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The Believers: Glaube als perfekte Tarnung für den großen Coup

Alice Lange
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Die goldene Buddha-Statue ragt über dem Bild auf. Ihr friedvoller Ausdruck steht in scharfem Kontrast zu den hastigen, gedämpften Stimmen von Win (Teeradon Supapunpinyo), Game (Pachara Chirathivat) und Dear (Achiraya Nitibhon). Diese erste Einstellung von The Believers ist mehr als eine visuelle Metapher: Sie ist ein Versprechen. Wattanapong Wongwans thailändisches Krimidrama entfaltet eine Geschichte, in der der Glaube zur perfekten Fassade und Frömmigkeit zum Werkzeug der Täuschung wird.

Im Kern ist The Believers eine Geschichte über einen riskanten Coup, verpackt in safranfarbene Mönchsroben. Die drei Hauptfiguren – Win, Game und Dear – sind verzweifelte Unternehmer, die nach dem Zusammenbruch ihres Start-ups in Schulden versinken. Ihre Lösung? Sie wollen das kaum regulierte Spendensystem buddhistischer Tempel ausnutzen, um ihren gewaltigen Kredit zurückzuzahlen, bevor ihnen die Zeit davonläuft. Die Prämisse ist von Spannung durchzogen und verbindet moralische Grauzonen mit dem Adrenalinkick eines Verbrechens. Die Serie lebt von dieser Doppelbödigkeit und macht das Heilige zur Kulisse für das Profane.

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Wongwan führt mit Bedacht Regie und schafft eine dichte Atmosphäre. Er greift die Bildsprache thailändischer Tempel auf – goldene Farbtöne, kunstvolle Schnitzereien und hoch aufragende Statuen – und entwirft eine Welt, die zugleich prachtvoll und bedrohlich wirkt. Auch die Kameraarbeit spiegelt diese Gegensätze: Lange Schatten ziehen sich über glänzende Böden, Nahaufnahmen zeigen den Schweiß auf den Stirnen der Protagonisten, während sie sich durch ihr immer komplexeres Lügengeflecht manövrieren. Das Sounddesign verstärkt die Spannung; der rhythmische Mönchsgesang bildet einen unheimlichen Hintergrund für die geflüsterten Verschwörungen der Figuren.

Besonders glänzt The Believers mit seinen schauspielerischen Leistungen. Teeradon Supapunpinyo ist als Win eine echte Entdeckung. Seine Darstellung ist eine nuancierte Studie moralischen Verfalls: Mit bemerkenswerter Präzision macht er Wins Verzweiflung und innere Zerrissenheit greifbar. Die Szenen zwischen Supapunpinyo und Paopetch Charoensook, der den Mönch Dol spielt, sind besonders fesselnd. Ihr Zusammenspiel gleicht einem Tanz aus Macht und Manipulation; beide liefern eine zugleich glaubwürdige und elektrisierende Leistung.

Pachara Chirathivat verleiht Game eine charismatische Intensität, während Achiraya Nitibhons Dear für emotionale Tiefe sorgt und dem Trio als – wenn auch nicht ganz zuverlässiger – moralischer Kompass dient. Auch die Nebenbesetzung, darunter Channarong Khuntee-tao als Taeng und Manatsanun Panlertwongskul als Ae, bereichert die Handlung und zeichnet die Welt jenseits der drei zentralen Betrüger plastischer. Selbst Gastauftritte wie der von Phiravich Attachitsataporn tragen zu jener Authentizität bei, die die Serie fest in ihrem thailändischen Umfeld verankert.

Allerdings ist The Believers nicht frei von Schwächen. Das Erzähltempo der ersten Staffel wirkt mitunter unausgewogen. Zwar baut sich die Spannung stetig auf, doch manche Nebenhandlungen – insbesondere jene um Figuren wie PCM Ae und Abt Kiw (Surasee Phatham) – bleiben unterentwickelt oder überflüssig. Die Serie findet nicht immer die richtige Balance zwischen ihrer Kritik an religiöser Ausbeutung und dem Anspruch, packendes Drama zu bieten, und gleitet gelegentlich ins Melodramatische ab.

Ihre Eigenständigkeit verdankt The Believers der mutigen Auseinandersetzung mit Religion als Tarnung für kriminelle Machenschaften. Ein solches Thema könnte leicht ausbeuterisch wirken, doch Wongwan geht geschickt damit um. Die Serie nutzt den Tempel als Schauplatz, um Gier, Erlösung und den korrumpierenden Einfluss von Macht zu erkunden. Diese frische Perspektive auf das Krimigenre hebt The Believers von vergleichbaren Produktionen ab.

Den Grenzen des Genres entkommt The Believers dennoch nicht ganz. Als Krimidrama ist die Serie fesselnd, doch ihr fehlen die erzählerische Tiefe und die emotionale Kraft, um sich aus dem dicht besetzten Feld hervorzuheben. Die erste Staffel wirkt eher wie ein vielversprechender Auftakt als wie eine rundum ausgearbeitete Geschichte.

Gebremst wird die Serie außerdem durch ihren Rückgriff auf vertraute Genremuster. Geschichten über das Zusammenspiel von Religion und Geld sind nichts Neues, und The Believers folgt bisweilen vorhersehbaren Bahnen. Die moralischen Dilemmata der Protagonisten sind vielfach bekannt. Zwar verleihen die Darsteller diesen Momenten zusätzliches Gewicht, doch eröffnen sie thematisch nicht immer neues Terrain.

Trotz ihrer Schwächen ist The Believers ein solides Krimidrama. Starke schauspielerische Leistungen, ein ungewöhnlicher Schauplatz und die mutige Auseinandersetzung mit komplexen Themen heben die Serie hervor. Vor dem Hintergrund des thailändischen Buddhismus eröffnet sie einen frischen Blick auf das Krimigenre und beleuchtet die dunklere Seite der menschlichen Natur.

The Believers richtet sich an Zuschauer, die moralisch ambivalente Figuren und vielschichtige Coup-Geschichten mögen. Wer Serien wie Ozark oder Breaking Bad schätzt, wird an Wongwans Produktion einiges zu schätzen wissen. Wer sich hingegen mehr emotionale Tiefe oder eine nuanciertere Auseinandersetzung mit dem Glauben erhofft, könnte die Serie als zu oberflächlich empfinden.

Unterm Strich ist The Believers ein fesselndes, wenn auch nicht makelloses Krimidrama, das eine ungewöhnliche Perspektive auf das Spannungsfeld zwischen Religion und Verbrechen eröffnet.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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