Kino

Finecut macht den Retro-Webtoon ‚Guardians of the Video Game‘ zu Koreas nächstem Animations-Exportschlager

Jun Satō

Die südkoreanische Kultur-Exportmaschine hat ein Jahrzehnt lang bewiesen, dass ihre Comics reisen – als Prestige-Drama, als Streaming-Horror, als Blockbuster-Action. Animation war die langsamere Umstellung, und auf sie setzt Finecut weiterhin. Der Seoul-Vertriebsagent ist bei ‚Guardians of the Video Game‘ eingestiegen, einem 3D-Animationsfilm, der auf einem der meistgelesenen Webtoons von Naver basiert, und präsentiert den Film nicht als heimische Kuriosität, sondern als nächsten koreanischen Crossover-Animations-Titel.

Der Pitch setzt stark auf die Referenzen. Regie bei ‚Guardians of the Video Game‘ führt Uhm Young-sik, einer der erfahrensten Köpfe der koreanischen Animation, dessen Filmografie von ‚Running Man: Revengers‘ über das animierte Segment von ‚Yumi’s Cells‘ bis hin zu – am bezeichnendsten – ‚Red Shoes and the Seven Dwarfs‘ reicht, dem Film, den er gemeinsam mit Moo-Hyun Jang und Hong Sung-ho inszenierte und den Finecut in 120 Territorien verkaufte. Dieser frühere Erfolg ist die Blaupause: ein koreanischer Animationsfilm, der für Synchronisation und breite Familienveröffentlichung konzipiert ist, nicht für den Arthouse-Kreislauf.

Wie Deadline zuerst berichtete, adaptiert der Film Gasfards gleichnamigen Naver-Webtoon, eine Serie mit einer Leserbewertung von 9,98 und 345 Millionen Aufrufen, die bereits ein mobiles Spiel hervorgebracht hat. Die Handlung ist reine Gamer-Nostalgie: Ein verbannter Wächter der Spielwelt stürzt aus hochmodernen 3D-Titeln in ein vergessenes Pixel-Rollenspiel, wo er heimlich einen ahnungslosen Helden zum Ende führen muss, während er eine Verschwörung aufdeckt, die darauf abzielt, beide – und das Spiel selbst – auszulöschen. Locus Animation, das Studio dahinter, wettet darauf, dass der Retro-gegen-Modern-Visual-Gag keine Untertitel braucht.

Das Timing ist das Argument. Finecut wird erstes Filmmaterial auf der TIFF: The Market enthüllen, dem Branchenmarktplatz, der neu an das Toronto International Film Festival angegliedert ist, wo ein koreanischer Verkäufer vor dem straffen Herbst-Einkaufskalender eine Flagge setzen kann. Animation mit einer bereits bestehenden Fangemeinde ist genau das risikoarme, wiedererkennbare Produkt, das Verleiher jagen, wenn Kinoplätze für Familien knapp sind – und ein Webtoon mit einer neunstelligen Leserschaft kommt bereits vermarktet daher. Der Film befindet sich in der Postproduktion und soll im vierten Quartal 2026 erscheinen.

Wenn die Wette aufgeht, wird die vergessene Cartridge im Zentrum von ‚Guardians of the Video Game‘ nicht das Einzige sein, das für ein globales Publikum ausgegraben und neu gestartet wird – es wird Finecuts gesamtes Spielbuch sein.

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