Filmkritiken

Dark Web (2016): Cybercrime-Thriller, in dem ein Einwanderer die Bank seiner Mutter angreift

Jun Satō
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Akan Satayevs „Dark Web – Kontrolle ist eine Illusion“ begleitet einen jungen ukrainischen Einwanderer in Kanada vom Kreditkartenbetrug bis in den Dunstkreis eines Darknet-Netzwerks namens DarkWeb. Dahinter steht eine ungewöhnliche Produktion: eine Firma aus Toronto, ein kasachischer Regisseur und kasachisches Geld.

„Dark Web – Kontrolle ist eine Illusion“ (Originaltitel: Hacker) von Regisseur Akan Satayev erzählt von Alex Danyliuk (Callan McAuliffe), dem Sohn einer ukrainischen Familie, die nach Kanada auswandert und schließlich von Sozialhilfe lebt. Alex wächst mit wenigen Freunden und sehr viel Zeit im Internet auf, und sein erstes Geld verdient er als „clicker“, also als jemand, der Klicks erzeugt und damit Websites ihre Einnahmen verschafft. Als die Bank, bei der seine Mutter angestellt war, sie entlässt, verliert die Familie ihr letztes regelmäßiges Einkommen. Später, nachdem er für das Studium nach Toronto gezogen ist, kommt das nötige Geld aus einer anderen Quelle: Mit Sye (Daniel Eric Gold), einem mit allen Wassern gewaschenen Gauner, der den Schwarzmarkt kennt, beginnt er, verlorene und gestohlene Kreditkarten zu verwerten und Scheintransaktionen abzuwickeln.

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Der Wendepunkt ist ein Coup gegen genau die Bank, die seine Mutter entlassen hat. Alex wird erwischt und redet sich heraus, indem er Curtis (Zachary Bennett), dem Sicherheitschef der Bank, anbietet, die ungesicherte Website und die Computer des Hauses kostenlos in Ordnung zu bringen, wenn man ihn und Sye dafür laufen lässt. Die Episode spricht sich auf DarkWeb herum, einem kriminellen Online-Netzwerk, wo ihm der Umstand, eine Bank gehackt zu haben, indem er persönlich dort auftauchte, einen Ruf einbringt und die Aufmerksamkeit des maskierten Anführers weckt, einer Figur, die nur als Zed (Clifton Collins Jr.) bekannt ist.

Kira (Lorraine Nicholson), eine junge Hackerin, mit der Sye online Kontakt aufnimmt, bringt den beiden neue Methoden bei: Sie drucken ihre eigenen Kreditkarten und verschieben Geld über Bitcoin. Die Einnahmen des Trios steigen, bis ein Verkauf an eine Gruppe von Käufern schiefgeht und die drei nach Hongkong ausweichen. Dort bringt ein Beutezug über die Geldautomaten der Stadt 2,3 Millionen US-Dollar ein, nach jeder Abhebung bleibt eine Visitenkarte von DarkWeb zurück, und Zed meldet sich mit einem Auftrag, an den eine Warnung geknüpft ist: Ein Scheitern würde sie und ihre Familien das Leben kosten. Der letzte Akt dreht sich um diesen Auftrag, der bis zur Federal Reserve und an die Börse reicht, und um das, was jedes Mitglied der Gruppe vor den anderen verborgen hat. Dieser Artikel überlässt diese Wendungen dem Publikum.

Eine Firma aus Toronto, ein Regisseur aus Kasachstan

Der Film nahm seinen Anfang in Toronto. Im Februar 2013 gründete der Produzent und Drehbuchautor Sanzhar Sultan, damals noch als Sanzhar Sultanov geführt, gemeinsam mit dem kanadischen Risikokapitalgeber Loudon Owen, der wie er das Upper Canada College absolviert hatte, die Produktionsfirma Know Rules Media. Im September 2013 ging das Unternehmen eine Partnerschaft mit Akan Satayev und seinem Studio Sataifilm ein, und noch im selben Monat wurde während des Toronto International Film Festival der erste Teaser des Projekts gezeigt. Brillstein Entertainment Partners stieg als ausführender Produzent ein.

