Filmkritiken

Herzlich, aber wenig originell: Dieses Familiendrama bleibt hinter seinen Möglichkeiten zurück

Molly Se-kyung
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Die Eröffnungsszene von Keys to the Heart verweilt auf einem Paar abgenutzter Boxhandschuhe. Das Leder ist rissig und ausgefranst, die Handschuhe liegen auf einem staubigen Tisch. So lernen wir Joma (Zanjoe Marudo) kennen: einen gescheiterten Boxer, dessen Leben ihm mehr Schläge versetzt hat, als er je im Ring ausgeteilt hat. Die Handschuhe stehen für seinen verblassten Ruhm und seine gegenwärtige Verzweiflung – und geben den Ton für dieses philippinische Remake aus dem Jahr 2023 des gleichnamigen südkoreanischen Films von 2018 vor. Unter der Regie von Kerwin Go erzählt Keys to the Heart, wie Joma wieder mit seiner lange verlorenen Familie zusammenfindet: mit seiner Mutter Sylvia (Dolly de Leon) und seinem autistischen Bruder Jayjay (Elijah Canlas). Der Film versucht, den emotionalen Kern des Originals in einen neuen kulturellen Kontext zu übertragen. Trotz Momenten echter Wärme gerät die Erzählung dabei jedoch immer wieder ins Stocken.

Keys to the Heart ist ein Drama, das sein Herz offen auf der Zunge trägt – und genau darin liegen seine Stärke und seine Schwäche. Die emotionalen Höhepunkte funktionieren, besonders wenn der Film Vergebung, Versöhnung und die Kraft familiärer Verbundenheit in den Blick nimmt. Jomas Weg von der Entfremdung zur Akzeptanz ist fesselnd, und die komplexen Beziehungen innerhalb einer Familie zeichnet der Film überzeugend. Allerdings sind diese Themen schon unzählige Male behandelt worden, und Keys to the Heart wirkt oft wie eine Wiederholung von Filmen des Genres, die stärker in Erinnerung geblieben sind.

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Am stärksten ist Keys to the Heart bei den schauspielerischen Leistungen. Zanjoe Marudo verkörpert Jomas inneren Konflikt auf glaubwürdige, geerdete Weise und bringt dessen Frustration, Reue und allmähliche Läuterung mit viel Feingefühl und Nuancenreichtum auf die Leinwand. Seine Darstellung lebt von einer unverstellten Verletzlichkeit, die Joma selbst in seinen fehlerhaftesten Momenten nachvollziehbar macht. Auch Dolly de Leon verleiht Sylvia Tiefe und zeichnet sie als fürsorgliche wie widerstandsfähige Frau. De Leon, die zuletzt in Filmen wie Triangle of Sadness hervorstach, versteht es, Gefühle mit wenigen Worten zu vermitteln; die Chemie zwischen ihr und Marudo ist deutlich spürbar.

Doch wirklich glänzt Elijah Canlas als Jayjay. Seine Darstellung ist nuanciert und authentisch; er bringt die Komplexität von Autismus zum Ausdruck, ohne in Klischees zu verfallen – eine Seltenheit im philippinischen Kino. Canlas’ Interpretation von Jayjay zeigt, wie ernst der Film die sensible und respektvolle Darstellung von Neurodiversität nimmt. Besonders berührend sind seine Szenen mit Marudo: Joma lernt, Jayjay nicht auf seine Behinderung zu reduzieren und dessen ganz eigene Sicht auf die Welt zu schätzen.

Regisseur Kerwin Go versucht, den emotionalen Kern des koreanischen Originals in einen philippinischen Kontext zu übertragen, geht dabei aber oft zu sehr auf Nummer sicher. Der Aufbau des Films orientiert sich an der Vorlage und folgt Jomas emotionalem Weg, während er den Kontakt zu seiner Familie wieder aufnimmt. Diese Treue zum Ausgangsmaterial bewahrt zwar die zentralen Themen, lässt die Erzählung stellenweise aber auch austauschbar und vorhersehbar wirken.

Gos Inszenierung ist solide, aber wenig bemerkenswert. Der Einsatz klassischer Musik, ein Markenzeichen der koreanischen Version, funktioniert auch hier und verleiht wichtigen Szenen zusätzliches emotionales Gewicht. Der Soundtrack mit Stücken wie Mozarts Klaviersonate Nr. 11 und Beethovens Mondscheinsonate hebt die dramatischeren Momente des Films hervor. Das Erzähltempo wirkt jedoch unausgewogen. Die erste Hälfte zieht sich, während sie Jomas Vorgeschichte und seinen anfänglichen Widerstand gegen die neue Familiensituation darlegt. In der zweiten Hälfte nimmt der Film Fahrt auf – doch da kommt der Aufschwung zu spät und fällt zu kurz aus.

Das Drehbuch, das auf der koreanischen Vorlage basiert, tut sich mit der kulturellen Übertragung schwer. Die zentralen Themen Vergebung und familiäre Liebe sprechen zwar an, doch manche Handlungselemente wirken konstruiert. So bleibt etwa die Nebenhandlung um Jomas Boxkarriere unterentwickelt und dient eher als bequemer Antrieb für die Handlung denn als ernsthafte Auseinandersetzung mit seiner Figur. Zudem mangelt es dem Film an erzählerischer Originalität. Zwar übernimmt er wichtige Szenen und Wendungen aus der koreanischen Version weitgehend getreu, bringt der Geschichte aber nichts Neues hinzu.

Visuell ist Keys to the Heart solide, aber wenig einfallsreich. Die Kamera setzt stark auf Nahaufnahmen, um Gefühle zu vermitteln. In manchen Szenen geht das auf, auf Dauer wirkt es jedoch repetitiv. Auch Lichtsetzung und Bildkomposition erfüllen ihren Zweck, besitzen aber nicht den visuellen Glanz, der die dramatischeren Momente des Films hätte verstärken können.

Unterm Strich ist Keys to the Heart ein gut gemeintes, aber fehlerhaftes Remake. Bei den Darstellungen und emotionalen Momenten überzeugt der Film, bei Erzähltempo und Drehbuch schwächelt er. Er führt vor Augen, wie viel starke Schauspielkunst und eine einfühlsame Erzählweise bewirken können, schafft es letztlich aber nicht, sich von den vielen anderen Dramen abzuheben, die ähnliche Themen behandeln.

Keys to the Heart richtet sich an alle, die warmherzige Dramen über Familie und Läuterung mögen. Der Film dürfte Zuschauerinnen und Zuschauer berühren, die authentische Darstellungen von Neurodiversität und die Komplexität familiärer Beziehungen zu schätzen wissen.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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