Kino

Samara Weaving: Die Horrorfilm-Ikone, die selbst Angst vor Gruselfilmen hatte

Penelope H. Fritz
Samara Weaving
Samara Weaving
Photo via The Movie Database (TMDB)
Geboren23. Februar 1992
Adelaide, South Australia, Australia
BerufSchauspielerin, Produzentin
Bekannt fürThree Billboards Outside Ebbing, Missouri, Ready or Not – Auf die Plätze, fertig, tot, Babylon – Rausch der Ekstase
AuszeichnungenSAG

Die Regisseure, die Samara Weaving für Ready or Not besetzten, behaupteten, sie habe den besten Schrei der Welt. Sie hatten recht — aber aus einem Grund, den niemand erwartet hatte. Es war keine methodisch erarbeitete Darstellung, keine bewusst herbeigeführte innere Dunkelheit. Sie hatte schlicht Angst. Denn Samara Weaving ist nach eigener Aussage ein Angsthase — jemand, der vor Horrorfilmen zurückschreckt, der als Kind die Augen zumacht, wenn etwas Bedrohliches auf dem Bildschirm erscheint. Die Ironie, zur prägendsten Scream Queen ihrer Generation geworden zu sein, entgeht ihr nicht.

Geboren in Adelaide, Südaustralien, als Tochter eines britischen Filmemachers und einer maltesischen Kunsttherapeutin, blieb sie in Adelaide kaum. Vor ihrem zehnten Geburtstag hatte die Familie sie bereits durch Singapur, Fidschi und Indonesien geführt — mit langen Phasen in der internationalen Schule in Jakarta. Flexibilität wurde zur zweiten Natur. Ihr Onkel Hugo Weaving — Herr der Ringe, V wie Vendetta, Matrix — hatte bewiesen, dass diese Anpassungsfähigkeit als künstlerisches Prinzip funktioniert. Die Schule des häufigen Ortswechsels bereitete sie auf etwas vor, das sie noch nicht benennen konnte.

Das australische Fernsehen wurde ihre erste Berufsschule. Mit siebzehn Jahren stieß sie zur Dauerserie Home and Away und spielte fünf Jahre lang Indi Walker in über 340 Episoden — eine Ausbildung, die lehrt, was kein Schauspielstudium lehren kann: in jeder Situation präsent zu sein, täglich, ohne Ausnahme. Eine AACTA-Nominierung würdigte diese Arbeit. Was folgte, war der schrittweise Einstieg in Los Angeles, das geduldige Aufbauen einer Karriere jenseits der australischen Fernsehwelt.

Samara Weaving
Samara Weaving

The Babysitter (2017) öffnete die erste entscheidende Tür: ein Netflix-Horrorfilm, der bewies, dass diese Schauspielerin einen Film allein tragen konnte. Am selben Set lernte sie Jimmy Warden kennen, den Drehbuchautor, den sie später heiraten sollte. Im gleichen Jahr war sie Teil des Ensembles von Three Billboards Outside Ebbing, Missouri, dem Martin-McDonagh-Film, der den SAG Award für die beste Ensembleleistung gewann — was bedeutete, dass Weaving auf demselben Anerkennungsfoto stand wie Frances McDormand und Woody Harrelson.

Ready or Not (2019) war von anderem Kaliber. Matt Bettinelli-Olpin und Tyler Gillett steckten sie in ein blutdurchtränktes Brautkleid und schickten sie durch ein gotisches Herrenhaus, in dem die Schwiegerfamilie sie als Teil eines Rituals zu töten versuchte. Die Figur Grace Le Domas verlangte gleichzeitig Humor, Entsetzen und Wut — manchmal in einer einzigen Einstellung. Der Film fand sein Publikum im Raum zwischen den Genres: zu komisch für reinen Horror, zu blutig für reine Komödie. Diese Mischung machte Weaving zu einem Ereignis.

Die darauffolgende Scream-Queen-Etikettierung ist zutreffend, aber analytisch unzureichend. Klassische Scream Queens sind reaktiv — sie fliehen, leiden, überleben oder sterben. Weavings Figuren schlagen zurück und verschieben dabei, worum es in der Geschichte eigentlich geht. Grace Le Domas flieht nicht einfach: Sie vernichtet die Familie, die sie gejagt hat. Das lässt sich als klassisches Horrorfilm-Ende lesen — aber auch als schwarze Komödie mit einem feministischen Argument über Eheerwartungen. Ob diese Lesart im Drehbuch lag, bei den Regisseuren, oder in dem, was Weaving durch ihre spezifische Darstellung einbrachte, ist eine Frage, die die Filmkritik nicht vollständig beantwortet hat.

Die nachfolgenden Filme erprobten andere Register. Babylon (2022) unter Damien Chazelles Regie gab ihr Constance Moore, eine Stummfilmschauspielerin im Übergang zum Tonfilm. Scream VI (2023) führte sie wieder mit den Ready or Not-Regisseuren zusammen — für eine Eröffnungssequenz, die sie nicht überlebt: ein struktureller Witz über ihren eigenen Status, der nur funktioniert, weil das Publikum genau weiß, wer sie ist. Azrael (2024) war ihr konsequentester Genrebeitrag: postapokalyptischer Horror mit kaum Dialog, der durchgehend auf körperliche Präsenz setzte.

Im ersten Halbjahr 2026 veröffentlichte sie drei Filme in weniger als drei Monaten: Carolina Caroline, einen Kriminalfilm, den sie als gezielten Schritt jenseits des Horrorgenres beschreibt; Ready or Not 2: Here I Come, in dem sie Grace nun auch als ausführende Produzentin zurückbringt; sowie Over Your Dead Body, eine Actionkomödie mit Jason Segel. Der Produzentinnen-Credit bei der Fortsetzung ist kein Zufall: Er signalisiert, dass die Schauspielerin, die 2019 mit der Vision anderer ankam, 2026 mit einem Teil der Entscheidungsgewalt angekommen ist.

All diese Dreharbeiten absolvierte sie während der Schwangerschaft. Ihr erstes Kind mit Jimmy Warden kam 2026 zur Welt. Warden führte bei Borderline (2025) mit ihr in der Hauptrolle Regie — das Set, auf dem sie sich kennengelernt hatten, wurde zum Ausgangspunkt einer professionellen Zusammenarbeit. Sie hat über die Seltsamkeit gesprochen, Mutterschaft zu verarbeiten, während man gleichzeitig die Person ist, deren Filmenüberleben zu einer Art Genregrammatik geworden ist. Diese Verarbeitung, sagt sie, ist noch nicht abgeschlossen.

Sie nimmt die Dinge Tag für Tag. Die präzisere Formulierung wäre vielleicht: Sie ist zum ersten Mal in einer Position, in der die nächste Entscheidung wirklich ihre eigene ist. Die Schauspielerin, die Angst vor Horror hatte, die ihre Karriere aus genau dieser Angst aufgebaut hat, befindet sich nun in dem Teil der Geschichte, den das Scream-Queen-Narrativ nie wirklich erzählt: das, was danach kommt.

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