Filmkritiken

Becky: Ein blutiger, rauer Survival-Thriller über das Erwachsenwerden

Becky es una película americana dirigida por Jonathan Milott y Cary Murnion. Protagonizada por Kevin James, Lulu Wilson y Joel McHale
Martin Cid
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Die erste Einstellung von Becky ist eine Nahaufnahme von Lulu Wilsons Gesicht: blutverschmiert, die Augen weit aufgerissen, in ihnen eine Mischung aus Angst und Trotz. Dieses Bild gibt den Ton für einen Film vor, der vieles zugleich sein will: Thriller, Horrorfilm, Actionkino und Geschichte vom Erwachsenwerden. Unter der Regie von Cary Murnion und Jonathan Milott ist Becky eine etwas chaotische, aber streckenweise fesselnde Achterbahnfahrt, die vor allem von Wilsons herausragender Leistung getragen wird.

Die Handlung ist schnell erzählt: Die 13-jährige Becky (Wilson) verbringt mit ihrem Vater Jeff (Joel McHale) ein Wochenende in ihrem Haus am See, als eine Gruppe rechtsextremer Strafgefangener eindringt. Angeführt wird sie vom bedrohlichen Dominick (Kevin James). Was folgt, ist ein erbitterter Kampf ums Überleben: Becky setzt ihren Verstand und ihre Einfallsreichtum ein, um sich gegen die Eindringlinge zur Wehr zu setzen.

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Wilson ist der größte Trumpf des Films. Sie verleiht der Rolle eine kecke Aufsässigkeit und spricht ihre trockenen Dialogzeilen mit einem spöttischen Grinsen, das Becky zugleich sympathisch und furchteinflößend wirken lässt. Auch körperlich überzeugt sie: Sie schwingt Buntstifte als Waffen und sticht einem Angreifer mit einem Schlüssel das Auge aus. Wilsons Darstellung von Beckys Trauer über den Tod ihrer Mutter gibt der Figur emotionale Tiefe und macht sie zu mehr als einer eindimensionalen Actionheldin.

Die Actionszenen sind unmittelbar und wirkungsvoll inszeniert, besonders jene Momente, in denen Becky Alltagsgegenstände zu Waffen umfunktioniert. Die Spannung ist dabei greifbar, und die handgemachten Effekte sorgen für einen rauen Realismus, der den Horror noch verstärkt. In den ruhigeren Passagen gerät der Film allerdings ins Stocken; manche Dialoge wirken klischeehaft oder schlicht lustlos geschrieben. Die Vorgeschichte ist so vorhersehbar, wie es nur geht, und lässt große Teile des Films überflüssig erscheinen.

Der Versuch, verschiedene Genres zu verbinden, führt zu einigen tonalen Brüchen. Die Horrorelemente funktionieren, wenn der Film die psychischen Folgen von Beckys Martyrium in den Mittelpunkt rückt. Die Actionszenen schlagen dagegen mitunter derart über die Stränge, dass sie die Spannung untergraben. Der rechtsextreme Hintergrund eröffnet zwar eine Ebene gesellschaftlicher Kommentierung, bleibt aber unterentwickelt und wirkt eher nachträglich angefügt als organisch in die Handlung eingebunden.

Trotz seiner Schwächen bietet Becky immer wieder echte Spannung und originelle Einfälle. Dass der Film ein junges Mädchen ins Zentrum einer derart brutalen Geschichte stellt, ist erfrischend, und Wilsons Leistung hebt das Material auf ein höheres Niveau. Außerdem setzt sich der Film mit Trauer und familiären Beziehungen auseinander und verleiht der actionreichen Handlung dadurch zusätzliches emotionales Gewicht.

Die Nebenbesetzung kann mit Wilson nicht mithalten. Kevin James, der vor allem für seine komischen Rollen bekannt ist, ist als rechtsextremer Anführer Dominick fehlbesetzt. Seiner Darstellung fehlt die Bedrohlichkeit, die eine derart finstere Rolle verlangt, und seine Dialoge wirken oft gezwungen und unnatürlich. Joel McHale schlägt sich als Beckys Vater Jeff etwas besser, doch auch seine Figur bleibt blass und dient eher als Mittel zum Zweck der Handlung denn als ausgearbeitete Persönlichkeit.

Die Regie von Murnion und Milott ist solide, aber wenig einfallsreich. Der Film setzt stark auf Schreckmomente und schnelle Schnitte, um Spannung zu erzeugen – ein Verfahren, das formelhaft und vorhersehbar wirken kann. Einige Kameraeinstellungen sind visuell eindrucksvoll, insbesondere die Bilder des von dichtem Wald umgebenen Hauses am See. Solche Momente gibt es allerdings viel zu selten.

Becky richtet sich offenbar an Fans von Home-Invasion-Thrillern und Action-Horror-Mischungen wie „The Strangers“ oder „You’re Next“. Doch dem Film fehlen der scharfsinnige Dialog und die gesellschaftliche Kommentierung, durch die sich diese Werke hervorgetan haben. Mit seiner jungen Protagonistin versucht er außerdem, ein jüngeres Publikum anzusprechen; die brutale Gewalt und die intensiven Szenen dürften manchen Zuschauerinnen und Zuschauern jedoch zu viel sein.

Was die Originalität angeht, findet Becky nur schwer zu einer eigenen Linie. Die Handlung ist abgeleitet und schöpft ausgiebig aus den etablierten Motiven des Home-Invasion-Genres. Der rechtsextreme Hintergrund sorgt zwar für einen zeitgenössischen Dreh, wirkt aber eher wie ein Gimmick als wie eine ernsthafte Auseinandersetzung mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen.

Der Kinostart während der COVID-19-Pandemie schränkte die Reichweite des Films ein: Statt regulär in die Kinos zu kommen, feierte er seine Premiere auf Video-on-Demand- und Digitalplattformen. Das dürfte sich auf die Rezeption ausgewirkt haben; die Kritiken fielen gemischt aus. Viele lobten jedoch Wilsons Leistung – ein Beleg für ihr Talent und die Stärke ihrer Figur.

Trotz seiner Schwächen bietet Becky immer wieder echte Spannung und originelle Einfälle. Dass der Film ein junges Mädchen ins Zentrum einer derart brutalen Geschichte stellt, ist erfrischend, und Wilsons Leistung hebt das Material auf ein höheres Niveau. Außerdem setzt sich der Film mit Trauer und familiären Beziehungen auseinander und verleiht der actionreichen Handlung dadurch zusätzliches emotionales Gewicht.

Unterm Strich ist Becky (2020) ein fehlerhafter, aber streckenweise fesselnder Thriller, der von Lulu Wilsons herausragender Leistung profitiert. Zwar tut sich der Film mit Erzähltempo, Ton und Originalität schwer, doch er bietet Momente echter Spannung und emotionaler Tiefe.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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