Musik

Hulder macht Verbolgen zum ersten Duo-Album und gewinnt an Schärfe

Alice Lange

Verbolgen, das dritte Album von Hulder, bringt etwas mit sich, was das Projekt bislang nie offiziell zu eigen gemacht hat: ein permanentes zweites Mitglied. Necreon, langjähriger Mitstreiter an Bass und Gesang, wird erstmals als gleichberechtigter Partner neben dem Gründungsmitglied geführt. Für eine Black-Metal-Entität, deren Identität aus Soloschaffen gewachsen ist, hätte dieser Schritt wie ein Zugeständnis wirken können. Auf neun Stücken liest er sich dagegen wie eine Beschleunigung.

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Was Verbolgen über Genre-Erwartungen hinaushebt, ist die spezifische Textur seiner Atmosphäre. Das Album baut aus Tremolo-Melodien und marschierendem Midtempo, schichtet aber Drehleier von Keld und Querflöte von Ianuaria darüber. Diese instrumentalen Zusätze treiben das Album in ein Terrain, das sich authentisch alt anfühlt, nicht dekorativ mittelalterlich. Die neun Stücke wurzeln in Naturverehrung und Ahnenritual – Themen, die das Album durch Anordnung verdient, nicht durch Ankündigung.

Die Struktur des Albums belohnt Geduld. Ein Intro namens „Drie Raven“ (Niederländisch für drei Raben) setzt die Stimmung, bevor „The Crowning“ den Hauptteil mit sechs Minuten eröffnet. Der Mittelpunkt „In Blood and In Earth“ dauert siebeneinhalb Minuten: kein Drone, keine Wiederholung, sondern ein Aufbau, der an einem bestimmten Ort ankommt. Hulder bläht die Laufzeit nicht auf. Die neun Stücke spannen rund fünfundvierzig Minuten, und jedes verdient seine Länge.

Die zweisprachige Titelliste – Englisch und altertümliches Niederländisch zu gleichen Teilen – weist den kulturellen Rahmen aus, den Verbolgen besetzt. Der Titel selbst bedeutet wütend oder erzürnt; „Den Nacht Zijn Lied“ übersetzt sich als das Lied der Nacht. Diese Verwurzelung in der vorchristlichen Nordseetradition ist keine ästhetische Pose: Die Drehleier, die Flöte, der altweltliche Gesang klingen bewohnt, nicht entliehen.

Die echte Ungewissheit um Verbolgen ist die Reichweite. Mit gut 1.600 Hörern auf Last.fm bleibt Hulder fest im Untergrund verankert – und das ist keine Kritik, sondern die marktstrategische Position des Projekts per Design. Die doppelte Veröffentlichung über Season of Mist und 20 Buck Spin verschafft Verbolgen mehr Sichtbarkeit als der früheren Katalog des Projekts, aber die kommerzielle Obergrenze von Black Metal ist bewusst niedrig angesetzt, und nichts auf diesem Album stellt sich in Position, sie zu durchbrechen. Hörer ohne Vorkontext brauchen Zeit, um das Album einzuordnen; Hulder bietet keine Abkürzung in den Sound.

Die Kritiken fielen stark aus. Bandcamp Daily kürte Verbolgen am Veröffentlichungstag zum Album des Tages, und Rezensenten in der gesamten Metal-Presse nannten es das bislang reifste Werk des Projekts. Verbolgen ist seit dem 7. August bei Season of Mist und 20 Buck Spin erhältlich. Hulder hat für den Rest des Jahres keine Tourneepläne bekanntgegeben, obwohl das Projekt zuvor ausgiebig durch Nordamerika getourt ist.

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