Fußball

WM 2026, Gruppe I: Frankreich vorn, Haaland und Mané kämpfen um Platz zwei

Jack T. Taylor

Frankreich reist nach Nordamerika mit einer Gewissheit im Gepäck, die keiner weiteren Erklärung bedarf: Gruppe I gehört den Bleus. Zweifacher Weltmeister. Didier Deschamps‘ letztes Turnier als Nationaltrainer. Kylian Mbappé nur noch zwölf Treffer von Miroslav Kloses WM-Rekord entfernt. Die Frage ist nicht, ob Frankreich die Gruppe gewinnt — sie lautet, wer den zweiten Platz hinter ihnen besetzt. Denn das Duell zwischen Norwegen und Senegal um das letzte Ticket der K.-o.-Runde ist die stärkste Geschichte in dieser Turnierphase.

Warum Frankreich gewinnt

Deschamps hat etwas aufgebaut, das der WM-Mannschaft von 2018 noch fehlte: ein System, das ohne Ballbesitz schmerzt. Ousmane Dembélé — amtierender Ballon-d’Or-Gewinner — lockt Verteidiger in Räume, bevor er Mbappé in offene Felder freiläuft. Antoine Griezmann liest das Spiel mit der Präzision eines Buchhalters. Der Defensivblock mit William Saliba als Anker ist das bestorganisierteste im europäischen Fußball. Frankreich kann 30 Minuten lang den Ball hergeben und trotzdem gewinnen. Das ist kein Glück; das ist ein System, das Deschamps ein Jahrzehnt lang verfeinert hat — und es ist das letzte Mal, dass er es bei einer WM einsetzt.

Die einzige Unbekannte ist Mbappés Fitness. Die Saison von Real Madrid endete mit Fragezeichen um den Kapitän. Doch selbst ein Mbappé, der nicht bei hundert Prozent ist, verändert die Kalkulation der Gegner grundlegend. Die Tiefe des Kaders — Camavinga, Coman, Griezmann — sorgt dafür, dass es keinen einzelnen Schwachpunkt gibt.

Senegal: die unterschätzte Mannschaft

Auf Platz 19 der Weltrangliste liegt Senegal über Norwegen in allen relevanten Leistungsindizes. Pape Thiaw übernahm Ende 2024 von dem langjährigen Aliou Cissé und führte die Löwen sofort zu einer makellosen Qualifikationskampagne, einschließlich eines Sieges gegen England. Der Kader trägt die emotionale Wucht der AFCON 2025 — eine Mannschaft, die gelernt hat, in den schwersten Momenten standzuhalten.

Und dann ist da Sadio Mané. Mit 34 Jahren, im Trikot von Al-Nassr, bestätigte er, dass dies sein letztes Turnier wird. Er war der beste Spieler der AFCON. 53 Tore für Senegal — jedes einzelne erkämpft, nicht geschenkt. Ein Stürmer, der sich mit 34 für sein letztes Turnier bereit erklärt, ist keine Belastung; er ist ein Mann, der genau weiß, was diese drei Wochen bedeuten. Neben ihm bringt Nicolas Jackson die Geschwindigkeit und Direktheit, die Premier-League-Verteidiger eine ganze Saison lang beschäftigt hat. Pape Matar Sarr beherrscht das Mittelfeld auf eine Art, die Norwegens Defensive in Schwierigkeiten bringen sollte.

Senegals Argument für Platz zwei lautet schlicht: Sie waren schon hier. Der Druck einer WM-Gruppenphase bricht keine Mannschaft, die bereits weiß, was es kostet, darin zu stecken.

Norwegen: 28 Jahre Warten, eine Chance

Norwegen war seit Frankreich 1998 bei keiner WM mehr dabei. Das ist keine Statistik — das ist ein Gewicht, den der gesamte Kader in seiner gesamten Profikarriere getragen hat. Erling Haaland erzielte in acht WM-Qualifikationsspielen 16 Tore. Sechzehn in acht Spielen. Er kommt mit 55 Länderspieltreffern und einem Körper, der für genau das gebaut wurde: Spiele gewinnen, die andere für ihn verloren glauben.

Martin Ødegaard verbrachte große Teile der Saison 2025-26 mit Verletzungsmanagement. Arsenals Meistertitel — der erste des Klubs seit 22 Jahren — wurde teils ohne ihn erkämpft. Doch der Zeitpunkt seiner Rückkehr ist entscheidend. Ein fitter Ødegaard bei einer WM ist ein anderes Instrument. Wenn beide sich finden — Ødegaard findet die Lücke, Haaland kommt an — wird Norwegen zu etwas, das man nicht einfach durch höheres Pressing stoppt. Das Gegenargument: Erfahrung. Norwegen hat fast drei Jahrzehnte keine Gruppenphase gespielt. Senegal schon.

Irak: die längste Rückkehr

Vierzig Jahre sind keine Lücke — das ist eine ganze Generation. Irak war seit Mexiko 1986 bei keiner WM mehr vertreten. Graham Arnold, der Australien bei der WM 2022 in Katar betreut hat, bringt WM-Infrastrukturwissen in eine Mannschaft, die sich ihren Platz durch Aymen Husseins Siegtreffer gegen Bolivien im Interkontinental-Playoff verdient hat. Ali Al-Hamadi — erster Iraker in der Premier League — und Zidane Iqbal, ehemaliger Manchester-United-Mittelfeldspieler, geben dem Kader europäische Spitzenfußball-Erfahrung. Das realistische Ziel: Frankreich unangenehm machen, gegen Norwegen oder Senegal etwas mitnehmen und besser aus dem Turnier hervorgehen als man hineingegangen ist.

Das entscheidende Spiel: 22. Juni, MetLife

Der 22. Juni. Norwegen gegen Senegal im MetLife Stadium. Frankreich wird seine Partien bereits gelöst haben. Was an diesem Abend bleibt, ist die Achse, um die sich Gruppe I seit der Auslosung dreht. Einer kommt weiter. Der andere fährt nach Hause.

Senegal landet auf Platz zwei. Mané beendet seine internationale Karriere nicht ohne eine K.-o.-Runde — nicht mit diesem Kader, nicht nach dem, was die letzten vier Jahre gekostet haben. Norwegen ist gut genug, um es bis zur letzten Minute im BMO Field Toronto schmerzhaft zu gestalten. Aber Senegal war schon im Inneren dieses Feuers. Dieser Vorsprung — gering und real — entscheidet Gruppe I.

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