Kino

Tsukamotos Antikriegsdrama ‚Mr. Nelson, Did You Kill People?‘ im Wettbewerb von Venedig um den Goldenen Löwen

Molly Se-kyung

Shinya Tsukamoto hat Mr. Nelson, Did You Kill People? im Wettbewerb der 83. Filmfestspiele von Venedig uraufgeführt. Das Drama nach den Memoiren des US-Marines Allen Nelson, der 1966 nach Vietnam geschickt wurde, tritt um den Goldenen Löwen an — und trifft mit seiner Antikriegsbotschaft einen Nerv der Gegenwart.

Zur Einordnung gehört der Rahmen. Venedig ist der Startplatz der Preis-Saison, und Tsukamoto ist dem Lido eng verbunden: Feuer in der Ebene lief 2014 im Wettbewerb, Shadow of Fire folgte 2023. Mr. Nelson schließt diese — nie offiziell erklärte — Trilogie über die Soldaten des 20. Jahrhunderts ab. Diesmal blickt der japanische Regisseur auf einen amerikanischen Krieg und dreht auf Englisch.

Der Regisseur macht kein Geheimnis aus dem Anlass. “Angesichts des gegenwärtigen Zustands der Welt schien es mir die dringlichste Aufgabe, seine Geschichte wieder lebendig zu machen,” sagt Tsukamoto und äußert die Sorge, sein Land könne sich “dem Krieg wieder annähern.” Sein Kernsatz liegt unter dem Drama wie eine Bruchlinie: Im Krieg werde das Töten — das im Alltag Verwerflichste — zur Aufgabe. Der reale Nelson hielt in Japan über tausend Vorträge gegen den Krieg.

Getragen wird der Film von Rodney Hicks, der in seiner ersten Hauptrolle den heimgekehrten, obdachlos und von der Familie entfremdeten Nelson spielt, und von Geoffrey Rush als Psychiater des Veteranenkrankenhauses; dazu Tatyana Ali und Lily Franky. Wie stets bei Tsukamoto stammt fast alles aus einer Hand — Buch, Regie, Kamera, Schnitt. Die Ko-Produktion aus Japan, den USA, Thailand und Vietnam dauert 116 Minuten.

Vergeben wird der Goldene Löwe am 12. September von der Jury unter Vorsitz von Maggie Gyllenhaal. In Japan bringt Kino Films den Film am 11. September in die Kinos — eine Woche nach der Premiere am Lido.

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