Wirtschaft und Finanzen

BitGo kauft NYDIGs institutionellen Handelsarm und wächst über die Krypto-Verwahrung hinaus

Victor Maslow

Die Etablierung von Bitcoin als ernstzunehmende institutionelle Anlageklasse hat die Infrastruktur, die sie bedient, grundlegend verändert. Hedgefonds und Vermögensverwalter, die ursprünglich wegen des direkten Bitcoin-Exposures in den Kryptomarkt kamen, verlangen nun nach Derivaten zur Risikoabsicherung, nach Finanzierungen zur Hebelung von Positionen und nach strukturierten Produkten, um das Exposure für ihre eigenen Kunden zu verpacken. Die Verwahrung – einst der prestigeträchtigste Dienst, den ein Krypto-Unternehmen anbieten konnte – ist zur Basisanforderung geworden.

BitGo hat das früher verstanden als die meisten. Das Unternehmen baute sich seinen Ruf als vertrauenswürdigster Verwahrer digitaler Vermögenswerte der Branche auf und musste dann mit ansehen, wie der Markt, den es bediente, zunehmend eine vollständige Bankdienstleistungs-Palette verlangte. Die Übernahme der institutionellen Handelsabteilung von NYDIG vollendet diesen strategischen Schwenk: Derivate, Finanzierungen, Kapitalmarkt-Lösungen und ein Kundenstamm von rund 250 Vermögensverwaltern, Hedgefonds, Unternehmen und Family Offices – alles in einer einzigen Transaktion absorbiert.

Für NYDIG signalisiert der Deal einen ebenso deutlichen strategischen Richtungswechsel wie für BitGo. Das Unternehmen baute in einer Zeit, als regulierte Krypto-Infrastruktur rar war, einen institutionellen Bitcoin-Handel auf – und entschied dann, dass seine Zukunft im Mining und in Rechenzentren liegt. Ein Bitcoin-Mining- und Hochleistungsrechner-Geschäft mit einer Entwicklungspipeline von über 3 Gigawatt Stromkapazität ist der Bereich, in den NYDIG als nächstes investieren will. Die Handelsabteilung lag neben dieser These; BitGos Verwahrungsgeschäft machte das Unternehmen zum natürlichen Käufer.

Die rund 30 Mitarbeiter, die zu BitGo wechseln, bringen die Beziehungen mit, die NYDIG zu Vermögensverwaltern, Unternehmen und Family Offices aufgebaut hat. BitGo-CEO Mike Belshe formulierte den Anspruch klar: Institutionen wünschen sich zunehmend einen einzigen Gegenpart, der den gesamten Lebenszyklus digitaler Vermögenswerte abdeckt – Verwahrung, Handel, Finanzierung, Abwicklung. Dies durch eine gezielte Übernahme zu erreichen, komprimiert jahrelange regulatorische Vorarbeit und das Kundenvertrauen, das sonst von Grund auf neu aufgebaut werden müsste.

BitGo notierte Anfang des Jahres an der NYSE zu einer Bewertung von knapp 2 Milliarden US-Dollar und strich dann 15 Prozent seiner Belegschaft. Die 42,5 Millionen US-Dollar schwere Übernahme der NYDIG-Handelseinheit – 7 Millionen US-Dollar in bar, der Rest in Aktien – ist der darauf folgende Schritt: kleineres Team, schärferes Mandat, eine konzentrierte Wette darauf, wohin sich institutionelle Kryptogeschäfte als nächstes entwickeln.

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