Filmkritiken

Gold: Zac Efrons schonungsloses Spiel trägt den Wüstenthriller ums Überleben

Jun Satō
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Die erste Einstellung von „Gold“ zeigt eine grenzenlose, ununterbrochene Wüstenlandschaft, die jede Hoffnung zu verschlingen scheint. Das ist nicht das glamouröse Outback aus den Tourismusprospekten, sondern eine raue, erbarmungslose Wirklichkeit. Regisseur Anthony Hayes macht sie sofort zum prägenden Element dieses minimalistischen Überlebensthrillers.

„Gold“ erzählt von zwei Herumtreibern, Virgil (Zac Efron) und Keith (Anthony Hayes), die auf den größten jemals gefundenen Goldklumpen stoßen. Aus ihrem Traum vom Reichtum wird ein Albtraum aus Einsamkeit, Paranoia und dem Kampf gegen die Naturgewalten. Seine Stärke entfaltet der Film durch eine beklemmende Atmosphäre, die aus dem unablässigen Fokus auf die Wüste und Zac Efrons eindringlichem Spiel entsteht.

Efron legt sein Sonnyboy-Image vollständig ab und verleiht Virgil eine rohe Intensität, die den Film trägt. Seine körperliche Verwandlung ist beeindruckend: sonnenverbrannte Haut, verfilzte Haare und ein ausgemergelter Körper. Besonders überzeugend ist jedoch, wie er Verzweiflung, Angst und einen störrischen Überlebenswillen vermittelt. Die Szenen, in denen er sich gegen Wildhunde behauptet oder geheimnisvolle Eindringlinge abwehrt, sind unmittelbar und packend – nicht zuletzt dank Efrons konsequentem Einsatz für die Rolle.

In „Gold“ wird die Wüste selbst zur Figur: Ihre Weite und Unerbittlichkeit verstärken das Gefühl von Isolation und Verzweiflung. Hayes inszeniert stimmungsvoll und nutzt die Landschaft, um eine greifbare Bedrohung aufzubauen. Besonders wirkungsvoll ist das Sounddesign: Heulender Wind und entfernte Anzeichen drohender Gefahr verschärfen die Spannung. Die reduzierte Ausstattung kommt dem Film zugute, denn die karge Umgebung und die kleine Besetzung lenken den Blick auf Virgils inneren Kampf.

Ganz ohne Schwächen ist „Gold“ allerdings nicht. Die Erzählung setzt stark auf Mehrdeutigkeit. Das kann fesseln, droht aber auch jene Zuschauer zu verlieren, die sich klarere Motive und Auflösungen wünschen. Einige Handlungsstränge wirken unausgereift, und der minimalistische Ansatz, der in mancher Hinsicht erfrischend ist, lässt andere Aspekte etwas dünn erscheinen. So ist die Beziehung zwischen Virgil und Keith zwar interessant, wird aber nicht wirklich vertieft. Ihre Vorgeschichte und die Art ihrer Partnerschaft bleiben weitgehend im Dunkeln – das könnte Zuschauer frustrieren, die sich eine gründlichere Charakterzeichnung erhoffen.

Auch das Erzähltempo gerät mitunter aus dem Gleichgewicht. Die Überlebenskämpfe sind packend – etwa die angespannten Szenen mit den Wildhunden oder den geheimnisvollen Eindringlingen. Die ruhigeren Passagen, in denen Virgils psychischer Zustand ausgelotet wird, ziehen sich dagegen stellenweise. Mit 97 Minuten wirkt der Film bisweilen in die Länge gezogen, besonders in den stillen, nach innen gerichteten Szenen. Das Rätsel um Keiths Abwesenheit ist reizvoll, hätte aber von subtileren Hinweisen profitieren können, um die Spannung aufrechtzuerhalten, ohne auf abrupte Enthüllungen zurückzugreifen.

Inhaltlich kreist „Gold“ um Gier, Überlebenswillen und die Fähigkeit des Menschen, allen Widrigkeiten zum Trotz durchzuhalten. Der Fund des Goldklumpens löst eine Kettenreaktion aus Verzweiflung und Paranoia aus und zeigt, wie das Versprechen von Reichtum korrumpieren und zerstören kann. Das ist kein neues Thema, doch Hayes’ Zugriff wirkt frisch und zeitgemäß – in einer Welt, in der Materialismus und Ehrgeiz häufig zu moralischen Zugeständnissen führen.

Genretechnisch ist „Gold“ klar im Bereich des Überlebensthrillers angesiedelt. Der Film weist Parallelen zu Werken wie „The Desert Fox“ (1951) und „The Edge“ (1997) auf, in denen die lebensfeindliche Umgebung zugleich Kulisse und Gegenspieler ist. Was ihm fehlt, ist jedoch die ausgefeilte Inszenierung und das Tempo größerer Thriller wie „The Revenant“ (2015). „Gold“ hat intensive Action- und Spannungsmomente, erreicht aber nie ganz dieselbe filmische Größe.

Ein besonders markantes Element des Films ist der gezielte Einsatz von Mehrdeutigkeit im Kontext. Die Erzählung deutet eine größere Welt jenseits der Wüste an, zeigt sie aber kaum. Das sorgt für zusätzliche Spannung, kann sich jedoch auch als zweischneidig erweisen. Einerseits gibt es dem Publikum Raum, Leerstellen selbst zu füllen und eigene Deutungen zu entwickeln. Andererseits können offene Fragen einen unbefriedigt zurücklassen.

Die Nebenbesetzung ist zwar klein, verleiht dem Film aber zusätzliche Tiefe. Susie Porters kurzer, einprägsamer Auftritt als „Die Fremde“ sorgt für Unbehagen und Unberechenbarkeit. Die undurchsichtigen Motive ihrer Figur verschärfen Virgils ohnehin prekäre Lage zusätzlich. Auch Andreas Sobiks Darstellung des Mitarbeiters am Außenposten überzeugt und gibt einen Einblick in die harten Lebensbedingungen an einem derart abgelegenen Ort.

Unterm Strich ist „Gold“ (2022) ein atmosphärischer, bewusst reduzierter Thriller, der von starken Darstellern und dem wirkungsvollen Einsatz der Wüstenlandschaft profitiert. Zac Efron liefert eine herausragende Leistung, die den Film trägt, während Anthony Hayes mit seiner Inszenierung eine beklemmende Spannung erzeugt. Der minimalistische Ansatz lässt allerdings manche Aspekte unausgereift wirken, und auch das Erzähltempo ist mitunter unausgewogen.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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