Filmkritiken

The Wrath of Becky: Beckys brutale Rache – eine schonungslose Fortsetzung

Martin Cid
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Die Eröffnungsszene von The Wrath of Becky ist eine Lehrstunde in Sachen Spannung: Becky, gespielt von Lulu Wilson, schüttet mit großen, entschlossenen Augen brühend heißen Kaffee auf den Schoß von Anthony (Michael Sirow) – und setzt damit eine Gewaltspirale in Gang, die nicht mehr abreißt. Die Regisseure Matt Angel und Suzanne Coote haben eine Fortsetzung geschaffen, die die chaotische Energie des ersten Films noch verstärkt, den Fokus aber stärker auf eine schonungslose, realitätsnahe Brutalität richtet.

Was hier besonders gut funktioniert, ist Wilsons Darstellung, die dem Film mit ihrer rohen, unmittelbaren Intensität Halt gibt. Ihre Becky ist eine Teenagerin, die an ihre Grenzen getrieben wird, und Wilson vermittelt mit bemerkenswerter Authentizität sowohl die Verletzlichkeit als auch die animalische Wut ihrer Figur. Die Actionszenen sind gut choreografiert, besonders die Sequenz, in der Becky Anthony in eine Granatenfalle lockt: ein herausragender Moment, der Einfallsreichtum mit einem heftigen körperlichen Schlag verbindet. In diesen Szenen zeigt sich, wie sehr sich der Film dem Realismus verschreibt: Die Brutalität wirkt greifbar und unmittelbar.

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Auch die Besetzung in den Nebenrollen kommt dem Film zugute, allen voran Seann William Scott als Darryl Jr. Seine Darstellung ist ein echtes Highlight: Er verleiht der Figur eine bedrohliche Präsenz und lässt sie tatsächlich gefährlich wirken. Denise Burse als Elena ist zwar weniger ausführlich gezeichnet, bildet für Becky aber einen wichtigen emotionalen Anker und steht für die Stabilität und Zuneigung, nach denen sie sich sehnt. Die gemeinsame Dynamik von Wilson und Burse zählt zu den Höhepunkten des Films und sorgt mitten im Chaos für Momente echter Wärme.

Inhaltlich beschäftigt sich The Wrath of Becky mit dem Kreislauf der Gewalt und dem Kampf um Gerechtigkeit in einer Welt, die ihre verletzlichsten Mitglieder oft nicht zu schützen vermag. Beckys Weg vom Opfer zur Rächerin ist fesselnd, doch dem Film gelingt es nicht immer, die psychischen Folgen ihres Handelns genauer auszuloten. Während der erste Film mehr Zeit darauf verwendete, Beckys Trauer und Trauma zu erkunden, rückt die Fortsetzung die Action stärker in den Vordergrund – wodurch die emotionale Tragweite mitunter zweitrangig erscheint.

Auch beim Erzähltempo gerät der Film ins Straucheln. Die Actionszenen sind zwar gelungen, doch die Handlung wirkt stellenweise unnötig verworren – besonders, wenn Darryl Jr. und seine Mutter als Drahtzieher hinter den Noble Men eingeführt werden. Diese Figuren bringen zusätzliche Komplexität ins Spiel, lenken den Blick aber zugleich von Beckys persönlicher Rache ab. Das Finale ist zwar befriedigend, wirkt jedoch gehetzt; einige emotionale Höhepunkte können sich dadurch nicht voll entfalten.

Optisch ist The Wrath of Becky seinem Vorgänger einen Schritt voraus. Die Kameraarbeit wirkt ausgefeilter und beweist ein gutes Gespür für Bildkomposition, das die angespannte Atmosphäre des Films noch verstärkt. Licht und Schatten erzeugen ein Gefühl des Unbehagens, besonders in den Szenen in der abgelegenen Hütte, in der die Noble Men zusammenkommen. Der Soundtrack mit seinen treibenden elektronischen Beats sorgt für zusätzliche Spannung und lässt jede Konfrontation noch intensiver wirken.

Im Vergleich zu seinem Vorgänger erweist sich The Wrath of Becky als der realitätsnähere und brutalere Actionthriller. Während der erste Film auf fantasievoll überzeichnete Tötungsszenen setzte, bemüht sich die Fortsetzung um eine realistischere Darstellung von Gewalt – und lässt dadurch mehr auf dem Spiel stehen. Zugleich fehlt dem Film dadurch mitunter der verspielte Einfallsreichtum des Originals.

