Filmkritiken

Proxima – Die Astronautin: Eva Green und eine Rolle, die das Weltraumkino neu befragt

Veronica Loop

Das Weltraumkino hat jahrzehntelang eine Geschichte erzählt: Die Mission ist der Triumph, die Rückkehr die Erfüllung, das Opfer ist wert, was es kostet. Proxima – Die Astronautin erzählt diese Geschichte nicht. Alice Winocours dritter Spielfilm setzt exakt dort an, wo die anderen Filme aufhören — bei den Monaten vor dem Start.

Sarah (Eva Green), eine französische Astronautin, wird für eine einjährige Mission zur Internationalen Raumstation ausgewählt. Das Training findet am Europäischen Astronautenzentrum in Köln statt — ein Raum, den Winocour mit dokumentarischer Präzision filmt: nüchtern, horizontal, von Prozeduren bestimmt. Parallel dazu: Stella, die siebenjährige Tochter, die bei Thomas (Lars Eidinger), Sarahs Ex-Partner, lebt, und die mehr versteht, als ihr guttut. Mike Shannon (Matt Dillon), ihr amerikanischer Kollege, ist das funktionale Gegenteil: jemand, der sich so vollständig in die institutionelle Logik eingeschrieben hat, dass er nicht mehr erkennt, was diese Logik kostet.

Green spielt Kontrolle als höchste Anstrengung. Sarah ist nicht kühl — sie ist eine Frau, die gelernt hat, die Kosten ihrer Karriere so zu tragen, dass niemand sie sieht. Die Risse in dieser Fassade sind präzise gesetzt: ein zu langer Abschied, ein aufgehaltener Blick, ein Satz, der nicht zu Ende geht. Zélie Boulant spielt Stella mit der direkten Präzision, die Kindern in guten Filmen vorbehalten ist.

Sandra Hüller tritt in einer kleinen, konzentrierten Rolle auf — die Kollegin, die die Antwort schon hat, die Sarah noch sucht. Der Vergleich ist nicht zufällig: Winocour zeigt, wie unterschiedlich zwei Frauen dieselbe institutionelle Anforderung verhandeln können.

Der zweite Akt dehnt sich stellenweise zu lang. Das kontemplative Tempo ist eine Entscheidung, keine Unsicherheit — aber es fordert Geduld vom Publikum, die nicht immer proportional belohnt wird. Die Schlusssequenz arbeitet diesen Kredit ab.

Proxima – Die Astronautin ist kein Abenteuerfilm über das Weltall. Es ist ein präziser, kontrollierter Film über eine Frau, von der ein Programm verlangt, einen Verlust zu üben, bevor er eingetreten ist. Eva Green und Alice Winocour machen dieses Argument ohne falsche Dramatik — und ohne die Tröstung eines ordentlichen Endes.

Regie

Alice Winocour
Photo via The Movie Database (TMDB)

Alice Winocour

Fotos: The Movie Database (TMDB)

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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