Wirtschaft und Finanzen

Citadels Rubner sieht in der Börsenschwäche der nächsten zwei Wochen eine Kaufchance

Victor Maslow

Scott Rubner, Stratege bei Citadel Securities, hat die nächsten zwei Wochen als eines der bedeutendsten Zeitfenster im US-amerikanischen Börsenkalender identifiziert. Seine Empfehlung an Kunden lautet nicht, die erwartete Volatilität zu umgehen, sondern sie als Einstiegsgelegenheit zu nutzen.

Die These von Rubner steht im Widerspruch zum defensiven Reflex, den viele Investoren in Stressphasen entwickelt haben. Alljährlich im Juni treffen am Aktienmarkt bekannte Kräfte aufeinander: Große institutionelle Fonds nehmen vor dem Quartalsende Umschichtungen vor, Optionskontrakte auf die wichtigsten Indizes laufen aus, und die Handelsräume dünnen sich zu Sommerbeginn aus. Das Ergebnis ist ein Markt, der bei normalen Volumina ausgeprägte Kursbewegungen erzeugt. Rubners Einschätzung, berichtet von MarketWatch, lautet: Die bevorstehende Volatilität ist Rauschen, kein Signal.

Die Grundlage dieser Bewertung ergibt sich aus der Marktstellung von Citadel Securities: eines der größten Market-Making-Häuser am US-Aktienmarkt, mit Zugang zu Echtzeit-Orderflow-Daten, die den meisten institutionellen Marktteilnehmern nicht zur Verfügung stehen. Saisonale Strategien, die auf beobachtetem Kapitalfluss beruhen, unterscheiden sich grundlegend von konventionellen Kalenderregeln; sie spiegeln empirisch belegtes Verhalten wider, keine Wirtschaftstheorie.

Das Gegenargument verdient Beachtung. Wenn ein Stratege eines Hauses dieser Größenordnung ein konkretes Zeitfenster für Käufe ausruft, liest ein Teil des Marktes dieselbe Notiz. Der Rücksetzer, zum Kaufen empfohlen, kann sich zusammenziehen, bevor er sich öffnet. Was nach dem Ende des Zeitfensters geschieht, ist nicht Teil der These: Die Sommermonate nach den Juni-Verfallsterminen haben historisch genauso oft zu längeren Kursverlusten geführt wie zu Erholungen.

Für internationale Investoren — Pensionssparer in Europa, Privatanleger in Asien, die über Dollar-Fonds am US-Markt partizipieren — liegt das Handlungsrelevante nicht im konkreten Trade, sondern in der Haltung: Position halten, nicht bei schlechten Schlagzeilen rotieren, den Rücksetzer als Nachkaufgelegenheit begreifen.

Das von Rubner identifizierte Zeitfenster erstreckt sich bis Ende Juni und ist am wesentlichen Optionsverfallstermin dieses Monats ausgerichtet. Die nächste reguläre Fed-Sitzung findet Ende Juli statt — der erste institutionelle Entscheidungspunkt nach dem genannten Zeitraum.

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