Kino

Südkoreas Oscar-Kandidat feiert in Venedig Premiere: Lee Chang-dongs ‚Possible Love‘

Molly Se-kyung

Lee Chang-dong hat Possible Love im Wettbewerb der 83. Filmfestspiele von Venedig uraufgeführt — ein Film, der gleich mit zwei Etiketten anreist: Anwärter auf den Goldenen Löwen und offizieller Oscar-Beitrag Südkoreas in der Kategorie bester internationaler Film. Selten fällt der Startschuss einer Oscar-Kampagne so sichtbar.

Es ist Lees erster Spielfilm seit Burning vor acht Jahren. Der Regisseur arbeitet langsam — sechs Filme in einem Vierteljahrhundert —, und jeder gilt als Ereignis des koreanischen Kinos. Für den Oscar-Wettlauf ist Possible Love Südkoreas vierter Anlauf mit Lee, nach Oasis, Secret Sunshine und Burning; keiner davon führte bislang zu einer Nominierung. Dass das Land erneut auf ihn setzt, sagt viel über seinen Rang.

Der Film, geschrieben mit Oh Jung-mi und 164 Minuten lang, folgt der gewohnt zurückgenommenen, moralischen Erzählweise Lees: Zwei Ehepaare — ein entlassener Arbeiter und seine Frau, eine Dokumentarfilmerin und ihr wohlhabender Mann — geraten über die Dreharbeiten zu einem Dokumentarfilm aneinander, und der Film beobachtet ihre ungleichen Leben und verschwiegenen Sehnsüchte. Es spielen Jeon Do-yeon (Mi-ok), Sul Kyung-gu (Ho-seok), Zo In-sung und Cho Yeo-jeong; die Musik stammt von Jung Jae-il, dem Komponisten von Parasite.

Bemerkenswert ist die institutionelle Konstruktion dahinter. Possible Love ist eine Koproduktion Südkoreas und der USA und nach dem Kinostart ein Netflix-Titel — anspruchsvolles Autorenkino, das über eine Streaming-Plattform ins Rennen um den wichtigsten Auslands-Oscar geht. Venedig, wo Oasis 2002 den Silbernen Löwen für die Regie gewann, ist der Auftakt dieser Kampagne.

Was eine erste Vorführung nicht klärt: ob Lees Zurückhaltung noch als Meisterschaft oder als Vorsicht gelesen wird. Fast drei Stunden auf verhaltenem Gefühl zu tragen, ist der ehrliche Einsatz des Films — und keine Inhaltsangabe nimmt ihn vorweg.

Possible Love konkurriert um den Goldenen Löwen, den die Jury unter Maggie Gyllenhaal am 12. September vergibt. Nach dem Kinostart ist der Film ab dem 6. November weltweit bei Netflix verfügbar.

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