Filmkritiken

Venom: Let There Be Carnage ist alberne WG-Komödie mit Biss – leicht, kurz und angenehm unernst

Andy Serkis' Fortsetzung von 2021 bleibt sich im Ton treuer als der erste Teil.
Martha O'Hara
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„Venom: Let There Be Carnage“ weigert sich, erwachsen zu werden, und genau daraus bezieht der Film seinen Reiz. Andy Serkis übernimmt von Ruben Fleischer, dessen Original von 2018 laut Silver Screen Riot an einem kindischen Drehbuch und einem unentschlossenen Ton litt, und versucht gar nicht erst, die Sache seriöser zu machen. Stattdessen herrscht hier Unsinn von der ersten bis zur letzten Minute, und alle Beteiligten scheinen sich endlich einig zu sein, wie albern das Ganze sein darf. Silver Screen Riot beschreibt das Skript als vulgären Bewusstseinsstrom, so, als hätte die Libido eines Zwölfjährigen es diktiert, und gibt trotzdem zu, am Ende fast jeder Szene gekichert zu haben. Für eine Fortsetzung, die auf dem Papier alle Schwächen ihres Vorgängers wiederholt, ist das ein beachtliches Kompliment.

Im Zentrum steht das Zusammenleben von Eddie Brock und seinem außerirdischen Untermieter. Tom Hardy spielt beide Seiten, und The Action Elite sieht in seinem Eddie einen sympathischen Verlierer, der Venom braucht, so wie Venom ihn braucht. Silver Screen Riot liest die Konstellation als Mitbewohnerkomödie, als „Beetlejuice trifft The Odd Couple“: Venom will vor allem Menschen die Köpfe abbeißen, Eddie hat unter seinem Dach eine strikte Regel gegen Mord erlassen. IGN nimmt Serkis beim Wort, der den Film eine Liebesgeschichte zwischen Eddie und Venom nennt, und hört in Venoms Einzeilern eine Mischung aus Clayface aus der Serie „Harley Quinn“ und Drax; Eddie selbst bezeichnet seinen Begleiter als „pig-dog horse-duck“. Wenn Venom in einer Szene, die IGN hervorhebt, Eddies Küche auseinandernimmt, erinnert das an den Zauberlehrling aus „Fantasia“, und das Bild trifft die Mischung aus Zerstörungslust und Slapstick ziemlich genau. Weniger glücklich ist The Action Elite mit der Verständlichkeit: Venoms Genuschel würde von Untertiteln profitieren, die Stimme selbst mag der Kritiker aber, sie erinnert ihn an ein altes PlayStation-Spiel.

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Woody Harrelson spielt den Serienmörder Cletus Kasady, und laut The Action Elite macht er nie halbe Sachen: Er bringt es fertig, dass man den Killer beinahe bemitleidet. Sein Gegenstück ist Frances Barrison alias Shriek, gespielt von Naomie Harris, die derselbe Kritiker kaum wiedererkannt hat. Dass die beiden Schurken einander tatsächlich lieben, während der Held in Liebesdingen vom Pech verfolgt bleibt, nennt er eine interessante Dynamik. In 90 Minuten kann der Film dieser Liebe allerdings nur wenig Raum geben. Sie bleibt eine Skizze, auf der Kasadys Plan aufbaut, Frances aus dem Ravencroft Institute zu befreien, und es liegt an Harrelson und Harris, ihr Gewicht zu verleihen. IGN beschreibt Kasady als entfesselten Gegner, dessen Motive Rache und Schmerz sind und der sich deshalb nicht wegreden lässt. Das unterscheidet ihn deutlich von Venom, der trotz aller Streitereien an Eddies Seite gehört.

Tonal ist der Film ein Zwitter. IGN sieht einen deutlichen Schwenk weg von der Science-Fiction-Verschwörung des ersten Teils: Während Eddie und Detective Mulligan (Stephen Graham) die Spur von Kasadys Mordserie zusammensetzen, wirke das Ganze wie ein Comic-Hybrid aus Serienkiller-Thrillern vom Schlag eines „Seven“ oder „Zodiac“. Um die beiden gruppiert sich ein kleiner Kreis von Nebenfiguren, der gut genutzt wird: Michelle Williams als Anne, Reid Scott als Dan und Peggy Lu als Mrs. Chen. Sie alle begegnen sich im Lauf der Handlung, und so fühlt sich die Gefahr nicht mehr wie ein Weltuntergang an, sondern wie ein Angriff auf Menschen, die Eddie kennt. Dass man das alles schnell wieder vergisst, hält The Guardian fest, wenn er die Fortsetzung bewundernswert leichtgewichtig, aber völlig verzichtbar nennt. Der Musik gibt The Action Elite kein besseres Zeugnis. Marco Beltramis Score bleibe nicht besonders im Ohr, liefere aber im Finale epische Chöre, und Silver Screen Riot hört im Soundtrack vor allem weltschmerzgetränkten Nu-Metal.

Serkis’ Handschrift zeigt sich in den körperlichen Szenen. IGN führt die Wucht von Venoms Präsenz auf seine Erfahrung als Motion-Capture-Darsteller zurück und lobt, wie praktische und computergenerierte Effekte hier zusammenspielen. Die bewegliche Kamera passe zur kalten, chaotischen Energie von Carnage und Kasady. The Action Elite hat an den Effekten trotz ihres digitalen Ursprungs nichts auszusetzen und schätzt vor allem die Laufzeit: Serkis hält den Film auf knappen 90 Minuten, statt ihn wie so viele aktuelle Superheldenfilme zur zweieinhalbstündigen Tortur aufzublähen.

Zur Entstehung: Schon bei den Dreharbeiten zum ersten Film begannen die Pläne für eine Fortsetzung. Harrelson hatte am Ende des Vorgängers einen kurzen Auftritt als Cletus, damit er im Sequel zum Schurken Carnage werden konnte. Serkis wurde im August 2019 als Regisseur verpflichtet, nicht zuletzt wegen seiner Erfahrung mit CGI und Motion Capture. Gedreht wurde von November 2019 bis Februar 2020 in den Leavesden Studios in England, dazu kamen Aufnahmen in San Francisco. Wegen der Pandemie wurde der Start mehrfach verschoben, erst am 1. Oktober 2021 lief der Film in den US-Kinos an. Die Kritiken fielen gemischt aus, an der Kasse war er mit 506 Millionen Dollar weltweit trotzdem ein Erfolg und der Film mit dem siebthöchsten Einspielergebnis des Jahres 2021. 2024 folgte mit „Venom: The Last Dance“ ein weiterer Teil.

Groß im Sinne des Genres ist dieser Film nicht, und er will es auch nicht sein. Er ist kurz, laut und blödelt mit Überzeugung, getragen von einem Hardy, der sich selbst als Duo spielt, und einem Harrelson, der seinem Killer eine Spur Menschlichkeit gönnt. Die Romanze bleibt dünn, der Score vergesslich, die Mischung aus Thriller und Monsterfilm stellenweise holprig. Aber die Mitbewohnerkomödie zwischen Eddie und Venom trägt „Venom: Let There Be Carnage“ über die 90 Minuten, und weil niemand im Ensemble mehr vorgibt, es gehe um etwas Ernsteres, gelingt der Fortsetzung, was der Vorgänger nur versuchte: Sie macht ihren Unsinn mit solcher Konsequenz, dass man gern mitlacht.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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