wird nie wirklich ausgelotet, sodass es schwerfällt, Anteil an ihrer Dynamik zu nehmen. Ebenso oberflächlich wirkt die Verbindung zwischen Matteo und Helene (Marie Dompnier); ihr fehlt das emotionale Gewicht, das die Handlung vorantreiben müsste.

Verlust, Erlösung und Aufopferung sind im Actiongenre vertraute Themen, doch Black Lotus hat ihnen nichts Neues hinzuzufügen. Ihre Behandlung bleibt bestenfalls oberflächlich, ohne nennenswerte Selbstreflexion oder Tiefe. Matteos Entwicklung verläuft eindimensional und beschränkt sich auf eine Reihe gewaltsamer Konfrontationen, statt einen vielschichtigen Figurenbogen zu zeichnen.

Handwerklich hat Black Lotus durchaus seine Momente. Das Sounddesign ist wirkungsvoll und nutzt die Umgebungsgeräusche der Stadt, um das Publikum mitten ins Geschehen zu versetzen. Die Filmmusik ergänzt die Actionsequenzen und steigert Spannung und Nervenkitzel. Doch all das reicht nicht aus, um die erzählerischen Schwächen des Films auszugleichen.

Im Vergleich mit anderen Actionthrillern ähnlicher Machart schneidet Black Lotus schlechter ab. Filmen wie John Wick und The Raid gelingt es, unablässige Action mit packendem Erzählen und einer überzeugenden Figurenentwicklung zu verbinden. Black Lotus hingegen setzt zu sehr auf seine Actionsequenzen – auf Kosten von allem anderen.

Die Zielgruppe des Films dürften vor allem Fans geradliniger Action ohne viel Beiwerk sein. Wer eine anspruchslose Adrenalinfahrt sucht, kann mit Black Lotus durchaus seinen Spaß haben; Zuschauer, die Tiefe und Originalität erwarten, werden jedoch enttäuscht. Der größte Makel des Films ist sein fehlender Ehrgeiz: Er hebt sich nicht von den zahllosen Actionfilmen ab, die vor ihm erschienen sind.

Fazit: Black Lotus will zu viel auf einmal sein und ist am Ende nichts Besonderes. Der Film hat seine Momente – vor allem in der finalen Actionsequenz –, doch insgesamt bleibt wenig in Erinnerung.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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