Kino

Jennifer Aniston: Die Schauspielerin, die dreißig Jahre lang beweist, mehr zu sein als Rachel Green

Penelope H. Fritz

Es gibt eine besondere Art von Begrenzung, die nur denen droht, die zu früh zu berühmt werden. Jennifer Aniston wurde mit einer Fernsehrolle zur Ikone einer ganzen Generation — und hat seither systematisch daran gearbeitet, als Schauspielerin ernst genommen zu werden, die über diese eine Rolle hinausgeht.

Sie wurde am 11. Februar 1969 in Sherman Oaks, Kalifornien, geboren. Ihr Vater, John Aniston, war ein griechischstämmiger Schauspieler mit einer langen Karriere in amerikanischen Seifenopern; ihre Mutter, Nancy Dow, war ebenfalls Schauspielerin. Die Familie zog nach New York, als Jennifer noch ein Kind war; die Eltern ließen sich scheiden, als sie neun Jahre alt war. An der LaGuardia High School of Music & Art and Performing Arts in Manhattan erhielt sie eine ernsthafte schauspielerische Ausbildung. Sie kam 1989 nach Los Angeles, mit zwei gescheiterten Pilotprojekten im Rücken und einem Nebenauftritt im Horrorfilm Leprechaun als vorläufiger Startpunkt.

Jennifer Aniston
Jennifer Aniston. Depositphotos

Friends, die NBC-Serie, die von 1994 bis 2004 lief, veränderte alles. Aniston spielte Rachel Green über zehn Staffeln — von der verwöhnten Tochter, die vor ihrer eigenen Hochzeit flieht, bis zur selbstständigen Berufstätigen im Modebusiness. Sie gewann 2002 den Emmy Award für die beste Hauptdarstellerin in einer Comedyserie, 2003 den Golden Globe, und in der letzten Staffel verdiente sie eine Million Dollar pro Folge. Der Haarschnitt, den sie in den frühen Staffeln trug, wurde in Friseursalonen auf drei Kontinenten nachgefragt. Dieses scheinbar makellose Erfolgsmodell war gleichzeitig ein Korsett.

Den Gegenbeweis begann Aniston noch während der Laufzeit von Friends zu liefern. The Good Girl (2002), ein Independent-Film von Miguel Arteta, zeigte sie als unglamuröse Kassiererin in Texas, deren Leben ihr entgleitet. Das war kein Rollenprofil, das an Rachel Green erinnerte — und genau das war die Absicht. Die Kritiker bemerkten den Qualitätssprung; das breite Publikum folgte nicht. Marley & Ich (2008) erlaubte ihr, Trauer und emotionale Reife zu spielen, ohne dabei in das Korsett der Komödie zurückzukehren.

Jennifer Aniston
Jennifer Aniston. Depositphotos

Mit Cake (2014) erreichte dieser Bogen seinen Höhe- und Frustrationspunkt zugleich. Als Claire Simmons, eine Frau mit chronischen Schmerzen, äußerlich kaum wiederzuerkennen und frei von jedem Star-Glamour, lieferte Aniston eine Leistung, die ihr eine Golden-Globe-Nominierung in der Kategorie Drama und eine SAG-Award-Nominierung einbrachte. Die Academy of Motion Picture Arts and Sciences nominierte sie nicht. Die Debatte darum war auffallend intensiv: Viele Kritiker analysierten die Nichtberücksichtigung als Strukturproblem der Branche — das Unvermögen, eine Komödiendarstellerin jenseits ihrer etablierten Genrekategorie zu beurteilen. Der Film selbst war inhaltlich mittelmäßig (44% auf Rotten Tomatoes), ihre Leistung davon klar abzugrenzen.

Jennifer Aniston
Jennifer Aniston. Depositphotos

The Morning Show, mit der Apple TV+ 2019 an den Start ging, markierte eine neue Phase. Aniston ist hier sowohl Hauptdarstellerin als auch ausführende Produzentin — ein Machtgefüge, das sie sich aktiv erarbeitet hat. Die erste Staffel wurde kritisch ambivalent aufgenommen, dennoch gewann sie 2020 den Screen Actors Guild Award für die beste Hauptdarstellerin in einer Dramaserie. Die folgenden Staffeln verbesserten die Qualität der Serie; in der vierten, die seit September 2025 bei Apple TV+ läuft, spielen Jeremy Irons als Vater der Hauptfigur und Marion Cotillard als europäische Machtfigur. Eine fünfte Staffel ist bereits bestätigt.

Das kommende Projekt ist das überraschendste ihrer Karriere. Im Juli 2025 gab Apple TV+ bekannt, dass Aniston die Adaption der Memoiren von Jennette McCurdy, I’m Glad My Mom Died, produzieren und darin spielen wird — als die narzisstische, missbräuchliche Mutter, um die es in dem Buch geht. Zum ersten Mal in ihrer Karriere übernimmt sie die Rolle der Antagonistin ohne jede Ambiguität.

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Jennifer Aniston. Depositphotos

Ihr Vater John Aniston starb im November 2022. Sie feierte ihren 57. Geburtstag im Februar 2026. Seit dem Sommer 2025 ist sie in einer Beziehung mit Jim Curtis. Was dreißig Jahre Arbeit am Ende argumentieren — gemessen an der Hartnäckigkeit des Rachel-Green-Mythos — ist, dass Jennifer Aniston dann am besten ist, wenn niemand es erwartet. Das Argument ist noch nicht zu Ende.

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