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Fremont: Der stille Kampf einer Geflüchteten – mit schwarzem Humor

Molly Se-kyung
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Die Eröffnungsszene von Fremont zeigt Anaita Wali Zadas Gesicht, während sie aus dem Busfenster blickt. Ihr Spiegelbild liegt über der verschwommenen kalifornischen Landschaft. Ein treffendes Bild für Donyas Leben: gefangen zwischen zwei Welten, weder hier noch dort. Unter der Regie von Babak Jalali erzählt die Tragikomödie von einer afghanischen Geflüchteten und ehemaligen Übersetzerin, die sich in Fremont zurechtfinden muss – einer Stadt, die für ihre Vielfalt, aber auch für ihre Abgeschiedenheit bekannt ist.

Was Fremont besonders macht, sind der stille, trockene Humor und der unaufdringliche Charme. Der Film entwirft eine Welt von alltäglicher Schönheit: Donyas Arbeit, Glückskeksen Sprüche zu schreiben, wird zum bewegenden Sinnbild ihrer eigenen unerfüllten Hoffnungen. Ihre Therapiesitzungen mit dem exzentrischen Dr. Anthony (Gregg Turkington) sorgen derweil für Momente schwarzen Humors. Jalalis Regie ist zurückhaltend, aber präzise. Er lässt den Szenen Raum und gibt Humor wie Gefühl Gelegenheit, sich ganz natürlich zu entfalten.

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Wali Zada trägt den Film mit einer Darbietung, die Donyas Einsamkeit und Sehnsucht durch fein abgestimmte Gesten und Blicke spürbar macht. Ihr zurückgenommenes Spiel ist meisterhaft und lässt Donyas emotionale Reise authentisch und mitreißend wirken. Jeremy Allen White zeigt sich ganz anders als in seiner Rolle in The Bear und verleiht Daniel, dem Mann, der unverhofft in Donyas Leben tritt, Wärme und Aufrichtigkeit. Die Chemie zwischen Wali Zada und White ist deutlich spürbar; ihre Liebesgeschichte wirkt verdient und glaubwürdig. Auch die Nebenbesetzung, darunter Hilda Schmelling als Joanna und Siddique Ahmed als Salim, bereichert das eigenwillige Ensemble um weitere Facetten.

Beim Erzähltempo gerät Fremont allerdings ins Stocken. Der bedächtige Rhythmus wirkt mitunter ziellos, und manche Nebenstränge – etwa Donyas Beziehung zu ihrer Familie in Kabul – bleiben unterentwickelt. Der trockene Ton ist zwar konsequent, grenzt gelegentlich aber an Manieriertheit. Dadurch wirken emotionale Momente eher gedämpft als nachhaltig berührend.

Die Originalität des Films liegt darin, Komödie und Drama zu verbinden, ohne auf Klischees zurückzugreifen. Es ist eine Liebeskomödie der ungewöhnlichsten Art, die auf große Gesten verzichtet und stattdessen stille Nähe in den Mittelpunkt stellt. Die Kameraarbeit mit natürlichem Licht und langen Einstellungen verstärkt den kontemplativen Charakter des Films. Jalalis Regie erinnert an die Filme von Jim Jarmusch, insbesondere durch den trockenen Humor und den Blick auf Menschen am Rand der Gesellschaft.

Fremont dürfte vor allem bei Zuschauerinnen und Zuschauern Anklang finden, die langsame Erzählungen und charaktergetriebene Geschichten schätzen. Wer hochdramatische Konflikte oder rasante Action sucht, ist hier dagegen falsch. Stattdessen bietet der Film ein nuanciertes Porträt des Lebens als Einwanderer und erkundet Themen wie Entwurzelung, Identität und die Suche nach Zugehörigkeit.

Fremont in Kalifornien ist mehr als nur Kulisse – die Stadt ist eine eigene Figur. Ihre vielfältige Bevölkerung und die historischen Viertel bilden ein facettenreiches Panorama, vor dem sich Donyas Geschichte entfaltet. Der Film fängt den vielschichtigen kulturellen Charakter Fremonts ein und zeigt dabei sowohl seine Schönheit als auch seine Herausforderungen.

Zu den eindrücklichsten Szenen gehört Donyas Besuch in der Glückskeksfabrik, in der sie arbeitet. Die Szene ist mit klinischer Präzision gefilmt, die die Eintönigkeit ihrer Arbeit unterstreicht. Doch selbst in diesem unspektakulären Umfeld findet Jalali poetische Momente. Wie Donya jeden Glückskeks sorgfältig herstellt und ihre Hoffnungen und Träume in Worte fasst, die für andere bestimmt sind, wird zu einem kraftvollen Sinnbild ihrer eigenen unerfüllten Wünsche.

Auch die Therapiesitzungen mit Dr. Anthony gehören zu den Höhepunkten. Gregg Turkingtons Darstellung des exzentrischen Therapeuten ist zugleich urkomisch und herzerwärmend. Sein trockener Vortrag und seine unkonventionellen Methoden verleihen dem Film eine zusätzliche Note schwarzen Humors und machen diese Szenen zu einigen der einprägsamsten.

Die Liebesgeschichte zwischen Donya und Daniel entwickelt sich langsam und auf natürliche Weise. Ihre Nähe entsteht aus gemeinsamen Momenten der Verletzlichkeit, nicht aus großen romantischen Gesten. Jeremy Allen White beweist mit seiner Darstellung Daniels seine Wandlungsfähigkeit als Schauspieler. Er bringt echte Wärme und Aufrichtigkeit in die Rolle und lässt Daniel wie einen wirklichen Menschen wirken – nicht wie den stereotypen Schwarm aus einer romantischen Komödie.

Besonders bewegend erkundet der Film Themen wie Entwurzelung und Identität. Donyas Suche nach einem Platz in einem neuen Land ist eine universelle Erfahrung, die viele Zuschauerinnen und Zuschauer berührt. Der Film bietet weder einfache Antworten noch allzu schlichte Lösungen, sondern zeichnet ein nuanciertes Bild des Lebens als Einwanderer und macht sowohl dessen Herausforderungen als auch dessen Erfolge sichtbar.

Fremont wirkt noch lange nach dem Abspann nach. Sein stiller Charme und sein unaufdringlicher Humor machen den Film zu einem besonderen Beitrag zum Tragikomödien-Genre.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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