Filmkritiken

An Imperfect Murder: Sienna Miller trägt einen Film, der sich verliert

Camille Lefèvre

James Toback eröffnet An Imperfect Murder mit Bosch und Brahms. Bevor ein einziges Wort gesprochen wird, verortet der Film sich in einer Tradition moralischer Malerei — mittelalterliche Hierarchien von Sünde und Konsequenz, Begierde und ihr Preis, festgehalten in Öl auf Holz. Die Ankündigung ist groß. Was folgt, ist ein Film, den seine eigene Ambition einengt.

Die Prämisse ist klar: Vera Lockman (Sienna Miller), eine erfolgreiche New Yorker Schauspielerin, erwacht aus einem Albtraum, in dem sie ihren drogenhandelnden Ex-Freund getötet hat — und muss feststellen, dass die Grenze zwischen Albtraum und der vorherigen Nacht dünner ist als vermutet. Das eigentliche Thema des Films — wie Schuld aussieht, wenn man nicht mehr feststellen kann, ob man sie verdient hat — wäre für etwas Substanzielleres als 71 Minuten tragfähig. Toback, der auch das Drehbuch schrieb, umkreist dieses Material lieber, als es direkt anzugehen.

Miller ist der Grund, bis zum Ende zu bleiben. Sie gibt Vera ein Innenleben, das das Drehbuch ihr weitgehend verweigert — nicht durch sichtbare Emotionen, sondern durch die Qualität ihrer Aufmerksamkeit: die spezifische Art, wie ihre Figur Informationen über ihre eigenen Taten verarbeitet, ohne sie jemals ganz anzunehmen. Die Szenen, in denen Vera den Abstand zwischen Albtraum und Realität vermisst, produzieren das präziseste Schreiben des Films. Miller bringt ihnen eine Genauigkeit, die einer längeren, mutigeren Version dieser Geschichte gut gedient hätte.

Charles Grodin — in dem, was sein letzter Filmauftritt vor seinem Tod im Mai 2021 werden sollte — spielt Arthur, eine Gestalt von altertümlicher Gelassenheit, die in Veras Leben als etwas zwischen Vertrautem und philosophischem Resonanzboden auftritt. Die Rolle ist klein, aber Grodin bewohnt sie mit der Ökonomie eines Mannes, der Jahrzehnte damit verbracht hat zu lernen, was er braucht und was er weglassen kann. Ihn neben Miller zu sehen bedeutet, einem Gespräch zwischen zwei Schauspielern beizuwohnen, die interessanter sind als die Szene sie offiziell sein lässt.

Alec Baldwin findet als Ermittler das sardonische Register, das die Rolle verlangt. Der Schnitt der Eröffnungssequenz ist präzise — Toback versteht sein Handwerk. Die New Yorker Drehorte tragen ein eigenes Gewicht.

Doch der Film dauert 71 Minuten und überdauert gewisse Erwartungen. Die Mechanik des Thrillers erzeugt keine echte Spannung. Was Vera tatsächlich getan hat, interessiert Toback weniger als das, was sie darüber denkt — was fruchtbarer wäre, wenn die psychologische Architektur dicht genug wäre, um dieses Gewicht zu tragen. Das ist sie nicht. Das 40-Prozent-Ergebnis auf Rotten Tomatoes spiegelt einen Film wider, den Kritiker als zu dünn, zu selbstbezogen oder als unzulänglichen Thriller betrachteten — alles drei zutreffend.

An Imperfect Murder belegt eine ungewöhnliche Position in Tobacks Werk: kleiner als seine Ambitionen, interessanter als seine Rezeption vermuten lässt. Es lohnt sich, ihn einmal zu sehen — für Millers Arbeit und für die besondere Schwere, Grodin in seiner letzten Rolle zu sehen. Er erfüllt nicht, was er ankündigt. Der Abstand zwischen diesen beiden Aussagen ist der Film.

Regie

James Toback
Photo via The Movie Database (TMDB)

James Toback

Fotos: The Movie Database (TMDB)

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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