Filmkritiken

«There Will Be Blood»: Paul Thomas Andersons Meisterwerk über Gier, Glaube und das amerikanische Nichts

Martha Lucas

Manche Filme behaupten, Ehrgeiz verderbe den Charakter. There Will Be Blood stellt eine unangenehmere These auf: Er beobachtet einen Mann, der alles bekommt, was er sich je gewünscht hat, und enthüllt dabei, dass das Wollen sein eigentliches Leben war — dass darunter nie etwas anderes gewesen ist. Daniel Plainview bohrt sich durch die Erde, baut ein Ölimperium auf, opfert jeden menschlichen Bezug, der ihn hätte verlangsamen können, und steht am Ende des Films allein auf dem Boden seiner privaten Kegelbahn.

Paul Thomas Anderson eröffnet den Film mit einer Stille, die kein anderes amerikanisches Kino dieser Epoche riskiert hätte — fast fünfzehn Minuten ohne Dialog, ein einsamer Schürfer, der Silber und schließlich Öl aus dem Boden reißt, während Jonny Greenwoods Streicher auf der Tonspur kratzen und zerren wie etwas, das aufgebrochen wird. Das ist keine atmosphärische Einleitung. Das ist die Programmatik des gesamten Films: Oberflächen und Tiefen, das, wonach Männer graben, und das, was sie durch das Graben werden.

YouTube Video

Daniel Day-Lewis liefert als Daniel Plainview eine der definitiven Leinwandleistungen des Jahrhunderts — und er tut es, ohne je um Sympathie zu bitten. Sein Plainview ist ein Betrüger mit echtem Talent, ein Vater, der sein eigenes Kind instrumentalisiert, eine Stimme — dieses rollende, John-Huston-Bariton-Register —, die eine ganze Stadt von einer Pipeline überzeugen kann und Momente später in blanke Verachtung umschlägt. Day-Lewis gewann für diese Rolle seinen zweiten Oscar, und keine Auszeichnung war je treffender begründet: Die Leistung ist gewaltig, aber nie unkontrolliert; jede Geste ist auf ein Ziel ausgerichtet.

Gegen ihn stellt Anderson Paul Danos Eli Sunday — einen jungen Prediger, dessen Glauben selbst eine Art Geschäftsmodell ist. Der eigentliche Gegenstand des Films wird in ihren Konfrontationen sichtbar: Öl und Religion als rivalisierende amerikanische Kirchen, jede mit dem Versprechen der Erlösung, jede betrieben durch Vorstellung und Angst. Die Taufszene und die finale Auseinandersetzung auf der Kegelbahn sind zwei Hälften eines einzigen Arguments darüber, wem die Seele eines Menschen gehört — und die Antwort, die der Film gibt, ist schonungslos.

There Will Be Blood (2007), Regie: Paul Thomas Anderson
There Will Be Blood (2007)

Robert Elswits Kameraarbeit verwandelt das kalifornische Ödland in etwas Biblisches und Gnadenloses: gebleichter Himmel, schwarze Eruptionen, eine Landschaft, die nichts verspricht und alles fordert. Der Derrickbrand, der H.W. das Gehör kostet, ist eines der stärksten Bilder des modernen Kinos — Elswit gewann dafür den Oscar für die beste Kamera. Dylan Tichenors Schnitt lässt Szenen bis zur Unerträglichkeit atmen und schneidet dann auf eine Grausamkeit. Und Greenwoods Musik — dissonant, anachronistisch, näher am Horrorfilm als am Historienfilm — ist das geheime Triebwerk des Ganzen, das dem Publikum jede Möglichkeit verwehrt, sich in der Sicherheit eines Kostümfilms einzurichten.

Locker adaptiert nach Upton Sinclairs Gesellschaftsroman Oil!, behält der Film die Bohrtürme, streicht aber die Systemkritik. Sinclair wollte eine Anklage gegen den Kapitalismus als solchen; Anderson will das Porträt einer einzigen Seele beim Aushöhlen. Was die Übersetzung überlebt, ist das Gefühl, dass amerikanischer Reichtum auf einer fundamentalen Einsamkeit errichtet ist — dass Plainviews Verachtung für andere Menschen kein Charakterfehler des Kapitalisten, sondern dessen reinster Ausdruck ist.

Der Film hält sich, weil er keinen Trost anbietet. Es gibt keine Läuterung, keine gewonnene Lektion, nur die schrittweise Enthüllung, dass dieser Mann von der ersten Einstellung an leer gewesen ist. Die Milkshake-Szene, die sich ins kollektive Gedächtnis gebrannt hat, ist jenseits des Memes erschreckend präzise: das Geräusch eines Menschen, der alles in seiner Reichweite konsumiert hat und immer noch hungrig ist. Kritikerumfragen reihen den Film seither unter die herausragenden Werke des 21. Jahrhunderts ein.

There Will Be Blood ist kein warmer Film, und er will keiner sein. Es ist ein formal furchtloses Werk über den Preis, genau das zu bekommen, worum man gebeten hat — und es verdient jeden Zentimeter seines Rufs. Wer das amerikanische Kino des vergangenen Vierteljahrhunderts verstehen will, kommt an diesem Film nicht vorbei.

Regie

Paul Thomas Anderson

Paul Thomas Anderson

Besetzung

Schlagwörter: , , , , ,

Diskussion

Es gibt 0 Kommentare.