Kino

Disney panzert sein Realfilm-«Tangled» mit Preis-Prestige: Caitríona Balfe wird eine fast stumme Königin Arianna

Camille Lefèvre

Disneys Reihe von Live-Action-Remakes hat in den vergangenen Jahren einiges an kritischen Prügeln einstecken müssen. Die Gegenstrategie des Studios zeichnet sich dabei zunehmend eher in den hinteren Reihen der Besetzungsliste als an ihrer Spitze ab. Für die Neuinterpretation von Tangled stellt Disney zwei frischen Hauptdarstellern eine Riege preisnominierter Erwachsener zur Seite – und die jüngste Verpflichtung, Caitríona Balfe als Königin Arianna, ist das bisher deutlichste Signal. Arianna sprach im Originalfilm kaum ein Wort; eine fünffache Golden-Globe-Nominierte mit dieser nahezu stummen Rolle zu besetzen, ist Prestige als Absicherung, nicht als Schaufenster.

Wie Deadline zuerst berichtete, wird Balfe in Michael Graceys Adaption Rapunzels lange verschollene Mutter spielen. In dem ersten Material, das Disney bei seiner D23-Präsentation angeteasert hatte, fehlte sie auffällig: Der Clip rückte Teagan Crofts Rapunzel, Milo Manheims Flynn Rider und Kathryn Hahns Mother Gothel in den Mittelpunkt. Gemeinsam mit dem Material angekündigt, aber nicht darin zu sehen, setzt Balfes Besetzung ein klares Muster fort: Das dramatische Gewicht des Ensembles wird an Darsteller ausgelagert, die Glaubwürdigkeit auf Festivals und im Preisverleihungszirkus mitbringen.

Für Balfe ist es ein bemerkenswerter geografischer Sprung – vom Schottland des 18. Jahrhunderts in Outlander, das ihr als Claire Fraser vier dieser Globe-Nominierungen einbrachte, und der stillen Trauer von Belfast ins märchenhafte Königreich Corona. Gracey, der Hugh Jackman in The Greatest Showman zum Zirkusdirektor machte, ist ein Regisseur des Spektakels, dem ein Musical-Stoff anvertraut wird. Diese Kombination signalisiert, dass Disney die Songs von Tangled als Eventkino und nicht bloß als Nostalgie inszenieren will.

Dieser Impuls zieht sich durch die gesamte weitere Besetzung. Kathryn Hahn kommt nach Agatha All Along für die Schurkenrolle hinzu; Diego Luna spielt Hawthorne, eine Figur, die Disney als neu für diese Version ausgewiesen hat; Elliot Cowan übernimmt als König Frederic den Thron. Das Studio importiert zugleich erwachsenes Prestige und erfindet Rollen, um aus einem 100-minütigen Zeichentrickfilm einen Live-Action-Blockbuster zu machen. Der Film wird derzeit in Spanien gedreht und soll am 31. März 2028 in die Kinos kommen.

Die Wette ist leicht zu entziffern: Eine Königin, die einst fast ausschließlich durch Blicke kommunizierte, wird nun das Gesicht einer Golden-Globe-Nominierten tragen – Disney setzt darauf, dass eine stumme Rolle, derart laut besetzt, eher als Selbstbewusstsein denn als Übertreibung gelesen wird.

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