Was das Publikum angeht, richtet sich The Wrath of Becky an Fans brutaler, actionreicher Thriller mit einer starken weiblichen Hauptfigur. Für Zartbesaitete ist der Film nichts: Die Gewalt ist drastisch und wird ungeschönt gezeigt. Wer allerdings gern sieht, wie Nazis ihre gerechte Strafe bekommen, findet hier einiges, woran er Gefallen haben dürfte.

Auch bei der Auseinandersetzung mit Beckys psychischem Zustand spielt der Film seine Stärken aus. Während der erste Film ihr Trauma lediglich streifte, geht die Fortsetzung genauer darauf ein, wie ihre Erlebnisse aus der Vergangenheit ihr Handeln in der Gegenwart prägen. Die Szene, in der Becky zusammenbricht, nachdem sie von Elenas Tod erfahren hat, ist ein eindringlicher Moment, der Wilsons emotionale Bandbreite unter Beweis stellt. Sie erinnert daran, dass Becky keine eindimensionale Rächerin ist, sondern eine komplexe Figur, die mit Verlust und Wut ringt.

Auch die Nebendarsteller verdienen Anerkennung. Jill Larson verleiht Darryl Sr. eine unheimliche Ruhe, die ihre Figur umso erschreckender macht. Aaron Dalla Villa als DJ und Matt Angel als Sean überzeugen in ihren Nebenrollen und bringen jeweils eigene Dynamiken in die Gruppe der Noble Men ein. Courtney Gains fällt als Twig mit seiner bedrohlichen Präsenz auf und verleiht dem ohnehin gefährlichen Ensemble eine zusätzliche Note des Bedrohlichen.

Auch die Regie gehört zu den Stärken des Films. Angel und Coote haben ein gutes Gespür dafür, Spannung aufzubauen: Nahaufnahmen und enge Bildausschnitte erzeugen in den intensivsten Momenten ein beklemmendes Gefühl der Klaustrophobie. Bemerkenswert ist auch der Umgang mit dem Sounddesign. Wenn in Schlüsselszenen die Musik verstummt, steigert das die Spannung zusätzlich.

Eine der größten Stärken des Films ist sein Bekenntnis zum Realismus. Anders als viele Actionfilme, die auf fantastische Elemente setzen, verankert The Wrath of Becky die Gewalt so in der Wirklichkeit, dass sie unmittelbar und körperlich spürbar wird. Dadurch steht mehr auf dem Spiel, und die emotionale Wirkung fällt stärker aus. Dieser Realismus bedeutet allerdings auch, dass dem Film mitunter der verspielte Einfallsreichtum des Originals fehlt.

Beim Erzähltempo hätte der Film etwas gestrafft werden können. Die Actionszenen sind zwar gelungen, doch die Handlung wirkt stellenweise unnötig verworren – besonders, wenn Darryl Jr. und seine Mutter als Drahtzieher hinter den Noble Men eingeführt werden. Diese Figuren bringen zusätzliche Komplexität ins Spiel, lenken den Blick aber zugleich von Beckys persönlicher Rache ab.

Auch im Finale gerät der Film ins Straucheln. Die Action ist zwar gut choreografiert, doch die emotionale Auflösung wirkt überstürzt. Beckys Handlungsbogen findet einen befriedigenden Abschluss, doch es fehlt ihm an Tiefe und Nuancen, die ihn wirklich unvergesslich gemacht hätten.

Insgesamt ist The Wrath of Becky ein solider Actionthriller, der von Lulu Wilsons kraftvoller Darstellung und seinem kompromisslosen Realismus profitiert. Zwar schwächelt der Film beim Erzähltempo und bei der Figurenentwicklung, doch sein Versprechen intensiver, unmittelbar spürbarer Action löst er ein. Die Auseinandersetzung mit Themen wie Gewalt, Gerechtigkeit und den psychischen Folgen eines Traumas verleiht dem Film zusätzliche Tiefe, die einem geradlinigen Actionstreifen sonst vielleicht fehlen würde.

Unterm Strich ist The Wrath of Becky ein Film für Fans brutaler, actionreicher Thriller mit einer starken weiblichen Hauptfigur. Für Zartbesaitete ist er nichts, denn die Gewalt ist drastisch und wird ungeschönt gezeigt.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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