Kino

Camp Crasher: Ein chaotischer Mutter-Sohn-Roadtrip gerät völlig außer Kontrolle

Martha O'Hara
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Die Eröffnungsszene von Camp Crasher ist eine Lehrstunde in komödiantischer Spannung: Patri, gespielt von Natalia Oreiro, setzt ihren Van hektisch rückwärts auf einen Campingplatz und verfehlt nur knapp einen Picknicktisch, während ihr Teenagersohn Ramiro auf dem Beifahrersitz vor Fremdscham beinahe versinkt. Die Szene bringt die zentrale Dynamik des Films perfekt auf den Punkt: Eine Mutter versucht verzweifelt, cool zu sein, und scheitert grandios. Unter der Regie von Martino Zaidelis ist diese argentinische Komödie mit romantischen Elementen ein chaotisches, herzliches Durcheinander, voll körperlicher Slapstickeinlagen und emotionaler Momente, die nicht immer zünden, aber nie langweilig sind.

Patri (Oreiro), eine alleinerziehende Mutter, deren überfürsorgliche Art ans Absurde grenzt, springt als Fahrerin für ihren Sohn Rami (Milo Zeus Lis) und dessen Freunde ein. Der ursprüngliche Busfahrer hat kurzfristig abgesagt, und so bringt Patri die Gruppe zu ihrem Campingausflug zum Schulabschluss. Was folgt, ist eine Kette immer größerer Katastrophen: Patri versucht, ihre Jugend „noch einmal zu erleben“, und gerät dabei mit Ramis Wunsch nach Unabhängigkeit und der generellen Abneigung der Jugendlichen gegen Einmischung durch Erwachsene aneinander. Die Stärke des Films liegt darin, dass er Oreiro ihre überdrehte Slapstick-Performance voll ausspielen lässt. Ihre aufgerissenen Augen, ihre Verzweiflung und ihre körperliche Komik – etwa der missglückte Versuch, ein Lagerfeuer anzuzünden, der in einer Rauchwolke endet – tragen die Absurdität des Geschehens.

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Auch die Nebenbesetzung, insbesondere Pablo Rago als Patri Ex-Mann Diego, verleiht der Geschichte mehr Tiefe. Ragos geerdete Darstellung bildet einen starken Kontrast zu Oreiro und ihrer manischen Energie und sorgt für wirklich berührende Momente. Dazu kommt die farbenprächtige Kameraarbeit, die das üppige katalanische Umland einfängt, in dem sich ein Großteil der Handlung abspielt.

Allerdings gerät Camp Crasher bei Tempo und Dramaturgie ins Straucheln. Der erste Akt ist ein rasanter Wirbel aus Vorbereitung und Einführung; sobald die Gruppe am Campingplatz ankommt, verliert sich die Handlung jedoch. Die Nebenhandlungen um Ramis Freunde – besonders Carla (Sofía Morandi) und Walter (Sebastián Arzeno) – bleiben unterentwickelt, und manche Gags verpuffen, weil der Film sich zu sehr auf Klischees über das Verhalten von Teenagern verlässt.

Auch die Romanze zwischen Patri und Diego ist eine Schwachstelle. Ihre Chemie wirkt bisweilen aufgesetzt, und der Versuch des Films, Komik mit emotionalem Gewicht zu verbinden, führt häufig zu abrupten Tonwechseln. So wird etwa eine Szene, in der Patri ihre Angst gesteht, Rami könne bald ausziehen, unmittelbar danach von einer Rückkehr zum Slapstick unterlaufen.

Doch Camp Crasher macht seine Schwächen mit schierer Begeisterung wett. Im letzten Akt nimmt Patri endlich ihre Rolle als Mutter an, statt eine „coole“ Freundin sein zu wollen – und dieser Moment berührt überraschend. Diese Erkenntnis, dass es wichtiger ist, als Elternteil Rückhalt zu geben, als möglichst viel Spaß zu machen, bildet den emotionalen Kern des Films. Trotz des chaotischen Weges dorthin wirkt dieser Wandel verdient.

Zaidelis’ Regie ist energiegeladen, aber nicht immer gleichmäßig. Visuelle Gags und ein flottes Erzähltempo liegen ihm, doch der romantische Handlungsstrang ist weniger feinfühlig inszeniert. Der Humor ist ein Glücksspiel: Manche Witze sitzen hervorragend – etwa die Szene, in der Patri bei einem Tanzwettbewerb der Teenager mitmachen will –, andere wirken erzwungen oder wiederholen sich.

Inhaltlich geht es in Camp Crasher um die universelle Herausforderung des Elternseins und den Wunsch, mit Kindern in Verbindung zu bleiben, die viel zu schnell erwachsen werden. Patri entwickelt sich von einer überfürsorglichen Mutter zu einem Elternteil, das seinen Kindern Rückhalt gibt – eine nachvollziehbare Reise, auch wenn ihre Methoden oft absurd sind. Der Film streift zudem Themen wie Scheidung und gemeinsame Elternschaft, hätte diese Aspekte aber weiter ausarbeiten können.

Genretechnisch bewegt sich Camp Crasher zwischen Komödie und Romanze. Der Film setzt stark auf körperlichen Humor und Slapstick, während sein emotionaler Kern in einem romantischen Handlungsstrang liegt, der bisweilen angefügt wirkt. Am stärksten ist der Film, wenn er sich auf die Beziehung zwischen Mutter und Sohn konzentriert – sie bildet eine solide Grundlage für Lacher und Tränen gleichermaßen.

Ähnlichkeiten gibt es zu Filmen wie Little Miss Sunshine und Yours, Mine & Ours, die Familiendynamiken mit komödiantischem Chaos verbinden. Allerdings fehlen Camp Crasher der erzählerische Zusammenhalt und die emotionale Tiefe dieser Filme. Während Little Miss Sunshine Humor und Herz präzise ausbalanciert, wirkt Camp Crasher oft, als bemühe er sich zu sehr darum, zugleich lustig und gefühlvoll zu sein.

Die schauspielerischen Leistungen ergeben ein gemischtes Bild. Oreiro sticht heraus und liefert eine Darbietung, die gleichermaßen urkomisch und herzzerreißend ist. Ihr gelingt der Wechsel von körperlicher Komik zu emotionaler Verletzlichkeit; damit ist sie die größte Stärke des Films. Milo Zeus Lis behauptet sich als Rami, auch wenn seine Figur bisweilen unterentwickelt wirkt. Die Nebenbesetzung, darunter Dalia Gutmann als Giselle und Mora Starosta als Luz, leistet solide Unterstützung, bleibt aber wenig facettenreich.

Letztlich dürfte Camp Crasher vor allem Fans der derben Komödie und leichter Familiendramen ansprechen. Zu seinen Stärken zählen die Hauptdarstellerin und die energiegeladene Regie; seine Schwächen liegen im ungleichmäßigen Erzähltempo und in den unausgearbeiteten Nebenhandlungen.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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