Technologie

Die iPhone-Tastatur versteckt 4.500 Phrasen, die sie nie vorschlägt

Adrian Kessler
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Auf der Tastatur Ihres iPhones gibt es eine verborgene Liste mit Phrasen, die sie niemals vorschlägt – und ein Forscher hat sie nun entschlüsselt. Die Texterkennung weigert sich, irgendetwas von dieser Liste anzubieten, selbst wenn es das offensichtlich nächste Wort wäre. Auch beim Wischen über die Tastatur entstehen diese Phrasen meist nicht. Manchmal ändert die Tastatur sogar ein Wort, das Sie bereits eingegeben haben, damit die Phrase gar nicht erst erscheint. Der Katalog reicht von Schimpfwörtern und sexueller Umgangssprache über politische Slogans und historische Ereignisse bis hin zu Kuriositäten wie „Santa isn’t real“ und „iMessage isn’t working“.

Nichts auf der Liste hindert Sie daran, all das zu schreiben. Tippen Sie die Buchstaben einzeln ein, lässt die Tastatur alles durch – es handelt sich also nicht um ein Verbot. Es ist eine subtilere Form der Steuerung: Apple entscheidet, welche Wörter Ihnen direkt unter dem Daumen angeboten werden, veröffentlicht die Liste aber nicht und erklärt auch nicht, wie eine Phrase darauf landet. Wer sich auf Autovervollständigung oder Wischgesten verlässt, statt jeden Buchstaben einzeln einzutippen, merkt, wie sehr diese Entscheidung beeinflusst, was sich einfach schreiben lässt.

Der Forscher Derik Kauffman veröffentlichte die entschlüsselten Listen auf einer Website namens Swipeblocked; seinen Code und die Daten stellte er auf GitHub bereit. Allein die englische Liste enthält 4.513 Phrasen. Apple führt ähnliche Listen für 27 weitere Sprachen und Schriftsysteme. Reuters, das zuerst über die Ergebnisse berichtete, zählte insgesamt mehr als 100.000 blockierte Wörter und Phrasen. Ein weiterer Forscher sagte Reuters, er habe dieselbe Liste unabhängig davon ausgelesen.

Die Regeln greifen bei exakt übereinstimmenden Wortfolgen, sodass eine leicht abgewandelte Formulierung durchrutscht. Beim Wischen verhält sich die Tastatur noch merkwürdiger. Wischen Sie „left wing“ und anschließend „conspiracy“, geht die Tastatur zurück und ändert „wing“ in „wrong“ – so erscheint „left wing conspiracy“ nie auf dem Bildschirm. Für die Wischeingabe gibt es im Englischen eine eigene, kürzere Liste mit rund 2.800 Phrasen. Deshalb lassen sich manche Einträge, darunter „Santa isn’t real“, weiterhin durch Wischen eingeben, werden aber nie vorgeschlagen. Einzelne Wörter, die Apple als anstößig einstuft, werden überhaupt nicht vorgeschlagen; als vulgär eingestufte Wörter erscheinen erst, nachdem Sie sie selbst dreimal eingegeben haben.

Bei einigen Einträgen wirkt es, als sei die Entscheidung jeweils nur in eine Richtung gefallen. „Bad girl“ ist blockiert, „bad boy“ hingegen nicht. „I’m white“ ist blockiert, „I’m black“ nicht. „Taiwan is country“ wird blockiert, während „Taiwan is a country“ durchkommt. Seitenhiebe auf die US-Politik wie „sleepy Joe“ und „dictator Trump“ stehen neben „NSA surveillance“, „Covid was a hoax“, „send nudes“ und „tree hugger“. Der einzige vollständige Personenname auf der englischen Liste lautet Trayvon Martin.

In anderen Sprachen finden sich jeweils eigene lokale Reizthemen. Die chinesischen Listen enthalten „June Fourth“, die Kurzform für die Niederschlagung der Proteste auf dem Tiananmen-Platz, sowie den Namen des Friedensnobelpreisträgers Liu Xiaobo. Auch die Funktionsweise unterscheidet sich im Chinesischen: Die blockierten Wörter erscheinen weiterhin, wenn man sie in Pinyin eingibt, doch sobald man eines davon auswählt, macht die Tastatur keine Vorschläge mehr für das nächste Wort. Kauffman stellte fest, dass ein Teil von Apples chinesischer Eingabetechnik Vorschläge überspringt, sobald ein Wort auf Englisch „taiwan“ oder „tibet“ lautet. Türkisch blockiert „Armenian genocide“, Italienisch „Crimea is Russian“ und Deutsch Dutzende Nazi-Slogans. Die gesamte hebräische Liste umfasst sechs Einträge.

Die entschlüsselten Listen lassen viele Fragen offen – angefangen damit, warum eine bestimmte Phrase überhaupt darauf steht. Apple speichert die Listen als 32-Bit-Fingerabdrücke statt als Wörter. Kauffman rekonstruierte sie daher, indem er mögliche Phrasen erzeugte und jede einzelne mit Apples Tabelle abglich. Was niemand zum Testen eingibt, bleibt verborgen; außerdem sagt er, die Listen seien überall dort unvollständig, wo sich Einträge nicht entschlüsseln ließen. Er warnt auch davor, aus dem Vorhandensein einer Phrase auf Apples Beweggründe für ihre Aufnahme zu schließen. Apple sagte Reuters, die Tastatur sei so konzipiert, dass sie potenziell unangemessene oder anstößige Vorschläge vermeide. Nutzer könnten aber weiterhin eingeben, was sie wollten, oder einen Vorschlag überschreiben. Das erklärt die Schimpfwörter. Warum „iMessage isn’t working“ auf der Liste steht, erklärt es nicht.

Die Filterung gilt für jedes iPhone in jedem Markt. Für jede Tastatursprache gibt es eine eigene Liste, und diese ist stetig gewachsen. Kauffmans Versionsvergleich zufolge umfasste die englische Liste in iOS 14 im Jahr 2020 rund 1.700 Phrasen; mit iOS 27.0 waren es 4.513. Apple aktualisiert sie mit jeder iOS-Version und dazwischen über Sprachdaten, die das iPhone im Hintergrund herunterlädt. Einträge verschwinden auch wieder: Zwei seit einem Update von 2022 blockierte Präsidententitel wurden mit iOS 26.3 entfernt.

Reuters berichtete am 6. November über die Ergebnisse. Kauffman hatte OpenAIs Codex und Anthropics Claude Code genutzt, um die Liste tief im Inneren von iOS aufzuspüren. Seine Listen entsprechen iOS 27.0 und den Sprachdaten, die Apple im Oktober 2026 bereitstellte. Da diese Downloads die Liste auch ohne Software-Update verändern können, erfasst Swipeblocked inzwischen jede neue Version, sobald sie erscheint. Apple hat nicht mitgeteilt, ob es die Liste selbst veröffentlichen wird.

Bis dahin wird die iPhone-Tastatur weiterhin kleine Entscheidungen über Ihre Sätze treffen – Entscheidungen, die Sie nur daran erkennen können, was sie Ihnen niemals vorschlägt.

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