Filmkritiken

Taxi Driver: Ein beklemmender Abstieg in den urbanen Wahnsinn

Martha O'Hara
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Die Eröffnung von Taxi Driver zeigt lange die schmutzige Windschutzscheibe eines gelben Taxis. Regentropfen ziehen wie Tränen ihre Spuren durch den Neonlichtschein des New York der 1970er-Jahre. Martin Scorseses Kamera zeigt uns nicht einfach eine Stadt – sie zwingt uns, ihre Abgase einzuatmen und den Schmutz unter den Fingernägeln zu spüren. Dieser Ort schläft nie. Und Travis Bickle (Robert De Niro), der schlaflose Taxifahrer, der Nacht für Nacht durch diesen Großstadtdschungel fährt, schläft ebenso wenig. Seine Schichten werden zu einem Abstieg in den Wahnsinn.

Scorseses Film ist nicht einfach ein Kriminaldrama, sondern ein psychologisches Porträt von Isolation und Besessenheit. Travis, ein Veteran des Vietnamkriegs, treibt orientierungslos durch eine Stadt, die selbst den Halt verloren hat. Seine Tagebucheinträge, die aus dem Off gesprochen werden, offenbaren einen Geist, der immer weiter in Richtung Gewalt abdriftet. De Niros Leistung ist schlicht phänomenal: zunächst zurückhaltend, dann zunehmend verstörend, während Travis’ Wirklichkeitsgefühl immer mehr ins Wanken gerät. Seine Zeilen wie „You talkin’ to me?“ sind längst legendär – doch gerade die leiseren Momente zeigen die ganze Bandbreite seines Könnens. Zu beobachten, wie er sich bei einem Date mit Betsy (Cybill Shepherd) abmüht und seine Verlegenheit in Verzweiflung umschlägt, ist ebenso fesselnd wie jede Actionszene.

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Die Stärke des Films liegt darin, dass wir mit Travis mitfühlen, selbst wenn uns seine Taten abstoßen. Scorsese und Drehbuchautor Paul Schrader zeichnen ihn als einen Mann, der sich für einen fahrenden Ritter hält, dazu bestimmt, die Stadt von ihrem Schmutz zu befreien. Diese Wahnvorstellung ist in jeder Szene greifbar: in seinen gescheiterten Versuchen, Betsy näherzukommen, ebenso wie in der gewaltsamen Konfrontation mit dem Zuhälter Sport (Harvey Keitel). Die Kameraarbeit verstärkt das Gefühl des Unbehagens. Michael Chapmans körnige, bewegliche Bilder lassen New York wie eine eigene Figur wirken – ein Labyrinth aus Elend und Verfall.

Doch Taxi Driver handelt nicht nur von Travis. Der Film kommentiert auch, wie die Gesellschaft Gewalt glorifiziert. Sein umstrittenes Ende, in dem Travis trotz seiner Taten als Held gefeiert wird, bringt dieses Thema auf den Punkt. Nachdem er eine Schießerei mit Sport überlebt und Iris (Jodie Foster) gerettet hat – die 12-jährige Prostituierte, von der er besessen ist –, wird Travis wie ein lokaler Held behandelt. Diese Wendung wirft ethische Fragen zur Ausbeutung in der Kunst auf, insbesondere mit Blick auf Fosters Rolle. Ihre Leistung ist bemerkenswert – sie behauptet sich neben De Niros eindringlicher Präsenz –, doch Iris ist vor allem der Auslöser für Travis’ Gewalt.

Im dritten Akt setzt der Film ganz auf die Glorifizierung von Selbstjustiz, ein Motiv, das schlecht gealtert ist. In einer Zeit, in der Waffengewalt und Amokläufe allzu häufig sind, wirkt die Darstellung Travis’ als fehlerhafter, aber letztlich heldenhafter Figur problematisch. Sie spiegelt die Faszination der Gesellschaft für gewaltsame Retter wider – ein Thema, das Taxi Driver zwar aufgreift, aber nicht konsequent hinterfragt.

Trotz all seiner Schwächen bleibt Taxi Driver ein Meilenstein des Kinos. Sein Einfluss ist in Filmen von The King of Comedy bis Joker deutlich spürbar. Der schonungslose Blick auf Isolation und Wahnsinn wird von De Niros herausragender Leistung und Scorseses meisterhafter Regie getragen. Das finale Feuergefecht – Travis’ versuchtes Attentat auf Senator Palantine (Leonard Harris) und seine gewaltsame Konfrontation mit Sport – ist eine Lehrstunde in Sachen Spannung. Bernard Herrmanns ikonische Filmmusik, die er nur wenige Stunden vor seinem Tod komponierte, verstärkt den psychologischen Horror des Films.

Taxi Driver richtet sich an Zuschauer, die komplexe, fehlerhafte Figuren schätzen und sich unbequemen Themen stellen wollen. Der Film liefert weder einfache Antworten noch eindeutige moralische Orientierung. Stattdessen zwingt er uns, uns mit der Dunkelheit in uns selbst auseinanderzusetzen. Sein rauer Realismus und der schonungslose Blick auf den Verfall der Großstadt machen ihn zu einem Kind seiner Zeit; seine Auseinandersetzung mit Einsamkeit und Besessenheit ist jedoch zeitlos.

Letztlich wirkt Taxi Driver noch lange nach dem Abspann nach. Seine Themen – Entfremdung und Gewalt – sind heute genauso eindringlich wie 1976. Der Film ist nicht für jeden geeignet, insbesondere nicht für Menschen, die empfindlich auf explizite Gewalt oder ausbeuterische Darstellungen junger Schauspieler reagieren. Seine künstlerische Kraft und seine Wirkung sind jedoch unbestreitbar.

Fazit:

Taxi Driver bleibt ein Meilenstein des Kinos, dessen Einfluss von The King of Comedy bis Joker spürbar ist. Der Film wirft einen rauen, schonungslosen Blick auf Isolation und Wahnsinn, getragen von De Niros herausragender Leistung. Seine Stärken liegen in der psychologischen Tiefe, Scorseses meisterhafter Regie und Herrmanns unheilvoller Filmmusik.

Besetzung

Fotos: The Movie Database (TMDB)

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