Filmkritiken

Heute schläfst du mit mir verspricht Feuer und liefert höfliches Schweigen

Robert Wichrowskis polnisches Liebesdrama (2023) stellt Liebe gegen Sicherheit, ohne dass es je wehtut.
Martha O'Hara
Fügen Sie uns bei Google hinzu

„Heute schläfst du mit mir“ erzählt von einer Ehe, in der das Begehren abhandengekommen ist. Nina Szklarska (Roma Gąsiorowska) arbeitet als Journalistin und steht zwischen zwei Männern. Ihr Mann Maciek (Wojciech Zieliński) ist distanziert, aber liebevoll. Janek (Maciej Musiał) ist ein jüngerer Ex-Freund, der wieder in ihr Leben getreten ist. Robert Wichrowski hat daraus ein polnischsprachiges Netflix-Drama von 92 Minuten gemacht, das Anfang März 2023 erschien. Dreiecksgeschichten gibt es, seit es Erzählungen gibt. Ein Melodram darf bekannte Muster benutzen, wenn es sie mit Hitze auflädt oder mit einem eigenen Gedanken. Beides vermisse ich hier.

Die Kritik fiel schon zum Start deutlich aus. But Why Tho? hielt den Film schlicht für misslungen, und Stream It Or Skip It beschrieb eine Versuchsanordnung, die zwar melodramatisch angelegt, aber matt und ohne Leidenschaft umgesetzt sei. So schroff muss man nicht urteilen, im Kern trifft es aber zu. Dass zwischen Nina und Maciek etwas erloschen ist, wird uns mitgeteilt, und wir nehmen es hin, weil der Film nie Zweifel daran lässt. Wie sich diese Leere im gemeinsamen Alltag anfühlt, zeigt er kaum. Man erfährt von der Krise, ohne sie zu spüren.

Am meisten Interesse weckt Maciek. Ein Ehemann, der liebevoll ist und trotzdem fehlt, wäre eine heikle, ungewöhnlich ehrliche Figur: Man kann jemanden gernhaben und ihn dennoch allein lassen. Zieliński spielt ihn zurückhaltend, und gerade diese Zurückhaltung macht ihn glaubwürdiger als vieles, was um ihn herum geschieht. Gąsiorowska trägt den Film über weite Strecken allein. Sie gibt Nina eine Müdigkeit, die zur Prämisse passt, bekommt vom Drehbuch aber zu wenig, woran sie sich reiben könnte. Eine Frau, die zwischen Vertrautheit und Verlockung schwankt, braucht Momente, in denen sie etwas riskiert. Der Film lässt sie überwiegend abwägen, und Abwägen ist für die Kamera ein zähes Geschäft.

Musiał hat die undankbarste Aufgabe. Janek soll Jugend, Wagnis und die Möglichkeit eines anderen Lebens verkörpern. Eine Figur, die nur der Gegenentwurf zum Ehemann ist, bleibt aber Funktion. Warum Nina an ihm hängt und warum diese frühere Beziehung nachwirkt, beantwortet der Film eher mit Setzungen als mit Beobachtung. Laut der Besprechung von But Why Tho? war Janek zur Zeit der Affäre noch Schüler, und auch andere Texte beschreiben ihn als für Nina damals zu jung. Darin steckt ein Konflikt um Reife und Verantwortung, der den Stoff schärfer machen könnte. In meiner Wahrnehmung bleibt er eine Randnotiz.

Das Umfeld der Hauptfigur hätte dem Dreieck mehr Gewicht geben können. Mit Ewa Wencel und Jacek Koman als Ninas Eltern gehören dem Ensemble zwei Darsteller an, die ihr einen familiären Rückhalt oder einen Widerstand hätten geben können. Ein Film über Ehe und Entscheidung lebt davon, dass man spürt, was auf dem Spiel steht: Familie, Gewohnheit, Alltag. Davon spüre ich wenig, und so wirkt Ninas Dilemma weniger wie eine Lebensfrage als wie ein Gedankenspiel. Auch ihr Beruf als Journalistin dient vor allem als Auskunft über die Figur, kaum als Zugang zu ihrem Blick auf die Welt.

Die Frage selbst ist durchaus ernst zu nehmen. Film Fugitives liest den Film als Streit zwischen Liebe und bloßer Lust, zwischen dem, was eine lange Beziehung trägt, und dem, was nur die Erinnerung an eine Leidenschaft ist. Das Thema trägt einen ganzen Film. Dieser hier benennt es und lässt es dann liegen. Die Situationen und Dialoge, in denen es verhandelt wird, wirken vertraut aus unzähligen ähnlichen Produktionen, und wohin die Geschichte läuft, ahnt man früh. Dem Tempo schadet das nicht unmittelbar, der Spannung sehr wohl.

Als Streaming-Titel für einen Abend, an dem man nebenbei etwas laufen lässt, erfüllt der Film seinen Zweck, ohne zu stören. Als Beitrag zum Kino über Ehekrisen ist er zu zahm. Das Ensemble spielt ordentlich, doch es fehlt ein Drehbuch, das Nina etwas Unbequemes tun lässt, und eine Regie, die dem Begehren Raum gibt, statt es zu erklären. Die Darsteller geben sich Mühe; was ihnen fehlt, ist ein Funke zwischen den Figuren. Wenn der Abspann läuft, hat man den Film schon halb vergessen.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

Schlagwörter: , , , , ,

Fügen Sie uns bei Google hinzu

Diskussion

Es gibt 0 Kommentare.