Filmkritiken

Vanished Into the Night: Packender Thriller, ausgebremst von blassen Darstellungen

Veronica Loop
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Die Eröffnungsszene von Vanished Into the Night ist eine Meisterleistung in Sachen Spannung: Riccardo Scamarcios Pietro, ein Mann, der bereits am Rand des Zusammenbruchs steht, blickt auf seine schlafenden Kinder. Ihre unschuldigen Gesichter werden vom unheimlichen Licht einer Taschenlampe beleuchtet, deren Batterie zur Neige geht. Dieser Moment verspricht Unheil – und Regisseur Renato De Maria löst dieses Versprechen größtenteils ein.

De Marias Thriller ist eine Neuverfilmung von Patxi Amezcua spanischem Film 7th Floor, verlegt die Handlung jedoch nach Bari in Italien und schlägt damit einen eigenen Weg ein. Im Mittelpunkt steht Pietro (Scamarcio), ein Vater mitten in einer chaotischen Scheidung, dessen Leben aus den Fugen gerät, als seine Kinder aus ihrem abgelegenen Landhaus verschwinden. Die Ausgangsidee ist schlicht, doch bei der Umsetzung zeigt De Maria sein Können. Der Film lässt sich Zeit und baut die Spannung auf wie eine langsam abbrennende Zündschnur. Szenen wie Pietros nervenaufreibende Bootsfahrt im Schutz der Nacht, verfolgt von schemenhaften Gestalten auf Jetskis, sind visuell eindrucksvoll und meisterhaft inszeniert.

Schwächen zeigt der Film bei den schauspielerischen Leistungen. Scamarcio trägt die Geschichte mit bemerkenswerter Intensität, doch Annabelle Wallis bleibt als Elena unterfordert. Ihre Figur schwankt zwischen besorgter Mutter und manipulativer Ex-Frau, ohne je einen stimmigen emotionalen Ton zu finden. Auch die Nebenrollen überzeugen kaum mehr: Massimiliano Gallos Nicola wirkt eher wie ein Mittel zum Zweck der Handlung als wie eine voll ausgearbeitete Figur.

Der größte Fehltritt des Films ist seine Abhängigkeit von konstruierten Wendungen und scheinbar bedeutungslosen Details, die dem Publikum ein allzu großes Maß an Unglauben abverlangen. Vor allem das Ende wirkt so ordentlich zurechtgerückt, dass es beinahe absurd ist: Die offenen Handlungsfäden werden mit einer Effizienz zusammengeführt, die der zuvor aufgebauten Spannung den Boden entzieht. Als hätte De Maria nicht widerstehen können, jeden Faden zu einem hübschen Schleifchen zu binden – selbst auf Kosten der Glaubwürdigkeit der Geschichte.

Trotz dieser Mängel bleibt Vanished Into the Night jedoch fesselnd. Die Thrillerelemente sind sorgfältig ausgearbeitet, und das Rätsel hält bis zum Schluss bei der Stange. Die Auseinandersetzung des Films mit der Angst von Eltern und der Verzweiflung, die ein Verlust mit sich bringt, ist eindringlich. Für Fans des Genres ist das ein packendes Filmerlebnis.

Vergleiche mit anderen Thrillern wie Gone Baby Gone oder Prisoners liegen nahe, doch Vanished Into the Night behauptet sich aus eigener Kraft. Der Film ist weder so emotional erschütternd wie der erstgenannte noch so visuell beeindruckend wie der zweite, findet aber mit seinem italienischen Schauplatz und den kulturellen Eigenheiten eine eigene Nische. Besonders wirkungsvoll zeichnet er Pietros Verzweiflung – ein Thema, das überall auf der Welt nachvollziehbar ist.

Auch das Sounddesign verdient besondere Erwähnung. Die unheimliche Stille, die in den Szenen im Landhaus herrscht, verstärkt das Gefühl von Isolation und Bedrohung. Der Soundtrack ist zwar nicht bahnbrechend, fügt sich aber gut in die Erzählung ein und trägt zur durchgehend beklemmenden Atmosphäre bei.

Allerdings wird der Film von seinen Klischees ausgebremst – etwa dem reichen Jugendfreund, der zur Rettung eilt, oder der Ex-Frau mit geheimen Absichten. Diese vertrauten Erzählmuster wirken verbraucht und tragen wenig dazu bei, die Geschichte über das Bekannte hinauszuheben.

Was die Originalität angeht, tut sich Vanished Into the Night schwer. Die Handlung und die Entwicklungen der Figuren bewegen sich auf ausgetretenen Pfaden des Thriller-Genres. De Maria bringt zwar seine eigene Handschrift als Regisseur ein, doch die Geschichte selbst beschreitet kein Neuland. Das Ergebnis ist ein solider Thriller, der alle Erwartungen erfüllt, aber keine neuen Akzente setzt.

Der Film dürfte Fans von Mystery-Thrillern ansprechen, die eine spannende Geschichte zu schätzen wissen. Wer tiefgründige Figurenstudien oder erzählerische Innovation sucht, könnte dagegen enttäuscht werden. Tempo und Spannung machen ihn zu einer passablen Wahl für einen späten Filmabend, doch lange nach dem Abspann wird er kaum im Gedächtnis bleiben.

Letztlich ist Vanished Into the Night ein solider Beitrag zum Thriller-Genre. Der Film hat seine Glanzmomente, insbesondere bei der Regie und dem Sounddesign, wird jedoch von mäßigen schauspielerischen Leistungen und seiner Abhängigkeit von Klischees gebremst.

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