Kino

Lupin Teil 4 ist Netflix-Nummer-1 in Deutschland und 46 Ländern, nicht in den USA

Liv Altman
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Der Arsène Lupin von Maurice Leblanc war ein Dieb, der mit Charme statt mit Gewalt zum Erfolg kam. Omar Sys Assane Diop beweist nun schon seit vier Teilen, dass dieser Trick noch immer funktioniert. Die zweite Woche der neuen Staffel auf Netflix bestätigt das erneut. Interessant ist dabei weniger die Platzierung als vielmehr die Landkarte: Der vierte Teil von Lupin liegt auf der Plattform inzwischen in Frankreich und Deutschland, in Brasilien und Marokko, in der Golfregion sowie auf Guadeloupe und Réunion vorn – in der US-amerikanischen Hitliste taucht er dagegen überhaupt nicht auf.

Diese Lücke ist bemerkenswert, denn die Staffel erreichte ihren Höhepunkt nicht gleich zum Start. Sie legte vielmehr zu. In der zweiten Woche stiegen die Abrufzahlen, die Zahl der Länder, in denen die Serie auf Platz eins steht, verdoppelte sich in etwa, und auch die drei älteren Teile schafften es wieder in die weltweiten Charts. Das ist messbare Mundpropaganda – und macht die Serie ebenso sehr zu einer Katalog- wie zu einer Startgeschichte.

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Die Zahlen stammen aus den Netflix-eigenen Top-10-Daten für die Woche bis zum 1. November. Lupin: Part 4 stand mit 10,8 Millionen Aufrufen und 65 Millionen gestreamten Stunden auf Platz eins der weltweiten TV-Charts für nicht englischsprachige Titel. In 46 Ländern belegte die Staffel den ersten Platz, in 90 Ländern schaffte sie es in die Top 10. Kein Titel auf einer der beiden Netflix-TV-Listen kam in dieser Woche auf mehr Aufrufe. Der Spitzenreiter der englischsprachigen Liste, die Doku-Serie The One About Matthew Perry, erreichte 9,5 Millionen.

Die erste Woche fiel kürzer aus und wirkte deshalb weniger erfolgreich. Die acht Folgen erschienen am Freitag, dem 23. Oktober; damit blieben nur drei Tage in der Erfassungswoche, die am Sonntag, dem 25., endete. In dieser Zeit kam die Staffel auf 6,4 Millionen Aufrufe, lag in 22 Ländern auf Platz eins und schaffte es in 75 Ländern in die Top 10. Nach zwei Wochen steht sie bei insgesamt 17,2 Millionen Aufrufen.

Hinzu kommt der Katalog. „Fans haben sich auch frühere Folgen der gefeierten französischen Serie noch einmal angesehen“, schrieb Netflix auf Tudum: Part 1 liegt mit 5,2 Millionen Aufrufen auf Platz zwei, Part 2 mit 3,2 Millionen auf Platz sechs und Part 3 mit 3 Millionen auf Platz acht. Vier der zehn Plätze in den TV-Charts für nicht englischsprachige Titel gehören damit einer einzigen Serie. In Frankreich war derselbe Vierfach-Erfolg laut dem Preisvergleichsportal JeChange bereits in der Startwoche zu beobachten. Variety berichtete, die Staffel sei als Neustart konzipiert worden, damit auch Neueinsteiger der Handlung folgen können. Aus den Zahlen geht nicht hervor, ob die Aufrufe von Part 1 auf Neueinsteiger oder wiederkehrende Fans zurückgehen. So oder so hat die neue Staffel das Publikum zurück an den Anfang geführt.

Schwächer als Part 3 – und in den USA nicht vertreten

Im Vergleich mit dem Vorgänger fällt die neue Staffel weniger erfolgreich aus. Part 3, der an einem Donnerstag im Oktober 2023 erschien, kam in den ersten vier Tagen auf 11,6 Millionen Aufrufe und in der ersten vollen Woche auf 14,1 Millionen. Part 4 erreichte in seiner ersten vollständigen Woche 10,8 Millionen. JeChange zufolge lag das Tempo zum Start, auf die einzelnen Tage gerechnet, rund ein Viertel unter dem von Part 3.

Am deutlichsten ist der Unterschied in den Vereinigten Staaten. Im Oktober 2023 belegte Part 3 in jeder seiner ersten beiden Wochen Platz fünf der US-TV-Charts. Part 4 hat es überhaupt nicht in die US-Top 10 geschafft. In Großbritannien und Kanada steht die Staffel auf Platz vier, in Australien auf Platz sechs – das englischsprachige Publikum schaut also zu; ausgerechnet in den US-Charts ist sie nicht vertreten. Auch in Japan und Südkorea liegt sie außerhalb der Top 10.

