Filmkritiken

Im Zeichen des Bösen — der kompromissloseste und kühnste Noir der Filmgeschichte

Orson Welles sezierte 1958 in seinem Meisterwerk Korruption und Moral bis ins Mark.
Martha O'Hara

Die Kamera schwenkt durch die engen Gassen einer Grenzstadt, ein Auto explodiert – Orson Welles‚ „Touch of Evil“ beginnt mit einem Bild voller Dreck und Dynamit. Ein Film, der sich wie ein Messer durch Korruption und Vorurteile schneidet.

„Touch of Evil“ (1958) ist kein gewöhnlicher Kriminalfilm. Welles inszeniert ihn als brutale Studie über Machtmissbrauch und Rassismus, getränkt in der düsteren Ästhetik des Film noir. Charlton Heston spielt den mexikanischen Ermittler Miguel Vargas, dessen Heimsuchung durch den korrupten Polizeihauptmann Hank Quinlan (Welles selbst) die Handlung antreibt. Die Dynamik zwischen den beiden ist elektrisch: Ein Duell aus Prinzipien und Perfidie, das sich in jeder Szene entlädt.

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Was funktioniert? Welles‘ Regie ist ein Meisterwerk der Bildsprache. Die berühmte Eröffnungsszene – eine dreiminütige, ungeschnittene Totalenfahrt durch die Stadt – setzt den Ton: Unbehagen, Bedrohung, ein Gefühl von Unausweichlichkeit. Auch die Spielarten des Lichts und Schattens sind meisterhaft eingesetzt; die Nacht scheint hier nicht nur düster, sondern lebendig, als würde sie selbst nach den Charakteren greifen. Janet Leighs Darstellung der entführten Susie ist eine weitere Stärke – ihre Szenen atmen Verzweiflung und Wut, besonders in der Hotelzimmerszene, wo sie zwischen Bewusstlosigkeit und Entsetzen gefangen ist.

Doch nicht alles hält diesem Niveau stand. Der Film leidet unter einer zerschlissenen Erzählstruktur; die Handlung springt zwischen Subplots, ohne immer klare Verbindungen herzustellen. Die Figur des „Uncle“ Joe Grandi (Akim Tamiroff) wirkt wie ein überflüssiger Gangsterklischee, und einige Dialoge fallen in holprige Klischees zurück – besonders wenn es um Vargas‘ Ehe mit der amerikanischen Susan geht.

Das Urteil? „Touch of Evil“ ist ein Film voller Widersprüche: Genial in seiner Bildsprache, aber manchmal schwach in der Ausführung. Welles‘ Vision eines korrupten Systems bleibt unvergesslich, auch wenn die Umsetzung nicht durchgängig überzeugt. Es ist ein Werk, das man trotz seiner Schwächen sehen muss – nicht als perfektes Meisterwerk, sondern als rohes, ungeschliffenes Juwel.

MCM Score: 7.8/10 — craft 2 / story 1.5 / performances 2 / originality 1.8 / genre_fit 2.

Besetzung

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