Filmkritiken

Honor Society macht aus der Highschool-Komödie eine gnadenlose Ambitionsfabel

Oran Zegmans Satire lebt von einer mutigen Angourie Rice.
Martha O'Hara
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Die Kamera schwenkt über ein makelloses Highschool-Büro, während Angourie Rice als Honor Rose mit eisiger Entschlossenheit einen Plan entwirft. Honor Society beginnt nicht mit warmem Teenager-Lachen, sondern mit strategischer Kälte – und das ist sein erster kühner Zug.

Regisseur Oran Zegman inszeniert diesen Film als dunklere Variante der klassischen Highschool-Komödie. Die Handlung dreht sich um Honor, eine ehrgeizige Schülerin, die alles daransetzt, nach Harvard zu kommen – notfalls durch gezielte Sabotage ihrer Konkurrenten. Doch dann verkompliziert sich ihr Plan durch unerwartete Gefühle für Michael Dipnicky (Gaten Matarazzo). Der Film spielt mit machiavellistischen Motiven und überrascht durch seine Bereitschaft, in moralisch ambivalente Zonen vorzudringen.

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Was funktioniert? Rice und Matarazzo tragen den Film mit einem Timing, das selten kippt: Ihre Szenen haben einen schnellen, scharfen Rhythmus, besonders dort, wo Honors kühle Fassade zu bröckeln beginnt. Christopher Mintz-Plasse als Mr. Calvin liefert eine der stärksten Nebenrollen – trockener, genervter Humor, der genau die richtige Distanz zu Honors Manipulationsversuchen hält.

Rice beweist hier, dass sie mehr kann als nur charmante Nebenrollen. Ihre Darstellung von Honor beginnt als Studie in kühler Berechnung und löst sich über die Laufzeit langsam in Verwundbarkeit auf, ohne dass die Figur dabei ihre Kanten verliert. Matarazzo, bekannt aus Stranger Things, setzt dem eine unaufgeregte Komik entgegen, die Michael nie zum bloßen Gegenspieler degradiert.

Allerdings wankt der Film gelegentlich in seinen Tonwechseln. Einige Gags wirken zu überdreht im Vergleich zur sonstigen düsteren Atmosphäre. Die Nebencharaktere – darunter Armani Jackson als Travis Biggins oder Amy Keum als Kennedy Park – bleiben blass und dienen vor allem als Hindernisse für Honors Pläne, statt eigene Tiefe zu entwickeln. Eine genauere Zeichnung ihrer Motive hätte dem Ensemble mehr Gewicht gegeben.

Zegman geht das Genre mit einer gewissen Respektlosigkeit an, indem er die Highschool-Komödie nicht in Klischees ertränkt. Der Film nutzt die Ironie der realen Honor Societies, die eigentlich akademische Exzellenz auszeichnen sollen, und dreht sie ins Gegenteil: Hier geht es um Machtspiele, nicht um Wissbegierde. Die Poster und Bücher in Honors Zimmer deuten subtil auf ihre manipulativen Absichten hin und verankern die Handlung in einer glaubwürdigen Highschool-Umgebung.

Der Soundtrack, allen voran das wiederkehrende Honor-Society-Thema Honor On A Mission von Ben Zeadman und Daniel Markovich, unterstreicht die Spannung zwischen Komödie und Drama, ohne sich in den Vordergrund zu drängen.

Doch Honor Society bleibt letztlich eine Komödie mit Grenzen. Die Struktur ist vorhersehbar: Honor plant, scheitert, lernt etwas über sich selbst. Originalität leidet unter den Genre-Konventionen, auch wenn Zegman sie mit dunklerem Humor füllt.

Die Rezeption des Films war überwiegend positiv. Rezensenten hoben vor allem das Zusammenspiel von Rice und Matarazzo hervor sowie Mintz-Plasses komödiantisches Gespür als manipulativer Berater. Kritisiert wurden dagegen die unruhigen Tonwechsel und die flache Zeichnung der Nebenfiguren – Punkte, an denen der Film hinter seinem eigenen Anspruch zurückbleibt.

Trotz dieser Schwächen bietet Honor Society eine erfrischende Abwechslung im Genre: eine Highschool-Komödie, die ihre Heldin nicht sympathisch macht, bevor sie sich diese Sympathie verdient hat. Der Film wurde am 29. Juli 2022 auf Paramount+ veröffentlicht.

Am Ende bleibt Honor Society ein Film, der mehr wagt als die meisten seiner Genrekollegen, ohne all seine Ambitionen einzulösen. Er zeigt, dass sich dunkler Humor und moralische Ambivalenz in einer Highschool-Komödie verbinden lassen – und dass Rice, wenn man ihr den Raum dafür gibt, weit mehr trägt als nur die Hauptrolle.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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