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Unitree baute fast 32.000 Roboter mit 50 Dollar Maschinen pro Stück

Adrian Kessler
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Unitree baut die humanoiden Roboter, denen das Internet gern zusieht: Sie boxen, tanzen und zeigen auf der Bühne Kung-Fu-Tritte. Die Fabrik, in der sie entstehen, wirkt deutlich weniger futuristisch. In der Halle, in der die Motoren für jedes einzelne Robotergelenk gefertigt werden, arbeiten die meisten Beschäftigten an altmodischen Maschinen zum Bewickeln von Spulen. Dazwischen gibt es nur ein oder zwei neue automatisierte Fertigungslinien.

Das bekam der Investor Josef Chen bei einem Rundgang durch Unitrees Werk in Hangzhou zu sehen – und der eigene Börsenprospekt des Unternehmens bestätigt seinen Eindruck. Wer sich chinesische Roboterhersteller als dunkle Fabriken vorstellt, in denen Maschinen rund um die Uhr Maschinen bauen, sollte dieses Bild korrigieren. Einer der größten Roboterhersteller der Welt ist nach wie vor auf menschliche Arbeitskraft angewiesen. Die Gründe dafür sagen viel darüber aus, wie weit humanoide Roboter noch davon entfernt sind, zu Hause oder im Büro echte Arbeit zu verrichten.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Laut Börsenprospekt waren sämtliche Maschinen von Unitree Ende 2025 in der Bilanz rund 1,7 Millionen Dollar wert. Im selben Jahr stellte das Unternehmen fast 32.000 Roboter her. Das entspricht etwa 50 Dollar an Maschinenwert pro Roboter – ungefähr so viel, wie ein Toaster kostet. Rund 26.000 dieser Roboter waren Roboterhunde. Damit übertraf Unitree die geschätzten rund 20.000 Quadrupeden, die laut dem Marktforschungsunternehmen IDC im Jahr davor weltweit ausgeliefert wurden.

Die Automatisierung lässt nicht deshalb auf sich warten, weil Menschen der teure Teil wären. Die Arbeitskosten – einschließlich der Kosten für beauftragte Montagebetriebe – machten 2025 rund 8 Prozent der Ausgaben aus, die Unitree für den Bau seiner Roboter entstanden; den größten Teil des Rests verschlangen Bauteile. In seinen Unterlagen erklärt das Unternehmen, seine neue automatisierte Motorenlinie werde den Arbeitsaufwand pro Motor um mehr als die Hälfte senken, die Kosten eines Robotermodells aber nur um 1,7 Prozent. Außerdem überarbeitet Unitree seine Produkte jedes Jahr. Eine Sondermaschine, die für den diesjährigen Roboter gebaut wird, kann daher schon im nächsten Jahr Schrott sein. Zuerst automatisiert das Unternehmen die Gelenkmodule, weil seine Roboter vor allem diese Bauteile gemeinsam haben.

Selbst das bekannteste Fabrikvideo des Unternehmens erzählt auf dem Papier eine weniger weitreichende Geschichte. Unitrees Clip, in dem ein humanoider G1 eigenständig Teile an seiner Fertigungslinie montiert, kam auf rund 28 Millionen Aufrufe und wurde als tatsächlicher Einsatz präsentiert. Im Börsenprospekt bezeichnet das Unternehmen die Arbeit als Pilotprojekt und hält fest, dass die Montage derzeit überwiegend manuell erfolgt.

Die Unterlagen zeigen auch, wer heute humanoide Roboter kauft. In den ersten neun Monaten des Jahres 2025 entfielen drei Viertel von Unitrees Umsatz mit Humanoiden auf Forschung und Bildung; weniger als 5 Prozent kamen von Fabriken und anderen Industriekunden. Chen ergänzt, dass die Hälfte oder mehr dessen, was Unitree in seinen Unterlagen der Industrie zurechnet, auf Roboter entfällt, die bei Unternehmen Führungen anbieten. Er ist kein neutraler Beobachter: Er gründete Kaikaku, ein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell auf der Wette beruht, dass westliche Fabrikmaschinen die Roboter von morgen bauen werden. Genau diese These vertritt er auch in seinem Essay. Im Werk durfte er keine Fotos machen, und nach eigenen Angaben weiß er nicht, welcher Anteil der Motoren von den automatisierten Linien kommt.

Günstige Arbeitskräfte sind ein wichtiger Grund dafür, dass Unitrees Roboter preiswert sind – und dieser Vorteil lässt sich nicht einfach übertragen. Chen schätzt, dass eine Stunde Fabrikarbeit in den USA etwa 7,5-mal so viel kostet wie in China. Damit würden die Arbeitskosten in den USA rund 40 Prozent der Kosten von Unitree ausmachen; dieselbe Motorenlinie könnte dort also etwa 9 Prozent einsparen statt 1,7 Prozent. Unitree verkauft seine Produkte international, doch die US-amerikanische Federal Communications Commission stellte im Juli die Zulassung neuer, im Ausland hergestellter humanoider Roboter und Roboterhunde ein – es sei denn, sie werden in den USA gebaut und mehr als 65 Prozent ihrer Kosten entfallen auf amerikanische Bauteile. Ab 2029 steigt dieser Anteil auf 75 Prozent.

Unitree selbst richtet den Blick über den Körper hinaus. Am Tag von Chens Besuch erklärte Geschäftsführer Wang Xingxing auf einer Konferenz in Wuzhen, das Unternehmen habe zehn Jahre lang am Körper des Roboters gearbeitet und werde sich nun auf dessen Gehirn konzentrieren. Im Ausstellungsraum erzählte Chens Gastgeber, Wang habe einen G1, auf dem GPT-6 lief, gebeten, ihm eine Wasserflasche aus einem anderen Raum zu holen. Der Roboter tat es – langsam.

Auf einer Besuchern gezeigten Unitree-Folie ist der „ChatGPT-Moment“ der Roboter, an dem sie 80 Prozent der ihnen bislang unbekannten Aufgaben in 80 Prozent der Fälle bewältigen können, zwei bis drei Jahre entfernt. Die Folie stammt aus dem vergangenen Jahr. Nach der eigenen Zeitrechnung des Unternehmens wäre frühestens nächstes Jahr so weit. Bis dahin werden Menschen weiterhin den Kupferdraht für Unitrees Motoren aufwickeln.

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