Kino

mk2 alt umarmt die Creator Economy und holt das 100.000-Dollar-Phänomen ‚Two Sleepy People‘ nach Europa

Veronica Loop

mk2 ist das Haus, das Marin Karmitz rund um Krzysztof Kieślowski und den Chaplin-Katalog aufgebaut hat — ein Name, der seit einem halben Jahrhundert für sorgsam kuratiertes europäisches Autorenkino steht. Nun ist es damit befasst, einen Film zu vertreiben, den eine Gruppe von Freunden für ungefähr die Kosten des Caterings einer Studioveröffentlichung gedreht hat. Genau dieser Kontrast ist die Geschichte: Das Prestige-Segment des Kinos hat entschieden, dass die Creator Economy keine Bedrohung der Form ist, sondern eine Zulieferkette in sie hinein.

Wie Deadline zuerst berichtete, hat mk2s alternativer Arm mk2 alt die Europarechte an ‚Two Sleepy People‘ erworben, einer 90-minütigen romantischen Dramödie, die außerhalb der üblichen Studio- und Festivalwege von einer Gruppe digitaler Creators entstand, die ihr Budget von rund 100.000 Dollar aus eigenen Ersparnissen und Sponsorengeldern aufbrachten.

Was mk2 kauft, ist weniger ein einzelner Titel als ein Machbarkeitsnachweis. Das Unternehmen, das Chaplin und Kieślowski für europäische Leinwände kuratiert, signalisiert, dass die Herkunft eines Films nicht länger an einer Filmhochschule oder auf der Liste eines Geldgebers beginnen muss — dass ein Publikum zuerst am Telefon entstehen und danach von einem Verleih bestätigt werden kann. Es ist zugleich ein günstiger Weg, eine Generation von Filmemachern zu sichten, die der Festivalbetrieb noch nicht beglaubigt hat. Für eine Arthouse-Marke ist es zugleich Absicherung und Bekenntnis, dieser Route ihr Imprimatur zu leihen.

Die Vermarktung verrät, wen mk2 alt in den Sesseln sehen will. Angepriesen als „Eternal Sunshine trifft Severance, modernisiert“, wird der Film über einen High-Concept-Aufhänger verkauft, der direkt auf das streaming-versierte Publikum zielt — jenes, das Charlie Kaufmans Erinnerungsromanze und Apples Konzern-Beklemmung als ein und dieselbe Empfindung liest. Es ist ein Pitch, der ebenso für die algorithmische Entdeckung gebaut ist wie für den Schriftzug über dem Kino.

Die Ökonomie ist das Argument. Mit rund 100.000 Dollar — weniger als der Catering-Posten einer mittelgroßen Studioveröffentlichung — erreicht ‚Two Sleepy People‘ Europa nahezu ohne finanzielles Risiko und mit überproportionalem Aufwärtspotenzial, sollte das von Creators gemachte Kino zur Kategorie erstarren statt Kuriosität zu bleiben. Der Deal umfasst die europäischen Territorien für einen Film von schlanken 90 Minuten.

In derselben Saison, in der Studios neunstellige Summen ausgeben, um das Publikum zurück in die Kinos zu locken, setzte einer der renommiertesten Verleiher Europas seine Chips auf einen Film, der weniger kostete als eine einzige Plakatwand — in der Wette, dass sich genau dort das nächste Publikum verbirgt.

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