In den übrigen Ländern ergibt sich ein einheitliches Bild. Part 4 steht nicht nur in Frankreich, Deutschland und Brasilien, sondern auch in Italien, Portugal und Rumänien auf Platz eins. In Spanien, Polen und der Türkei belegt die Staffel Platz zwei, in Mexiko, Schweden und Dänemark Platz drei, in Norwegen Platz vier, in Vietnam Platz fünf, in Indien Platz sechs und in Taiwan Platz zehn.

Ein französischer Superheld, der um die Welt reist

Ein Teil der internationalen Reichweite erklärt sich aus der Prämisse. Wie The Nightly zusammenfasst, ist Assane ein Franzose mit senegalesischen Wurzeln, der als Kind Leblancs Bücher verschlang und als Erwachsener die Rolle des Gentleman-Diebs annahm, um sich an der wohlhabenden Familie zu rächen, die seinen Vater Babakar Jahrzehnte zuvor zu Unrecht beschuldigt hatte. Sy hat seine Ambitionen klar benannt. „Wir wollten vor allem einen französischen Superhelden schaffen – und natürlich auch einen schwarzen Superhelden. Das war mir sehr wichtig“, sagte er dem australischen Medium. Der internationale Erfolg der Serie bedeute, „dass wir zeigen können, wie vielfältig Frankreich ist“. Außerdem erzählte er, dass ihm Fans im Nahen Osten, wo es im Arabischen keinen Buchstaben P gibt, sagten, wie sehr sie „Lubin“ lieben. Part 4 steht in Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Katar, Jordanien und dem Libanon ebenso auf Platz eins wie in Ägypten, Nigeria und Kenia – die Charts bestätigen inzwischen die Anekdote.

Die Staffel ist zugleich ein Neuanfang. Die Handlung springt vier Jahre nach vorn. In dieser Zeit saß Assane im Gefängnis; nun bekommt er es mit einem Nachahmer zu tun, der seine Methoden einsetzt. Sy sagte dem französischen Magazin Diverto, der neue Gegner „nutzt neue Technologien, um Falschinformationen zu verbreiten und Assanes beziehungsweise Lupins Identität zu übernehmen“ – Deepfakes und Hackerangriffe inklusive. „Das ist ein bisschen alte Schule gegen neue Schule.“ Serienschöpfer George Kay stieg nach Part 3 aus, und Sy leitet die Serie nun gemeinsam mit Louis Leterrier. Gegenüber Variety sagte er, die Staffel „entfernt sich ein wenig weiter von Maurice Leblanc“. Genau diese Frage nach der Herkunft wirft die neue Staffel auf: Eine Serie, die auf einer hundert Jahre alten Vorlage beruht, löst sich ein Stück von ihr – und schickt das Publikum trotzdem zurück zu ihrem eigenen ersten Kapitel.

Die Reaktionen fallen weniger einhellig aus als die Chartplatzierungen. Journal du Geek fand Sys Darstellung der Figur so überzeugend wie eh und je und hob den neu besetzten Raoul, Théo Christine, besonders hervor. Zugleich nannte das Magazin die Wendungen „ziemlich vorhersehbar“ und hatte den Eindruck, das Franchise werde allmählich überstrapaziert. JeChange verwies auf die geteilte Resonanz bei Rotten Tomatoes: Zum Zeitpunkt des Berichts waren alle sechs Kritiken positiv, während die Publikumswertung bei rund fünfzig Stimmen 20 Prozent betrug. Die Aufrufzahlen stiegen in der zweiten Woche trotzdem.

Vier Plätze – und gute Gründe für Part 5

Für Netflix ist nicht die Zahl von 46 Ländern entscheidend, sondern dass die Serie gleich vier Plätze belegt. Eine Staffel, die das Publikum zurück zu Part 1 bis 3 führt, lässt die gesamte Reihe erneut Erträge einspielen – das ist das stärkste Argument für Part 5. Journal du Geek berichtet, dass die Autorinnen und Autoren bereits daran arbeiten. Der Cliffhanger der neuen Staffel bereitet die Fortsetzung vor, offiziell bestellt hat Netflix sie allerdings noch nicht. MCM berichtete zum Start über Part 4. Zwei Wochen später zeigt sich, wie die Staffel angekommen ist.

In der Staffel geht es um einen Nachahmer, der Assanes Namen stehlen will. Sein engster Konkurrent in dieser Woche in Netflix’ TV-Charts für nicht englischsprachige Titel war Lupin: Part 1.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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