Fernsehen

Queen of Tears: Ein schonungsloses Drama, das zu Tränen rührt – mit scharfem Witz

Veronica Loop
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Die Eröffnungsszene von Queen of Tears ist eine kleine Meisterklasse in Sachen Spannung: Baek Hyun-woo (Kim Soo-hyun), Rechtsdirektor der Queens Group, sitzt seiner Frau Hong Hae-in (Kim Ji-won) gegenüber, der Erbin desselben Firmenimperiums. Die Luft ist zum Schneiden, unausgesprochener Groll liegt zwischen ihnen, und ihre Ehe steht kurz vor dem Aus. Doch gerade als sich das Publikum auf ein konventionelles Melodram einstellt, schlägt die Serie eine andere Richtung ein: Hae-ins Diagnose Hirntumor zwingt das Paar, sich nicht nur mit den Konflikten in ihrer Ehe auseinanderzusetzen, sondern auch mit den eigenen Schwächen und den gesellschaftlichen Erwartungen, die sie geprägt haben.

Entwickelt von Park Ji-eun, Jang Young-woo und Kim Hee-won, verbindet Queen of Tears mutig Komödie und Drama und bewegt sich dabei auf einem schmalen Grat zwischen Leichtigkeit und Ernst. Die Serie lief auf tvN und entwickelte sich rasch zum kulturellen Phänomen: Während ihrer Ausstrahlung kam sie auf 373,2 Millionen gestreamte Stunden. Kein Wunder, denn hier treffen anspruchsvolles Erzählen, intensive Gefühle, Romantik und Komik auf eine Weise zusammen, die frisch wirkt und zugleich tief berührt. Ausgestrahlt wurde die Serie vom 9. März bis zum 28. April 2024.

Die erste Hälfte der Serie besticht durch geistreiche Wortgefechte und pointierte Gesellschaftskritik – besonders dann, wenn Hyun-woos ländliche Herkunft auf Hae-ins privilegiertes Leben als Mitglied eines Chaebol-Clans trifft. Kim Soo-hyun überzeugt mit einer herausragenden Leistung und verleiht Hyun-woos Weg vom selbstbezogenen Anwalt hin zu einem Mann, der sich mit Sterblichkeit und Liebe auseinandersetzen muss, Bodenhaftung. Seine emotionale Bandbreite ist beeindruckend, vor allem in den Momenten, in denen er sich seinen Fehlern aus der Vergangenheit stellt. Der Besuch in seinem Elternhaus etwa erinnert eindringlich an seine Wurzeln. Soo-hyuns Darstellung ist der Motor der Serie: Er stattet Hyun-woo mit einer Vielschichtigkeit aus, die ihn nahbar und zugleich fesselnd macht.

Auch Kim Ji-won überzeugt als Hae-in. Verletzlichkeit und Stärke bringt sie mühelos zusammen, besonders in den Folgen, in denen Hae-in gegen ihre Krankheit kämpft und zugleich die komplizierten Machtverhältnisse im Familienunternehmen navigiert. Die Chemie zwischen Kim Soo-hyun und Kim Ji-won ist elektrisierend; dadurch wirkt ihre allmähliche Versöhnung verdient statt konstruiert. Getragen werden ihre Leistungen von einem starken Ensemble, darunter Kim Kap-soo als Hae-ins Großvater und Na Young-hee als ihre Mutter. Mit fein nuancierten Darstellungen der familiären Beziehungen verleihen sie der Geschichte zusätzliche Tiefe.

Ganz ohne Schwächen kommt die Serie allerdings nicht aus. Die Einführung von Yoon Eun-sung (Park Sung-hoon), Hae-ins Jugendfreund, der sie schon lange liebt, wirkt etwas erzwungen. Park Sung-hoon verleiht der Rolle zwar Charme, doch Eun-sungs Handlungsbogen bringt die zentrale Erzählung mitunter aus dem Takt und lenkt von der Beziehung zwischen Hyun-woo und Hae-in ab. Auch das Erzähltempo gerät in der zweiten Serienhälfte gelegentlich ins Stocken; einige Folgen wirken unnötig in die Länge gezogen, insbesondere wenn die Machtkämpfe innerhalb der Queens Group ausführlich beleuchtet werden.

Trotz dieser Schwächen gelingt Queen of Tears eine überzeugende Auseinandersetzung mit Liebe, Verlust und Erlösung. Die Themen werden mit Feingefühl behandelt, und der Serie ist hoch anzurechnen, dass sie sich schwierigen Stoffen direkt stellt. Die Mischung aus Komödie und Drama erinnert an andere erfolgreiche koreanische Serien wie Crash Landing on You. Doch Queen of Tears findet eine eigene Nische, indem sie die Komplexität einer Ehe und die Zerbrechlichkeit des Lebens in den Mittelpunkt rückt.

Auch durch ihre Originalität hebt sich die Serie ab – vor allem in der Darstellung einer Ehe, die im Sterben liegt. Während viele Dramen den ersten Funken einer Romanze in den Mittelpunkt stellen, erzählt Queen of Tears von dem chaotischen und oft schmerzhaften Prozess, eine beschädigte Liebe wieder aufzubauen. Dieser Blick auf die Zwischentöne langjähriger Beziehungen unterscheidet die Serie von konventionelleren romantischen Komödien.

Auch als Genremix überzeugt Queen of Tears und hält komische wie dramatische Elemente gekonnt in der Balance. Die erste Hälfte wirkte frischer und unterhaltsamer, doch viele Kritiker mochten die zweite lieber – wegen ihrer emotionalen Zuspitzung und des deutlich wärmeren Tons. Dass die Serie mühelos zwischen Lachen und Tränen wechseln kann, spricht für die Stärke von Drehbuch und Regie.

Letztlich wagt Queen of Tears etwas Seltenes im Bereich der romantischen Komödie: Die Serie ist zugleich witzig und herzzerreißend. Sie richtet sich an alle, die komplexe Figuren und nuanciertes Erzählen schätzen – und ebenso an jene, die gern einmal so richtig weinen.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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