Filmkritiken

365 Days – Noch ein Tag beendet die Trilogie ohne neue Antworten

Der polnische Erotikfilm von Barbara Białowąs und Tomasz Mandes wiederholt die Konflikte der Vorgänger, statt sie zu lösen.
Martha O'Hara
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Die Kamera schwenkt über Laura Torricellis nackten Körper im Bett, während sie Massimo anblickt — ein Bild, das schon den Ton angibt für 365 Days – Noch ein Tag: einen Film, der sich selbst ernst nimmt, obwohl er es nicht sollte. Die Fortsetzung von 365 Days: This Day (2022) ist ein Dreigroschenstück aus Erotik und Drama, inszeniert von Barbara Białowąs und Tomasz Mandes, das trotz aller Anstrengungen nicht über seine eigenen Klischees hinauswächst.

Das Problem beginnt schon bei der Handlung. Laura (Anna-Maria Sieklucka) und Massimo (Michele Morrone) versuchen, ihre Beziehung zu kitten, während Nacho (Simone Susinna), Massimos Erzrivale, immer wieder auftaucht wie ein schlecht geschriebener Bösewicht in einem Seifenopern-Film. Die Dynamik ist vorhersehbar: Eifersucht, Misstrauen, Affären — alles abgegriffen und ohne überraschende Wendungen. Selbst die wenigen Momente, in denen Laura über ihr Leben nachdenkt, wirken wie billige Psychologie, etwa als sie mit ihrer besten Freundin Olga (Magdalena Lamparska) über ihre Gefühle plaudert.

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Was hier funktioniert, ist das pure Unterhaltungsprinzip — und selbst das nur bedingt. Die Erotik-Szenen sind direkt und ungeniert, aber auch so flach wie die Dialoge. Die Sex-Szene zwischen Laura und Massimo während einer Geschäftsbesprechung wirkt nicht etwa provokant oder aufregend, sondern lächerlich übertrieben. Der Film versucht verzweifelt, erwachsen zu wirken, scheitert aber an seiner eigenen Unreife.

Dazu kommt eine schreckliche Dialogführung. Sätze wie „I cannot stop thinking about you“ oder „You are the reason I lost my baby“ klingen wie aus einem schlechten Liebesroman kopiert — und das sind keine Einzelfälle. Die Schauspieler versuchen ihr Bestes, aber sie werden von einem Script erdrückt, das ihnen kaum Raum für Nuancen lässt.

Die Regie ist nicht besser. Białowąs und Mandes inszenieren die Handlung mit der Eleganz eines Teenagers, der zum ersten Mal eine Kamera in die Hand nimmt. Lange Einstellungen, unnötige Close-ups auf halb nackte Körper — alles wirkt übertrieben und billig. Selbst die Location-Wechsel zwischen Polen, Portugal und Italien bringen keine Frische in das Geschehen.

Und doch: Der Film hat einen gewissen Charme, wenn auch nur als schlechte TV-Serie für einen verregneten Sonntagabend. Die Chemie zwischen Sieklucka und Morrone ist spürbar, selbst wenn ihre Charaktere unsympathisch bleiben. Und die Kulisse — Luxusvillen, Fashion-Shows, exotische Strände — bietet zumindest ein paar schöne Bilder.

Aber das reicht nicht, um über die Laufzeit hinwegzutäuschen. Wenn der Abspann läuft, bleibt außer ein paar hübschen Bildern kaum etwas hängen, und der Anspruch, den der Film sich selbst auferlegt, wirkt im Nachhinein wie eine Behauptung, die er nie einlöst.

Die Rezeption des Films war vernichtend. Kritiker wie Variety bezeichneten ihn als „Für Masochisten nur“ und Spoiled For Choice sprach von verschenktem Potenzial. Die IMDb-Bewertungen sind ebenso niederschmetternd, mit Kommentaren über schlechte Schauspielerei und ein schlechtes Drehbuch. Selbst die aus Zuschauersicht endlos wirkende Lauflänge wird in den Kommentaren bemängelt.

Die Produktionsgeschichte ist ebenfalls ein Indiz für das Scheitern des Films. Basierend auf dem dritten Roman der Trilogie von Blanka Lipińska, scheint es, als ob die Filmemacher versucht haben, den Erfolg der vorherigen Filme zu wiederholen, ohne die Mängel zu beheben. Die Fortsetzung fühlt sich an wie ein billiger Abklatsch, der weder inhaltlich noch technisch überzeugen kann.

Auch die Nebenfiguren bleiben blass. Otar Saralidze als Domenico ist eine Randfigur, deren Funktion im Skript nie über das Nötigste hinauswächst. Ewa Kasprzyk und Dariusz Jakubowski spielen Lauras Eltern Klara und Tomasz Biel; ihre Szene in Polen, in der die Mutter ihre Tochter kurz vor deren 30. Geburtstag ermutigt, endlich dem eigenen Glück Vorrang zu geben, gehört zu den wenigen Momenten, die über plakative Zuspitzung hinausgehen — auch wenn der Film ihnen kaum Raum lässt, bevor er zur nächsten Konfliktschleife zurückkehrt. Ramón Langa als Don Fernando Matos, Nachos Vater, wird eingeführt, ohne dass das Drehbuch erkennbares Interesse an der Figur zeigt.

Die Themen des Films — Trauer, Vertrauen, Eifersucht — sind an sich interessant, aber die Ausführung bleibt an der Oberfläche. Dass Massimo zu Beginn das Grab seines Zwillingsbruders Adriano besucht, kurz bevor der Film zur nächsten erotischen Szene überblendet, zeigt exemplarisch, wie wenig Zeit sich das Drehbuch für tatsächliche Trauerarbeit nimmt. Auch die ärztliche Empfehlung, mit körperlicher Nähe bis zur vollständigen Genesung zu warten, wird binnen Minuten über Bord geworfen — ein Kunstgriff, der weniger von Lauras Ungeduld erzählt als von einem Film, der es selbst nicht erwarten kann, zur nächsten Bettszene zu springen.

Auch die Kink-Club-Sequenz, in der Massimo mit seinen Geschäftspartnern verkehrt, ohne Laura zu betrügen, wirkt eher wie eine pflichtschuldige Randnotiz als wie eine Szene mit eigenem dramaturgischem Gewicht. Und dass ausgerechnet Nacho zur gleichen Zeit in Portugal an einem Surfwettbewerb teilnimmt, während Laura und Olga dort für eine Modeschau sind, ist die Art von Zufall, die ein Drehbuch nur dann braucht, wenn ihm keine plausiblere Lösung einfällt.

Am Ende bleibt 365 Days – Noch ein Tag ein Film, der sich selbst zu ernst nimmt, während er inhaltlich kaum über seine Vorgänger hinauskommt. Wer die ersten beiden Teile mochte, wird auch hier auf seine Kosten kommen; wer mehr erwartet hat, sollte sich lieber einen anderen Sonntagabend suchen.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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