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Yuval Noah Harari, der Historiker mittelalterlicher Kriege, der die Menschheitsgeschichte zum Weltbestseller machte

Penelope H. Fritz
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Yuval Noah Harari
Yuval Noah Harari
Photo: Martin Kraft / CC BY-SA 4.0, via Wikimedia Commons
Geboren24. Februar 1976
Kiryat Ata
BerufHistoriker und Schriftsteller
AuszeichnungenPolonsky-Preis für Kreativität und Originalität · Moncado Award, Society for Military History

Am letzten Septembertag kündigte Penguin Random House ein neues Buch von Yuval Noah Harari an. The Laws of History soll im kommenden Herbst erscheinen und verspricht sechs Gesetze, die erklären, warum Imperien aufsteigen und untergehen, warum manche Religionen Fuß fassen und warum manche Nationen an Macht gewinnen, während andere verblassen. „Obwohl die Geschichte jeden Bereich unseres Lebens berührt, verstehen wir die Gesetze, die sie bestimmen, noch immer nicht“, sagte Harari in der Ankündigung. Bei den meisten Autoren klänge das nach Selbstüberschätzung. Bei einem Militärhistoriker des Mittelalters, dessen Bücher sich mehr als fünfzig Millionen Mal verkauft haben, klingt es nach dem nächsten Schritt einer Gewohnheit, die seine Leser gut kennen: die größtmögliche Frage stellen und sie in schlichten Sätzen beantworten.

Bestseller zu schreiben, war nie sein Plan. Seine frühe Laufbahn galt Rittern, Belagerungen und Soldatenmemoiren, und das Buch, das sein Leben veränderte, begann als Vorlesungsreihe für Bachelorstudierende an der Hebräischen Universität Jerusalem, wo er bis heute Geschichte lehrt. Die Studierenden bekamen in einem einzigen Semester einen Überblick über die gesamte Menschheitsgeschichte. Leser in aller Welt bekamen später denselben Überblick – und einen Streit darüber, der nie ganz abgerissen ist.

Harari wurde am 24. Februar 1976 in Kiryat Ata bei Haifa geboren und wuchs in Haifa in einer säkularen jüdischen Familie auf. Ab 1993 studierte er Geschichte an der Hebräischen Universität mit den Schwerpunkten Mittelalter und Militärgeschichte, danach promovierte er am Jesus College in Oxford bei Steven J. Gunn; 2002 schloss er die Dissertation ab. Oxford gab ihm zwei Dinge mit, die alles Spätere prägten. Im Jahr 2000 begann er mit der Vipassana-Meditation, die er bis heute zwei Stunden täglich praktiziert, dazu kommt jedes Jahr ein Schweigeretreat von dreißig Tagen oder länger. Und er las Jared Diamonds Guns, Germs, and Steel, für ihn rückblickend „eine Art Erleuchtung“, denn „mir wurde klar, dass ich solche Bücher tatsächlich schreiben konnte“.

Zuerst kamen die Fachbücher. Special Operations in the Age of Chivalry, 1100–1550 (2007) untersuchte Überfälle, Entführungen und Attentate in der mittelalterlichen Kriegsführung, The Ultimate Experience (2008) zeichnete nach, wie Soldaten den Kampf zunehmend als eine Art Offenbarung beschrieben. Dafür erhielt er 2009 und erneut 2012 den Polonsky Prize for Creativity and Originality sowie 2011 den Moncado Award der Society for Military History. Außerhalb des Fachs schlugen kaum Leser diese Bücher je auf.

