Kino

‚Musk‘ in Venedig: Alex Gibney seziert die politische Macht des reichsten Mannes der Welt

Veronica Loop

Es ist ungewöhnlich, dass Venedig seine Bühne außer Konkurrenz einem fast vierstündigen Dokumentarfilm überlässt — und noch ungewöhnlicher, dass dieser sich den mächtigsten Privatmann der Welt vornimmt. Musk, Alex Gibneys Porträt von Elon Musk, wurde bei den 83. Filmfestspielen von Venedig außer Konkurrenz uraufgeführt: 225 Minuten, eine Pause eingeplant, und nichts von der Ehrerbietung, die der Protagonist gewohnt ist. Gibney nennt ihn eine definitive, ungeschönte Untersuchung eines Mannes, dessen Vermögen zu politischer Macht geworden ist.

Der Film zeichnet nach, wie aus dem Unternehmer von Autos und Raketen eine rechte politische Kraft wurde: der Kauf einer Social-Media-Plattform, der Resonanzraum, den sie ihm verschaffte, das Geld und die Aufmerksamkeit, die er auf mehr als eine Wahl lenkte. Gibneys These lautet nicht, Musk sei ein Showman, sondern dass er folgenreich ist — dass ein Einzelner heute einen Hebel auf das öffentliche Leben ausübt, der einst den Staaten vorbehalten war. Für eine Demokratie ist das die eigentliche Frage des Films.

Wenige haben dafür bessere Referenzen. Gibney zerlegte Enron, die Scientology-Kirche in Going Clear und Elizabeth Holmes‘ Theranos in The Inventor; für Taxi to the Dark Side erhielt er den Oscar. Seine Methode ist die geduldige Anhäufung — Zeugenaussagen, Dokumente, Chronologie —, bis aus dem Porträt eine Anklage wird.

Trocken ist der Film dennoch nicht. David Byrne schrieb mit dem Komponisten Daniel Pemberton einen Originalsong, Let Me Sell You a Dream, dessen Text aus Musks eigenen Worten montiert ist. Die fast vier Stunden mit Pause sind ein Bekenntnis: Dies will kein Zeitungsartikel sein, sondern ein Epos.

Außer Konkurrenz ist Musk nicht im Rennen um den Goldenen Löwen. Bleecker Street bringt ihn im Oktober in die US-Kinos, danach zeigt ihn HBO, international vertreibt ihn Universal. Eine Fügung des Tages: im Wettbewerb stellte Venedig am selben Tag eine Fiktion über einen Architekten vor, der den Weltuntergangsbunker eines Tech-Milliardärs bauen soll.

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