Fernsehen

Ready, Set, Love: Eine bissige Romcom mit scharfem Gesellschaftsblick

Martin Cid
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Die erste Folge von Ready, Set, Love beginnt damit, dass Day, gespielt von Kemisara Paladesh, über die eigenen Füße stolpert, während sie sich beeilt, sich für einen staatlich veranstalteten Dating-Wettbewerb anzumelden. Die Absurdität dieser Szene – Frauen kämpfen tatsächlich um die Aufmerksamkeit von Männern, obwohl es in dieser Welt kaum welche gibt – gibt den Ton für die schräge thailändische Miniserie vor. Creator Yanyong Kuruaungkoul hat eine dystopische Romcom geschaffen, die campigen Humor mühelos mit überraschend tiefgründigen Themen verbindet und sich damit aus dem überfüllten Angebot romantischer Komödien hervorhebt.

Ready, Set, Love spielt in einer alternativen Realität, in der Männer deutlich in der Unterzahl sind und abgeschieden auf sogenannten „Farms“ leben, während Frauen um ihre Zuneigung konkurrieren. Schon die Ausgangsidee weckt Interesse, doch Kuruaungkoul geht noch weiter und erkundet Themen wie Geschlechterungleichheit, Machtverhältnisse und soziale Abschottung. Das ist keine seichte Romcom, sondern ein Kommentar zu gesellschaftlichen Normen – verpackt in ein verspieltes Format.

Im Mittelpunkt steht Day, eine unauffällige Frau, die sich plötzlich mitten in einem umkämpften Dating-Wettbewerb wiederfindet. Pongtiwat Tangwancharoen spielt Son, den charmanten, aber etwas naiven Mann, in den sie sich verliebt. Die Chemie zwischen den beiden ist spürbar, und ihre Darbietungen tragen die Serie. Paladesh verleiht Day eine reizvolle Mischung aus Tollpatschigkeit und Aufrichtigkeit, durch die sie trotz der absurden Umstände nahbar wirkt. Auch Tangwancharoens Son gewinnt schnell für sich: Seine Darstellung verbindet Unschuld mit Tiefe.

Allerdings überzeugen nicht alle Darstellerinnen und Darsteller gleichermaßen. Ladapa Thongkham als Chanel und Trisanu Soranun als Almond wirken eher wie Karikaturen als wie vollständig ausgearbeitete Figuren. Ihre Rollen sind vor allem auf Komik angelegt, doch ihre Eindimensionalität schwächt mitunter die tiefergehenden Themen der Serie. Auch Kemisara Paladeshs anfängliche Darstellung von Day greift stark auf Klischees zurück: das Mädchen, dem sein Aussehen egal ist, das ständig isst und tollpatschig ist. In kleinen Dosen kann das charmant sein, auf Dauer wirkt es jedoch ermüdend.

Eine der größten Stärken von Ready, Set, Love ist das Erzähltempo. Jede der sechs Folgen ist dicht mit Action, Humor und unerwarteten emotionalen Momenten gefüllt. Die Serie verliert keine Zeit und stürzt sich kopfüber in den Wettbewerb, sodass das Publikum schnell Anteil an den Figuren und ihren Beziehungen nimmt. Der Wechsel von albernen Dating-Spielchen zu ernsthaften Momenten der Selbstreflexion gelingt geschickt und hält die Spannung aufrecht.

Auch Kameraarbeit und Sounddesign verdienen Anerkennung. Der visuelle Stil ist farbenfroh und dynamisch und fängt die surreale Welt der Serie wirkungsvoll ein. Besonders bemerkenswert ist der Einsatz der Musik, die sowohl komische als auch dramatische Momente verstärkt. Das Sounddesign ergänzt das Geschehen auf dem Bildschirm und schafft ein immersives Erlebnis, das das Publikum in die Handlung hineinzieht.

Trotz ihrer Stärken kommt Ready, Set, Love bei der Umsetzung mancher Handlungsstränge ins Straucheln. Einige Geschichten wirken gehetzt oder bleiben unterentwickelt, und die Auflösung bestimmter Konflikte kann konstruiert erscheinen. Außerdem fällt es der Serie trotz ihres Anspruchs auf Tiefgang mitunter schwer, einen durchgehend stimmigen Ton zu wahren; manche Momente wirken dadurch zusammenhanglos.

Die Themen, mit denen sich Ready, Set, Love auseinandersetzt, sind aktuell und relevant. In einer Welt, in der sich die Geschlechterverhältnisse ständig wandeln, bietet die Serie eine ungewöhnliche Perspektive darauf, was passiert, wenn sich die Rollen umkehren. Sie beleuchtet auf anregende Weise Macht, Liebe und gesellschaftliche Erwartungen – und verpackt all das in ein verspieltes, unterhaltsames Format.

Ganz ohne Schwächen ist die Serie allerdings nicht. Das Erzähltempo ist insgesamt zwar hoch, wirkt gelegentlich aber unausgewogen. Manche Folgen hasten durch wichtige Wendungen, während andere bei weniger bedeutsamen Momenten zu lange verweilen. Auch der Humor wirkt bisweilen erzwungen oder stützt sich zu sehr auf Klischees.

Was die Genrezugehörigkeit angeht, ist Ready, Set, Love eine ungewöhnliche Mischung aus Komödie, Romantik und dystopischen Elementen. Für Fans klassischer Romcoms ist die Serie nicht unbedingt die naheliegendste Wahl, doch sie bringt genügend Tiefgang und Originalität mit, um sich im Genre abzuheben. Am besten dürfte sie Zuschauerinnen und Zuschauern gefallen, die romantische Komödien gern mit einer Prise Gesellschaftskritik sehen.

Letztlich ist Ready, Set, Love eine erfrischende Neuinterpretation der Romcom. Es geht nicht nur darum, die Liebe zu finden, sondern auch darum, sich in einer völlig auf den Kopf gestellten Welt zurechtzufinden.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

  • Neennara Boonnithipaisit — May

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