Ein Großteil des Geldes kam aus Kasachstan. Zu den damals genannten Investoren gehörte der kasachische Unternehmer Kenes Rakishev, der im Namen von Mobli investierte, einer App zum Teilen von Fotos und Videos, und die App hat sogar einen kleinen Platz in der Handlung. Angekündigt wurde der Film als Produktion mit einem Budget von 5 Millionen US-Dollar, die in New York, Toronto, Dubai und Bangkok gedreht werden sollte. Der fertige Film spielt in Toronto, Hongkong, New York und Bangkok und wurde auch dort gedreht; hinter der Kamera stand Pasha Patriki, den Schnitt besorgte Álex Márquez.

Als Drehbuchautoren werden Satayev, Sultan und Timur Zhaksylykov genannt. Bei der Ankündigung wurde das Projekt als auf wahren Begebenheiten beruhend vorgestellt, als der Fall eines jungen Einwanderers, der in eine cyberkriminelle Organisation namens DarkWeb hineingezogen wird, die ihr Geld mit Kreditkartenbetrug verdiente. Sultan beschrieb den Stoff als die Geschichte eines jungen Mannes, der durch Hacking einen leichten Weg zum Geld findet, ohne zunächst zu begreifen, dass leicht verdientes Geld ernste Folgen hat. Spätere Beschreibungen des fertigen Films nennen ihn weiterhin lose an wahre Ereignisse angelehnt; keine von ihnen benennt den Fall.

Dark Web in der Laufbahn von Akan Satayev

Akan Satayev wurde 1971 in Karaganda als Sohn zweier Schauspieler geboren, die am Dramatheater Karaganda Hauptrollen spielten; dort verbrachte er einen Großteil seiner Kindheit. 1994 schloss er sein Studium an der Film- und Fernsehfakultät der Kasachischen Nationalen Kunstakademie ab, nachdem er in „Allazhar“ von Kaldybay Abenov, einem Film über die Dezemberproteste 1986 in Alma-Ata, die Hauptrolle des Studenten Azat gespielt hatte. Nach dem Abschluss arbeitete er als Schauspieler und drehte Werbespots, und 2003 gründete er Sataifilm, die Firma, die 2007 sein Spielfilmdebüt produzierte, das Kriminaldrama „Racketeer“.

Als Dark Web angekündigt wurde, waren bereits zwei seiner Filme, „Strayed“ (2009) und das Historienepos „Myn Bala“ (2012), Kasachstans Einreichungen für den Oscar in der Kategorie fremdsprachiger Film gewesen, und das neue Projekt wurde als sein erstes ausländisches Vorhaben beworben: eine englischsprachige Produktion mit Schauspielern aus Australien, den Vereinigten Staaten und Kanada. Die folgenden Jahre führten ihn zurück in die Heimat und zu größeren Produktionen. 2016 gründete er den Astana Film Fund, um junge kasachische Filmschaffende und unabhängige Low-Budget-Filme zu unterstützen, und drehte „The Road to Mother“, ein Zeitdrama, das Kasachstan 2017 für die Oscars auswählte. 2019 folgte das Historienepos „Tomiris“, und von 2020 bis 2022 leitete er Kazakhfilm, das größte Filmstudio des Landes. 2025 kehrte er mit „Racketeer 3“ zu der Reihe zurück, mit der seine Karriere begonnen hatte.

