Filmkritiken

Avatar: Fire and Ash: Atemberaubendes Spektakel überdeckt müde Erzählung

James Camerons dritter Ausflug nach Pandora ist ein technisches Wunderwerk um eine Geschichte, die man längst kennt – und dennoch das Größte auf jeder Leinwand.
Camille Lefèvre
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Die Eröffnungssequenz von Avatar: Fire and Ash — ein chaotischer Überfall des Mangkwan-Clans — trifft mit voller Wucht. Die Unübersichtlichkeit der Szene wird durch James Camerons typische Mischung aus praktischen Effekten und modernster CGI noch verstärkt. Der Handelskonvoi steht in Flammen, die Familie Sully wird auseinandergerissen, während die Musik anschwillt und die Kamera über Pandoras leuchtende Landschaften schwenkt. Das erinnert daran, warum Cameron zu den großen Entertainern des Kinos zählt. Doch im Laufe des Films wird klar: Das Spektakel allein reicht nicht, um diese Geschichte zu tragen.

Cameron hat schon immer ein besonderes Talent für den Aufbau fremder Welten bewiesen, und Pandora ist nach wie vor ein Wunder des Designs: Die biolumineszierende Pflanzenwelt und die gewaltigen Landschaften sind mit atemberaubender Detailfülle gestaltet. Die Actionsequenzen, insbesondere der Überfall der Mangkwan auf den Handelskonvoi, packen und zeigen Camerons Gespür für groß angelegte Schauwerte. Simon Franglens Filmmusik verleiht dem Ganzen zusätzliche Tiefe und gibt den Asche-Leuten eine eigene musikalische Identität, die ihre Bedrohlichkeit unterstreicht.

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Doch bei dem, worauf es am meisten ankommt, gerät Fire and Ash ins Straucheln: bei der Geschichte. Der Film greift Themen und Handlungselemente aus früheren Teilen der Reihe wieder auf und stützt sich stark auf Jake Sullys (Sam Worthington) Trauer um seinen verstorbenen Sohn sowie Neytiris (Zoe Saldaña) wachsenden Hass auf die Menschen. Diese emotionalen Momente wirken eher vertraut als frisch, und das Drehbuch findet kein Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Bedrohungen — den RDA-Truppen und den Mangkwan —, ohne sich zu wiederholen.

Die Darsteller überzeugen, doch das Material gibt ihren Leistungen nur selten zusätzlichen Auftrieb. Worthington und Saldaña spielen wie gewohnt mit vollem Einsatz, doch den Entwicklungen ihrer Figuren fehlen Überraschungen und Tiefe. Stephen Langs Rückkehr als Quaritch ist ein Höhepunkt: Sein Charisma und seine bedrohliche Ausstrahlung machen selbst die schwächeren Momente des Films interessanter. Kate Winslet verleiht Ronal trotz ihrer begrenzten Leinwandzeit Gewicht, während Oona Chaplins Varang als Konzept zwar überzeugt, sich aber nie ganz von den Klischees der skrupellosen Schurkin löst.

Auch die Laufzeit steht dem Film im Weg. Mit mehr als drei Stunden wirkt Fire and Ash überladen, besonders im Mittelteil, wo Tempoprobleme den Schwung ausbremsen. Der emotionale Kern — Jakes und Neytiris Kampf, ihre Familie zu beschützen — entfaltet nie die nötige Wirkung, zum Teil weil es dem Drehbuch schwerfällt, die verschiedenen Handlungsstränge miteinander zu verbinden.

Inhaltlich bewegt sich Fire and Ash auf vertrautem Terrain: Empathie, gegenseitiges Verständnis und der Preis des Krieges. Cameron hat diese Themen bereits zuvor behandelt. Auch hier berühren sie, wirken aber weder so dringlich noch so originell wie in den früheren Filmen. Der Versuch, Umweltschutz mit einem Familiendrama zu verbinden, ist lobenswert, erscheint jedoch oft eher nachträglich eingefügt als als treibende Kraft der Handlung.

Visuell ist der Film ein Triumph. Camerons Einsatz von Motion Capture und CGI verschiebt weiterhin die Grenzen des Machbaren und erschafft eine Welt, die zugleich fremdartig und vollkommen immersiv wirkt. Die Kameraarbeit ist beeindruckend; die weiten Aufnahmen von Pandoras Landschaften führen vor Augen, warum diese Reihe technisch nach wie vor ein Wunderwerk ist. Doch trotz all seiner visuellen Pracht fehlt Fire and Ash der erzählerische Zusammenhalt, der Avatar: The Way of Water so fesselnd machte.

Auch das Erzähltempo bereitet Probleme. Die Actionszenen sind mitreißend, doch die ruhigeren Momente — Jakes und Neytiris Trauer, Kiris (Sigourney Weaver) Schwierigkeiten, eine Verbindung zu Eywa aufzubauen — wirken überhastet oder unausgereift. So pendelt der Film zwischen atemberaubendem Spektakel und erzählerischem Stillstand.

Trotzdem gibt es Momente voller Brillanz. Das Finale, eine ausufernde Schlacht zwischen der Familie Sully, den Mangkwan und den RDA-Truppen, ist ein technisches Meisterstück. CGI, praktische Effekte und Kameraarbeit greifen hier auf eine Weise ineinander, die daran erinnert, warum Cameron sein Handwerk meisterhaft beherrscht. Und auch die Auseinandersetzung mit Themen wie Empathie und gegenseitigem Verständnis berührt, selbst wenn der Film damit kein Neuland betritt.

Avatar: Fire and Ash ist kein Fehlgriff, aber auch kein Film, den man unbedingt gesehen haben muss. Er richtet sich an Fans der Reihe, die Camerons visuelle Handschrift schätzen und bereit sind, über die erzählerischen Schwächen hinwegzusehen.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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