Filmkritiken

Toskana: eine leise Romanze, die mehr berührt als amüsiert

Mehdi Avaz' Romantikdrama von 2022 lebt vom Zusammenspiel von Anders Matthesen und Cristiana Dell'Anna.
Martha O'Hara
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Ein dänischer Koch reist in die Toskana, um den Betrieb seines Vaters zu verkaufen. Mehr muss man nicht wissen, um zu ahnen, welche Sorte Film das ist: Toskana, 2022 bei Netflix erschienen, ist eine dänische Romantikkomödie mit Dramaanteilen, geschrieben von Mehdi Avaz und Nikolaj Scherfig und von Avaz selbst inszeniert. Interessant ist deshalb weniger die Handlung als das, was der Film aus ihr macht.

Theo, gespielt von Anders Matthesen, kommt mit einem geschäftlichen Anliegen an und trifft auf Sophia (Cristiana Dell’Anna), eine Einheimische, die ihn dazu bringt, sein Leben und seinen Umgang mit der Liebe zu überdenken. Das Muster ist bekannt: der Mann mit dem Termin im Kopf, der Ort, der ihn ausbremst, die Frau, die ihm einen anderen Blick beibringt. Das ist kein Makel an sich. Romantische Komödien leben von Formeln, und manche der besten erfüllen sie ohne jede Scheu. Problematisch wird es, wenn man die Formel deutlicher sieht als den Film. Hier sieht man sie ziemlich deutlich. Avaz und Scherfig versuchen gar nicht erst, das Genre neu zu erfinden, und sie verstecken es auch nicht.

Toskana ist als Komödie, Romanze und Drama zugleich angelegt, und daran krankt der Film am meisten. Wer drei Register mischt, muss in jeder Szene entscheiden, welches führt. Der Film entscheidet das nicht immer. Drei Stränge laufen nebeneinander her: der Verkauf des väterlichen Betriebs, die Annäherung an Sophia und Theos Verhältnis zu dem, was sein Vater hinterlassen hat. Keiner setzt sich durch. Der Humor bleibt freundlich und überrascht selten, das Familiendrama wiegt weniger, als die Geschichte ihm zuschreibt, und die Romanze füllt den Raum, der übrig bleibt. Herausgekommen ist ein Film, der an jeder Front ordentlich ist und an keiner etwas wagt.

Die Region selbst erledigt ihren Teil. Wer eine Landschaft in den Titel schreibt, verspricht, dass sie zählt, und die Toskana bringt viel Geschichte mit: Wiege der Renaissance, Heimat von Chianti und Brunello di Montalcino, ein Bild, das jeder Film erst einmal verwalten muss, weil das Publikum die Postkarte längst im Kopf hat. Der Gedanke, der die Erzählung trägt, dass das Leben einfacher sein kann, wenn man es zulässt, findet in diesem Schauplatz einen natürlichen Verbündeten. Er ist bescheiden, und der Film behandelt ihn bescheiden. Das spricht für ihn.

Auch die Musik hält sich zurück. Den Musiklisten zufolge erklingen nur zwei Songs, darunter Ornella Vanonis „L’appuntamento“ nach rund vierzehn Minuten, in einem angespannten Moment für Theo. Dass eine romantische Komödie nicht jedes Schweigen mit einem Lied zukleistert, tut ihr gut.

Matthesen trägt den Film mit Können und hält auch jene Passagen zusammen, in denen das Drehbuch sich streckt. Dell’Anna gibt Sophia eine Natürlichkeit, die die Rolle braucht. Trotzdem wirkt die Beziehung der beiden stellenweise forciert: Man soll an die Anziehung glauben, bevor man sie gespürt hat. Das ist ein kleiner Fehler, aber in einer romantischen Komödie wiegt er schwer, weil alles andere an ihm hängt.

Das Ensemble ist für das Genre breit angelegt. Andrea Bosca (Pino), Ghita Nørby (Inge), Sebastian Jessen (Zeuten), Ari Alexander (Lai), Christopher Nissen (Svend), Karoline Brygmann (Melanie), Lærke Winther (Merle) und Christoffer Jindyl (Vincent) umgeben das Paar, und mit Kaiser Houborg ist zudem ein junger Theo besetzt, ein Hinweis darauf, dass die Vergangenheit der Figur in der Erzählung Platz hat. Bei so vielen Namen muss das Drehbuch die Zeit sorgfältig verteilen. Für einen Film, der ohnehin drei Genres bedienen will, ist das eine weitere Aufgabe, die er nur schwer mit Bestnote löst.

Avaz inszeniert sicher, aber vorsichtig. Man spürt jemanden, der weiß, was er erzählen will, und der sich scheut, es anders zu erzählen. Gerade in den Momenten emotionalen Konflikts hätte dem Film mehr Mut gutgetan; dort begnügt er sich mit dem Erwartbaren. Darin steckt ein unbequemerer, interessanterer Film als der, den man sieht, einer, in dem Theo etwas verlieren müsste, bevor er findet, was er sucht.

Nichts davon macht Toskana zu einem schlechten Film. Er ist freundlich, gut gemeint und ordentlich besetzt, er hält, was er verspricht, und verspricht nicht zu viel. Man sieht ihn gern und vergisst ihn bald.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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