Kino

Nolan setzt das Kinoereignis auf ‚Die Odyssee‘ und eine Armada aus Stars hinter Matt Damon

Komplett auf IMAX 70mm gedreht und mit Stars gespickt: Homers Epos ist Universals Wette auf die grosse Leinwand
Veronica Loop

Hollywood streitet seit einem Jahrzehnt darüber, ob das Kino-Ereignis den Algorithmus überleben kann – und Christopher Nolan antwortet jedes Mal auf dieselbe Weise: mit einer Dimension, die kein Wohnzimmer fassen kann. The Odyssey ist sein bisher wörtlichstes Argument – eine Homer-Adaption, die weniger wie ein Cast denn wie eine Allianz zusammengestellt wurde, konstruiert, dass der Grund, das Haus zu verlassen, schlicht die schiere Dichte an Stars ist, die sich einen Bildausschnitt teilen.

Wie der Cast-Guide von Variety darlegt, ist das Aufgebot bewusst gestaffelt. Matt Damon trägt den Film als Odysseus, den König von Ithaka, der sich von Troja nach Hause kämpft; Anne Hathaway spielt seine Frau Penelope, und Tom Holland ihren Sohn Telemachos. Um sie herum arrangiert Nolan ein Pantheon – Zendaya als Athene, Charlize Theron als Kalypso, Samantha Morton als Kirke, Lupita Nyong’o in einer Doppelrolle als Helena und Klytaimnestra, und Robert Pattinson als den Freier Antinoos. Es ist Star-Power als geistiges Eigentum: Keine einzelne Figur trägt den Film, das Ensemble tut es.

Die Wette reicht über das Casting hinaus. Universal hat Nolan das Format selbst in die Hand gegeben – The Odyssey ist der erste abendfüllende Spielfilm, der vollständig auf IMAX-70-mm-Film gedreht wurde, eine technische Machtdemonstration, die sich nur auszahlt, wenn das Ziel die größtmögliche Leinwand ist. Nach Oppenheimer – dem Regisseur, der drei Stunden Physik in ein Milliardengeschäft verwandelte – wendet er dieselbe Logik auf die älteste Abenteuergeschichte des westlichen Kanons an: Prestige, Spektakel und ein Cast, der zu teuer ist, um still gestreamt zu werden.

Der Film erscheint, während konkurrierende Studios von der entgegengesetzten Seite dieselbe Größe anstreben, indem sie Franchises wiederbeleben, um Dringlichkeit zu erzeugen. Nolans Gegenmittel sind Star-Dichte und Handwerk – Jon Bernthal als Menelaos, Benny Safdie als Agamemnon, John Leguizamo als der treue Sauhirte Eumaios und Mia Goth unter den verräterischen Mägden Penelopes runden eine Bank ab, mit der die meisten Filme ihre Hauptrollen besetzen würden.

Die Produktion soll 250 Millionen Dollar gekostet haben und wurde in Marokko, Griechenland, Italien, Schottland und Island gedreht, wobei mehr als zwei Millionen Fuß IMAX-Film belichtet wurden. Sie startet am 17. Juli in den Kinos.

Ob das Publikum kommt, wird als Urteil über mehr als einen Film gelesen werden. Wenn ein derart teurer Cast eine Geschichte, die jeder aus der Schule halb kennt, nicht auf die Leinwand tragen kann, verliert Hollywood seinen klarsten Beweis dafür, dass das Kinotheater immer noch der Ort ist, an dem Stars gemacht werden.

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