Filmkritiken

Inception, der Heist-Film, den Christopher Nolan in einem Traum errichtet hat

Liv Altman

Inception ist ein Heist-Film, der sich fast vollständig in den Köpfen anderer Menschen abspielt. Christopher Nolan gibt Dom Cobb ein Team, ein Ziel und einen unmöglichen Auftrag — keine Idee zu stehlen, sondern eine einzupflanzen — und faltet dann die Welt um sie herum, bis Korridore rotieren, Städte sich knicken und die Zeit auf jeder Ebene des Traums anders schnell läuft.

Mehr als ein Trick wird das Ganze durch den Ernst, mit dem Nolan seine eigenen Regeln behandelt. Er baut eine vollständige Grammatik der Traumlogik — den Kick, die Totems, den Limbus, das Gesetz, dass man sich nie erinnert, wie man angekommen ist — und vertraut darauf, dass das Publikum mitkommt, während der Film wie ein außer Kontrolle geratener Zug rast. Ein Blockbuster, der wie ein Puzzlekasten konstruiert ist und sich nie dafür entschuldigt, klug zu sein.

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Der Film

Cobb ist ein Flüchtiger, ausgesperrt von seinem Zuhause und seinen Kindern, dem der Industrielle Saito einen letzten Auftrag anbietet: eine Inception durchzuführen, den fast mythischen Akt, eine Idee so tief einzupflanzen, dass die Zielperson sie für ihre eigene hält. Dafür stellt er ein Team zusammen — einen Koordinator, einen Fälscher, einen Chemiker und eine junge Architektin namens Ariadne, deren Aufgabe es ist, die Traumwelten zu entwerfen, durch die sie Ebene für Ebene hinabsteigen.

Nolan inszeniert den Abstieg als einen Stapel verschachtelter Coups, jede Schicht mit ihrer eigenen Uhr, und Wally Pfisters Kamera lässt das Unmögliche schwer und körperlich wirken: das Pariser Café, das in Zeitlupe detoniert, der Korridorkampf, den Joseph Gordon-Levitt in einem real gebauten, rotierenden Set austrägt, die verschneite Festung der tiefsten Ebene. Hans Zimmers Musik — dröhnende Blechbläser und eine verlangsamte Édith Piaf — verwandelt den tickenden Countdown in etwas, das dem Grauen nahekommt.

Inception (2010)
Inception (2010)

DiCaprio, Cotillard und die Architektur der Trauer

Leonardo DiCaprio verleiht Cobb dieselbe heimgesuchte Erschöpfung, die er im selben Jahr in Shutter Island einbrachte — ein Mann, so zerfressen von Schuld, dass sein eigenes Unterbewusstsein sich gegen ihn gewandt hat. Der Heist ist die Handlung, doch die eigentliche Geschichte ist seine Ehe, und Marion Cotillard als die verlorene Mal, die die Mission aus Cobbs Inneren heraus sabotiert, ist das gebrochene Herz des Films.

Um sie herum staffelt Nolan eine der tiefsten Besetzungen seiner Karriere: Joseph Gordon-Levitts unerschütterlicher Arthur, Tom Hardys schlitzohriger Eames, Ken Watanabes Saito, Elliot Page als Eintrittstor des Publikums, Cillian Murphy als Zielperson, deren Verletzung wir mitfühlen, und Michael Caine, der in wenigen Minuten alles verankert. Niemand ist überflüssig; jeder hat den Auftrag verstanden.

Inception (2010)
Inception (2010)

Warum er bleibt

Inception kam im Sommer 2010 als etwas, das das Multiplex nicht mehr für möglich gehalten hatte: ein originelles, teures Spektakel, von Grund auf erfunden und nicht aus einem Comic oder einer Fortsetzung — und das Publikum belohnte es mit mehr als 800 Millionen Dollar. Er holte vier technische Oscars (Kamera, Tonschnitt, Tonmischung und visuelle Effekte) und verankerte sich so tief in der Kultur, dass der sich drehende Kreisel zu seinem eigenen Satzzeichen wurde. Mehr als ein Jahrzehnt später ist der Streit über diese letzte Einstellung nie ganz verstummt — und genau das ist der Punkt.

Unser Urteil

Ein Blockbuster mit dem Ehrgeiz eines Autorenfilms und dem Motor eines Thrillers: Inception ist Nolan auf der Höhe seiner Kunst — dicht, vorwärtstreibend, emotional kühler, als seine Bewunderer zugeben, und gerade deshalb umso hypnotischer. Ob der Kreisel fällt oder nicht — er bleibt eines der kühnsten Dinge, die ein großes Studio in diesem Jahrhundert finanziert hat.

Regie

Christopher Nolan

Christopher Nolan

Besetzung

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