Filmkritiken

Sympathy for the Devil: Nicolas Cage stiehlt mit entfesseltem Spiel die Show

Martin Cid
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Die Waffe, die Joel Kinnaman in der Eröffnungsszene von Sympathy for the Devil an die Schläfe gedrückt wird, ist mehr als nur ein erzählerischer Kniff: Sie stürzt uns unmittelbar in Yuval Adlers psychologischen Thriller, der von der ersten Einstellung an von Spannung und Unbehagen lebt. Der Film feierte beim Filmfestival von Cannes Premiere, bevor RLJE Films ihn in die Kinos brachte. Kinnaman spielt den Fahrer, Nicolas Cage den Mitfahrer – ein Duo, dessen Dynamik das unerbittliche Katz-und-Maus-Spiel des Films antreibt.

Adlers Regie ist von Zurückhaltung geprägt – eine Entscheidung, die Sympathy for the Devil von den bombastischen Actionthrillern der vergangenen Jahre abhebt. Statt sich auf eine Reihe spektakulärer Szenen zu verlassen, baut Adler die Spannung in stillen Momenten auf: etwa dann, wenn Kinnaman an einer Tankstelle einer Kellnerin lautlos „Hilfe“ formt, sie jedoch nichts bemerkt und davonfährt. Diese Konzentration auf Spannung statt Spektakel erinnert an den frühen David Fincher, insbesondere an The Game, hat aber eine düsterere Note, die eher an Se7en denken lässt. Mit den beengten Schauplätzen – Autos, Diners und Parkplätzen – verstärkt Adler die klaustrophobische Spannung und lässt das Publikum sich ebenso gefangen fühlen wie Kinnamans Figur.

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Cages Auftritt ist das große Glanzstück des Films – ein Eindruck, den auch zahlreiche Kritiker teilen. Seine Darstellung des Mitfahrers ist auf die beste Weise entfesselt: Die Figur wechselt mit beunruhigender Leichtigkeit zwischen Bedrohlichkeit und Manie. Die Szene im Diner, in der Cage einen langen Monolog hält, ist eine Meisterleistung der Sprechkunst. Er beherrscht die Leinwand, zieht das Publikum in seine verdrehte Weltsicht hinein und lässt selbst die abwegigsten Behauptungen beklemmend plausibel wirken. Das ist nicht einfach nur eine weitere Cage-Performance, sondern das vielschichtige Porträt eines Mannes, der von Trauer und Wut verzehrt wird – eine Figur, die eindimensional hätte geraten können, hier aber komplex und faszinierend ist.

Kinnaman behauptet sich gegen Cages Intensität – und das ist keine geringe Leistung. Seine Darstellung des Fahrers wirkt geerdet und nachvollziehbar: ein Mann, der in einem Albtraum gefangen ist, aus dem er nicht erwachen kann. Kinnaman bringt stille Verzweiflung überzeugend zum Ausdruck und lässt das Publikum mit seiner Figur mitfiebern, selbst wenn deren Handlungen fragwürdig sind. Die Chemie zwischen Kinnaman und Cage ist spürbar; ihre gemeinsamen Szenen knistern vor Spannung und Unberechenbarkeit. Ihre Dynamik bildet das Herzstück des Films: ein Kräftemessen und ein Duell der Verstandeskräfte, das die Zuschauer bis zum Schluss in Atem hält.

Die Nebenbesetzung bleibt zwar weniger im Gedächtnis, verleiht der Welt des Films aber zusätzliche Tiefe. Alexis Zollicoffer als Kellnerin, Cameron Lee Price als Polizist und Oliver McCallum als Junge tragen allesamt zur Atmosphäre des Unbehagens bei. Selbst kleinere Rollen wie Rich Hopkins als Lastwagenfahrer und Kaiwi Lyman als Kollege geben der Geschichte weitere Facetten und lassen den Schauplatz lebendig und authentisch wirken.

Schwächen zeigt der Film bei Tempo und Handlung. Der erste Akt lässt sich Zeit, die Dynamik zwischen Fahrer und Mitfahrer aufzubauen. Sobald die Action jedoch einsetzt, nimmt das Geschehen ein derart halsbrecherisches Tempo auf, dass es schwerfallen kann, den Überblick zu behalten. Hinzu kommen einige konstruierte Wendungen, die auf Zufällen beruhen und die Glaubwürdigkeit strapazieren. So wirkt die Enthüllung der wahren Motive des Mitfahrers überstürzt, als wolle der Film zu viel in seine 90 Minuten Laufzeit packen.

Die Actionszenen sind zwar gut choreografiert, leiden aber unter verwackelten Kamerabildern und raschem Schnitt, sodass sich das Geschehen auf der Leinwand nur schwer verfolgen lässt. Das ist bedauerlich, denn in den ruhigeren Momenten baut der Film eine starke Spannung auf, die durch diese Szenen unterbrochen wird und den ansonsten präzisen erzählerischen Fokus stört. Der Kampf zwischen Kinnaman und Cage auf dem Parkplatz ist beispielsweise intensiv, aber unübersichtlich – eine verpasste Gelegenheit, die körperliche Präsenz der beiden Schauspieler klarer und mitreißender zur Geltung zu bringen.

Fragen von Identität und Täuschung ziehen sich durch Sympathy for the Devil; die wahren Motive des Mitfahrers bleiben bis zum Höhepunkt des Films im Dunkeln. Die Tarotkarten, insbesondere das Pik-Ass, sorgen für eine zusätzliche okkulte Note, die Gangsterfilm-Motive mit dramatischem Erzählen verbindet. Der Film setzt sich nuanciert mit Trauer und Rache auseinander und lässt dadurch selbst die verdrehtesten Figuren auf ihre Weise mitfühlbar erscheinen.

Visuell ist Sympathy for the Devil ein Fest. Adlers Einsatz von Licht und Schatten erzeugt eine Atmosphäre wie im Film noir, während sich die Farbpalette im Laufe der Geschichte von gedämpften Tönen zu kräftigen Farben wandelt. Der Soundtrack verbindet orchestrale und elektronische Elemente und passt perfekt zum Ton des Films; in Schlüsselszenen verstärkt er sowohl die Spannung als auch die Emotionen.

Sympathy for the Devil ist kein perfekter Film, aber ein fesselnder. Seine Stärken liegen in den Darstellungen und der atmosphärischen Spannung, seine Schwächen vor allem im dramaturgischen Aufbau. Der Film dürfte Fans psychologischer Thriller und eingefleischte Cage-Anhänger ansprechen, könnte aber Zuschauer frustrieren, die sich eine stringenter konstruierte Handlung wünschen.

Im dicht besetzten Feld der Actionthriller fällt Sympathy for the Devil durch seinen unkonventionellen Ansatz und die herausragenden Darstellungen auf. Der Film scheut weder die Dunkelheit noch die Komplexität und verleiht dem Genre eine eigenständige Perspektive, die zugleich neu und vertraut wirkt. Nicht für jeden dürfte er die richtige Wahl sein; wer jedoch nuanciertes Erzählen und kraftvolles Schauspiel schätzt, findet hier viel Bewundernswertes.

Sympathy for the Devil lässt einen auch lange nach dem Abspann nicht los: Seine Themen und Darstellungen wirken nach, selbst wenn die Geschichte längst zu Ende ist.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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