Musik

100%WET werden zum Trio: Sängerin Sanna Heinstedt steigt nach dem Koma von Gitarrist Casper Munns ein

Mit „Indigo“ macht die Kopenhagener Hypergaze-Band Langzeitpartnerin Eir offiziell und spricht über die Krankheit, die sie ausbremste
Alice Lange
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Bands, die um zwei Produzenten und eine wechselnde Reihe von Gastsängerinnen gebaut sind, landen früher oder später bei derselben Frage: Wessen Stimme ist das eigentlich? Die Kopenhagener Band 100%WET hat sie beantwortet. Mit der neuen Single „Indigo“ wird Sängerin Sanna Heinstedt festes Mitglied, und aus dem Gitarren- und Produktionsduo von Jakob Birch und Casper Munns wird ein Trio. Die Nachricht kommt, während die Band die härteste Phase ihrer noch jungen Karriere hinter sich lässt.

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Heinstedt, die auch unter dem Namen Eir veröffentlicht, ist alles andere als ein neues Gesicht. Sie war bereits als Gastsängerin auf der frühen Single „Ether“ zu hören und seither live wie im Studio dabei. „Sie gehört offiziell schon eine ganze Weile zur Band – wir haben seit über einem Jahr kaum ein Konzert ohne sie gespielt, für uns ist das also fast schon alte Neuigkeit“, sagt Munns in der Ankündigung. „Wir haben anfangs mit verschiedenen Sängerinnen gearbeitet, aber ihre Stimme hat ganz organisch angefangen zu passen – ihr Timbre und die Gitarren haben sich von selbst gefunden.“

Birch geht noch weiter und nennt sie „unsere wichtigste Komplizin im Studio und live in den letzten Jahren“ und eine enorme kreative Kraft hinter dem kommenden Sound. Ein Duo zu bleiben, fügt er hinzu, würde nicht mehr der Art entsprechen, wie die Band tatsächlich arbeitet.

Two members of Copenhagen band 100%WET mid-motion in a press photo
Photo: Lucas Kober (100%WET press kit)

„Indigo“ stellt diese Partnerschaft ins Zentrum. Die Mitteilung beschreibt üppige, geschichtete Gitarren in viel Hall, einen Faden dezenter östlicher Einflüsse und reichlich Raum, in dem sich die Stimmen von Munns und Heinstedt abwechseln und verschmelzen. Der Song gehört klar zum Hypergaze, dem Begriff, den die Band für ihre Mischung aus Alt-Rock-Atmosphäre und hyperrealer Produktion erfunden hat: Trip-Hop-nahe Beats, gestapelte Gitarren, Refrains mit Auto-Tune und Sounddesign aus dem Underground von Kopenhagen und Schweden.

Laut Munns entstand der Song an einem dunklen Ort. „Als ich ihn geschrieben habe, kam er aus einer dunklen Ecke – eine bedürftige, verzweifelte Sehnsucht, die mit Gewalt rausmusste“, erklärt er. „Mit der Zeit sehe ich ihn mehr als Liebeslied, als Feier des Lebens.“ Die Deutung überlässt er lieber den Hörern.

Dieser Perspektivwechsel wiegt schwerer, wenn man weiß, was die Band gerade hinter sich hat. Im vergangenen Jahr kam Munns mit einer seltenen, lebensbedrohlichen Krankheit ins Krankenhaus und wurde in ein künstliches Koma versetzt; 100%WET mussten Konzerte, Songwriting-Sessions und ihr lang erwartetes Live-Debüt in Großbritannien absagen. Erst jetzt erzählt die Band die ganze Geschichte öffentlich – und kehrt mit einer größeren statt einer kleineren Besetzung zurück.

Gegründet hat sich die Gruppe am Rhythmischen Musikkonservatorium in Kopenhagen, der Schule hinter Alt-Pop-Namen wie Clarissa Connelly, ML Buch, Smerz und Astrid Sonne, mit der Idee, Shoegaze-Texturen mit dem rhythmischen Druck von Drum and Bass zu verbinden. Ihr selbstbetiteltes Debütalbum, im Mai 2025 bei Crunchy Frog Recordings erschienen, wurde unter anderem von The Line of Best Fit, KEXP und Louder Than War gelobt; seitdem spielten sie beim SPOT Festival und in Roskilde und waren Support von Primal Scream in Kopenhagen. Anfang 2026 veröffentlichten sie ein Cover von Grimes’ „Delete Forever“ und den eigenen Song „Eleanor’s Escape“.

„Indigo“ ist ab sofort über Crunchy Frog Recordings auf den Streamingplattformen erhältlich.

Das Großbritannien-Debüt, das ihnen die Krankheit genommen hat, steht noch aus. Wenn es kommt, betreten 100%WET die Bühne als das Trio, das sie in der Praxis längst sind.

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