Kino

Nanni Morettis ‚Succederà questa notte‘ im Wettbewerb von Venedig — die Rückkehr eines Cannes-Stammgasts an den Lido

Martha Lucas

Nanni Moretti hat Succederà questa notte (Es wird heute Nacht geschehen) im Wettbewerb der 83. Filmfestspiele von Venedig uraufgeführt. Der Film tritt um den Goldenen Löwen an — und markiert eine institutionelle Seltenheit: Der Regisseur, der seit Jahrzehnten in Cannes zu Hause ist, stellt sich erstmals seit langem wieder der Konkurrenz am Lido.

Zur Einordnung gehört die Festivalgeschichte. Seit Liebes Tagebuch (1993) hat Moretti jeden seiner Filme an der Croisette gezeigt: neun Wettbewerbstitel, dazu 2001 die Goldene Palme für Das Zimmer meines Sohnes. In Venedig war er zuletzt 1989 mit Palombella rossa zu Gast, und nur in einer Nebenreihe. Die kühle Aufnahme von damals gilt als Grund, weshalb er sich Cannes zuwandte — weshalb seine Rückkehr in den Wettbewerb der Mostra mehr ist als ein Programmpunkt.

Der Anlass ist allerdings nüchtern. Ein Herzinfarkt im Frühjahr des vergangenen Jahres verzögerte die Postproduktion so weit, dass der Film das gewohnte Cannes-Zeitfenster verpasste. Venedig wurde zum Festival, das in den Kalender passte — und schließt damit unbeabsichtigt einen fast vierzig Jahre alten Bruch.

Stofflich kehrt Moretti zu einem Autor zurück, den er kennt: Die Vorlage ist der Erzählband Hungriges Herz des israelischen Schriftstellers Eshkol Nevo, dessen ineinandergreifende Lebenslinien schon Drei Etagen (2021) prägten. Diesmal bleibt eine Liebesgeschichte der falschen Zeitpunkte: Matteo und Greta finden und verfehlen einander, getragen von der Hoffnung auf eine weitere Chance. Es ist ein leiserer, weniger ironischer Moretti als der des Tagebuchkinos.

Die Besetzung überspannt die Ko-Produktion aus Italien, Frankreich und Spanien: Louis Garrel als Matteo, Jasmine Trinca — einst die Tochter in Das Zimmer meines Sohnes — als Greta, dazu Angela Finocchiaro, Elena Lietti, Andrea Lattanzi, Antonio De Matteo und der Franzose Hippolyte Girardot; Moretti selbst übernimmt wie üblich eine Nebenrolle. Der überwiegend auf Italienisch gedrehte Film dauert 103 Minuten.

Vergeben wird der Goldene Löwe am 12. September von der Jury unter Vorsitz von Maggie Gyllenhaal. In Italien startet der Film am 3. Dezember bei 01 Distribution; der internationale Verleih folgt nach dem Festival.

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