Dann wurde die Vorlesung zum Buch. Eine kurze Geschichte der Menschheit erschien 2011 auf Hebräisch und wurde in Israel ein Bestseller, bevor Harari es zusammen mit zwei Mitarbeitern selbst ins Englische übertrug. Die englische Ausgabe kam 2014 heraus. Die zentrale These ist einfach und bleibt hängen: Unsere Spezies hat sich den Planeten untertan gemacht, weil sie in riesiger Zahl kooperieren kann, und zwar rund um Dinge, die nur in einer gemeinsamen Vorstellung existieren, etwa Götter, Nationen, Geld und Unternehmen. Das Buch stand 182 Wochen auf der Bestsellerliste der New York Times, 96 davon ununterbrochen, und wurde in 65 Sprachen übersetzt. Bill Gates rezensierte es, und es brachte einen Dozenten aus Jerusalem auf die Bühne des Weltwirtschaftsforums in Davos.

Homo Deus – Eine Geschichte von Morgen, 2015 auf Hebräisch und im Jahr darauf auf Englisch erschienen, richtete denselben Blick auf die Zukunft. Nachdem die Menschheit Hunger, Seuchen und Krieg weitgehend gebändigt habe, so seine These, werde sie nun mithilfe von Biotechnologie und Informatik nach Unsterblichkeit, Glück und gottgleichen Kräften streben. Den Glauben, dass letztlich alles Datenverarbeitung sei, nannte er „Dataismus“, und gewidmet hat er das Buch seinem Meditationslehrer S. N. Goenka. 21 Lektionen für das 21. Jahrhundert (2018) kehrte in die Gegenwart zurück: Arbeit, Wahrheit, Fake News, Sinn – und die Frage, was man Kindern beibringen soll, die in einer Welt aufwachsen, die niemand vorhersagen kann.

Seither hat sich das Werk auf neue Formate und Altersgruppen ausgedehnt. Sapiens: A Graphic History, geschrieben mit dem belgischen Comicautor David Vandermeulen und gezeichnet von Daniel Casanave, erzählte das erste Buch zwischen 2020 und 2024 in drei Bänden neu. Unstoppable Us, seine Reihe für Kinder, erreichte im Februar 2026 den dritten Band. Hinter dieser Expansion steht Itzik Yahav, sein Ehemann und Manager, den er in einer standesamtlichen Zeremonie in Toronto heiratete und mit dem er 2019 das Social-Impact-Unternehmen Sapienship gründete.

Nexus, erschienen am 10. September 2024, ist sein direktestes Buch über das Thema, über das er inzwischen mehr spricht als über jedes andere: künstliche Intelligenz. Es verfolgt Informationsnetzwerke von der Steinzeit bis in die Gegenwart und argumentiert, dass KI die erste Technologie ist, die selbstständig Entscheidungen treffen und Ideen hervorbringen kann, also ein Akteur und kein Werkzeug. Mit dieser These kehrte er im Januar 2026 nach Davos zurück und reiste im Mai nach Oxford, wo er am Linacre College die Tanner Lecture on Human Values hielt, unter dem Titel „KI-Bürokraten, KI-Religionen und KI-Boyfriends“ („AI bureaucrats, AI religions, and AI boyfriends“).

Nicht alle sind überzeugt. Akademische Rezensenten gehen weit härter mit ihm ins Gericht als das breite Publikum. Der Anthropologe Christopher Hallpike bezeichnete Eine kurze Geschichte der Menschheit als „Infotainment“. 2022 schrieb die Neurowissenschaftlerin Darshana Narayanan in Current Affairs, er „opfert die Wissenschaft der Sensationslust“, und die Anatomin Alice Roberts hat die Darstellung der menschlichen Evolution in dem Buch scharf angegriffen. Die Kritik gehört zu dem Terrain, das er sich ausgesucht hat. Er schreibt als Generalist in einem Zeitalter der Spezialisten, und ein Generalist bietet immer Angriffsfläche.

Abseits der Bühne lebt er in der Nähe von Tel Aviv, ernährt sich vegan und hält Abstand zu den digitalen Gewohnheiten, vor denen er warnt: Ein Smartphone benutzt er nur auf Reisen und für Notfälle. The Laws of History soll am 21. September 2027 erscheinen. Gelingt dem Buch, was seinen besten Büchern gelungen ist, wird der lange Blick auf die Geschichte wieder dringlich wirken.

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