Die Besetzung

Callan McAuliffe, der australische Schauspieler, der Alex spielt, wurde 1995 geboren und brachte bereits eine Reihe von Studioproduktionen mit: die Hauptrolle in Rob Reiners „Flipped“ (2010), Sam in „Ich bin Nummer Vier“ und den jungen Jay Gatsby in Baz Luhrmanns „Der große Gatsby“ (2013). Dark Web war nicht einmal seine erste Geschichte über junge Hacker. 2012 spielte er in dem australischen Fernsehfilm „Underground: The Julian Assange Story“ einen der Freunde des jugendlichen Julian Assange bei den International Subversives. Von 2017 bis 2022 verkörperte er Alden in „The Walking Dead“.

Lorraine Nicholson, 1990 in Los Angeles als Tochter der Schauspieler Jack Nicholson und Rebecca Broussard geboren, war vor allem durch die Rolle der Surferin Alana Blanchard in „Soul Surfer“ (2011) bekannt. In Dark Web spielt sie Kira, eine versierte Hackerin. Neben der Schauspielerei hat sie Kurzfilme geschrieben und inszeniert; der dritte, „Life Boat“, feierte 2017 auf dem Tribeca Film Festival Premiere, im selben Jahr, in dem sie in den AFI Directing Workshop for Women aufgenommen wurde.

Clifton Collins Jr., der Zed spielt, ist der Enkel des Schauspielers Pedro Gonzalez Gonzalez und ein erfahrener Darsteller in Kriminalgeschichten, vom Gangster César Sánchez in „187 – Eine tödliche Zahl“ (1997) über Steven Soderberghs „Traffic – Macht des Kartells“ (2000) bis zum Mörder Perry Smith in „Capote“ (2005). 2016, im Jahr, in dem Dark Web in die Kinos kam, war er außerdem als Lawrence in „Westworld“ zu sehen, und 2021 brachte ihm seine Hauptrolle in „Jockey“ beim Sundance Film Festival einen Spezialpreis der Jury für schauspielerische Leistung ein. Daniel Eric Gold, der Sye spielt, kommt von der New Yorker Bühne, wo er für Craig Lucas’ „Small Tragedy“ für einen Lucille Lortel Award nominiert wurde, und das Fernsehpublikum kennt ihn als Matt Hartley aus „Ugly Betty“. Zachary Bennett, im Film Curtis, ist der kanadische Schauspieler, der in „Road to Avonlea“ Felix King spielte.

Kinostart und die anderen Titel

Der Film kam im September 2016 in Thailand heraus. In den Vereinigten Staaten startete er am 2. Dezember 2016 in einer begrenzten Auswertung unter dem Titel „Anonymous“, dem Namen des Hackerkollektivs, anschließend brachte Sony Pictures ihn fürs Heimkino heraus. Andere Märkte benannten ihn erneut um: Hierzulande trägt er den Titel „Dark Web – Kontrolle ist eine Illusion“, in Italien heißt er „Hacker – Soldi facili“. Er erschien in einer Phase, in der Filme und Serien über Hacker Konjunktur hatten, ein Jahr nach Michael Manns „Blackhat“ und im selben Herbst wie Oliver Stones „Snowden“.

Was den Film auf dem Papier auszeichnet, ist sein Blickwinkel. Sein Hacker ist weder Genie noch Aktivist, sondern der Sohn einer Einwandererfamilie, der zum Kartenbetrug greift, nachdem eine Bank seine Mutter entlassen hat, und produktionstechnisch ist der Film ein seltenes Objekt: ein in Kanada produzierter, von einem kasachischen Regisseur inszenierter und größtenteils mit kasachischem Geld finanzierter englischsprachiger Thriller. Zugleich ist er ein kurzer Abstecher in der Laufbahn von Akan Satayev, sein erstes ausländisches Projekt, entstanden zwischen kasachischsprachigen Produktionen davor und danach. Ob der Film das Beste aus dieser Prämisse macht, muss das Publikum selbst entscheiden; was die Fakten zeigen, ist ein bescheidener Genrethriller mit ungewöhnlicher Herkunft, einer Besetzung aus drei Ländern und einer Geschichte darüber, wohin leichtes Geld führt.

Regie

Akan Satayev

Akan Satayev

Besetzung

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