Wirtschaft und Finanzen

KI-Angst hat ServiceNow und Salesforce zu günstig gemacht, sagt Guggenheim

Victor Maslow

Das dominierende Narrativ im Unternehmens­software­sektor 2026 lautet: verwalteter Niedergang. KI-Agenten automatisieren Workflows. Workflows sind das Kerngeschäft von ServiceNow und Salesforce. Der Markt hat daraus bereits ein Urteil abgeleitet.

Dieses Urteil spiegelt sich in den Bewertungen. Beide Unternehmen haben unter dem Gewicht eines Marktkonsenses gelitten, der die KI-Disruption zunehmend als abgeschlossenen Vorgang behandelt. Ein Analyst bei Guggenheim sieht das anders.

Die These lautet nicht, dass KI harmlos ist oder die Bedrohung übertrieben. Der Guggenheim-Standpunkt ist präziser: Der Markt hat mehr Schaden eingepreist, als die tatsächlichen Wettbewerbsdynamiken rechtfertigen. Beide Aktien notieren auf Niveaus, die einem Szenario entsprechen, in dem KI-Agenten Unternehmens-Workflows schnell genug übernehmen, um die Erlöse erheblich zu beeinträchtigen. Dieses Szenario sei möglich, so der Analyst, aber nicht so wahrscheinlich wie die aktuellen Kurse implizieren.

Dahinter steckt ein strukturelles Argument. ServiceNow und Salesforce sind keine statischen Ziele. Sie haben KI-Funktionen in dieselben Unternehmensplattformen integriert, die zwei Jahrzehnte technologischer Umbrüche überdauert haben. Wechselkosten in Service-Workflow-Infrastrukturen sind institutioneller, nicht nur technischer Natur. Ein Unternehmen, das IT und Einkauf auf ServiceNow aufgebaut hat, wechselt nicht zu einem Chatbot. Die relevante Frage ist nicht, ob die Plattform verschwindet, sondern ob sie KI erfolgreich genug integriert, um ihre Preissetzungsmacht zu erhalten.

Der Guggenheim-Analyst bezeichnete den aktuellen Konsens als „Armageddon“-Ängste. MarketWatch berichtete, der Analyst halte die Bewertungen beider Aktien für übermäßig gedrückt — selbst unter Berücksichtigung der echten Bedrohung durch KI.

Unternehmenssoftware hat größere Übergänge schon überstanden. ERP-Anbieter sollten mit dem Aufkommen von SaaS sterben. SaaS-Anbieter sollten mit dem Smartphone sterben. Jeder Übergang hat die Branche neu sortiert, ohne die Akteure zu eliminieren, die sich rechtzeitig angepasst haben. Die Frage ist dieselbe: Bewegen sich ServiceNow und Salesforce schnell genug, um unverzichtbar zu bleiben? Guggenheim glaubt, der Markt hat diese Frage falsch beantwortet.

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